In der Hoffnung auf eine Aktienrally in den kommenden Monaten haben Anleger am vorletzten Handelstag des Börsenjahres 2015 noch einmal zugegriffen. Dax und EuroStoxx50 legten am Dienstag jeweils um 1,5 Prozent auf 10.818 und 3302 Punkte zu. "Die europäischen Börsen sind diejenigen, in denen man investiert sein sollte", sagte Naeem Aslam, Chef-Analyst des Brokerhauses AvaTrade. Schließlich pumpe die Europäische Zentralbank (EZB) weiterhin monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. Damit wollen die Währungshüter die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abwenden.

Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets, warnte allerdings davor, angesichts der dünnen Umsätze die aktuellen Kursbewegungen überzubewerten. "Echte Bewegungen kommen erst im nächsten Jahr wieder zustande, wenn die meisten Händler aus dem Urlaub zurückkehren." Ein anderer Börsianer sagte, das aktuelle Geschäft werde von Bilanzkosmetik bestimmt. Beim sogenannten "Window Dressing" legen sich Fonds diejenigen Werte in ihre Depots, die in den vergangenen Monaten besonders stark gelaufen sind, um damit bei ihren Kunden eine gute Figur machen zu können.

Die großen deutschen Indizes und den EuroStoxx50 führten daher Aktien an, die seit Jahresbeginn zwei- bis dreistellige prozentuale Kurszuwächse verbucht haben. Am Montag legte die Deutsche Börse um 2,8 Prozent zu, der Werbeflächen-Vermarkter Ströer gewann 3,1 Prozent, der Laborausrüster Sartorius 2,7 Prozent. Inditex, zu der die Bekleidungskette Zara gehört, rückten in Madrid um 2,5 Prozent vor.

BRENT UND WTI WIEDER ETWAS TEURER



Für positive Stimmung an den Aktienmärkten sorgte Börsianern zufolge zudem die Stabilisierung der Ölpreise. Die Aussicht auf kältere Temperaturen in Europa und den USA und damit einen anziehenden Heizöl-Bedarf verteuerte die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee und das US-Sorte WTI um jeweils ein knappes Prozent auf 36,95 und 37,12 Dollar je Barrel (159 Liter). Am Vortag waren die Kurse der beiden Terminkontrakte um mehr als drei Prozent eingebrochen.

Wegen eines weltweiten Überangebots sind die Preise für den Rohstoff seit Mitte 2014 um etwa zwei Drittel zurückgegangen. Kurz vor Weihnachten fiel Brent auf ein Elfeinhalb-Jahres-Tief von 35,98 Dollar.

ANLEIHEN UNTER DRUCK - SCHWEDISCHE KRONE IM AUFWIND



Wegen der Kursgewinne an den Aktienbörsen zogen einige Anleger Geld aus Anleihen ab. Dies drückte der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Titeln basiert, 65 Ticks ins Minus auf 158,24 Punkte. Der Euro kostete mit 1,0972 Dollar ungefähr so viel wie am Vortag.

Zur schwedische Währung fiel er allerdings zeitweise auf ein Neun-Monats-Tief von 9,1469 Kronen. Grund für die Aufwertung der skandinavischen Valuta seien nachlassende Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung durch die schwedische Riksbank, sagte Commerzbank-Analystin Thu-Lan Nguyen. Viele Anleger hätten erwartet, dass sie auf die Lockerung der Geldpolitik durch die EZB Anfang Dezember reagieren werde, um eine kräftige Aufwertung der Krone zu verhindern. Stattdessen zog der Euro vorübergehend sogar an, weil Anleger die Ausweitung der EZB-Anleihekäufe als zu gering gewertet hatten.

Reuters