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DEUTSCHE EXPORTFIRMEN

Exporteure: Deutsche Unternehmen in Asien - so können Sie am China-Boom mitverdienen

Exporteure: Deutsche Unternehmen in Asien - so können Sie am China-Boom mitverdienen
19.02.2021 06:45:34

Viele deutsche Unternehmen sind stark in Asien vertreten und profitieren vom Boom in China. Das stabilisiert das Geschäft in der Corona-Krise, bietet aber auch langfristig Potenzial. Welche Branchen besonders stark engagiert sind, wie Anleger sich positionieren. Von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Die Zukunft von BMW liegt weit entfernt im Nordosten Chinas. In Shenyang haben die Münchner im Herbst ein neues Batteriezentrum eröffnet. Dort werden die Energiespeicher für den iX3 produziert. China ist der größte Markt für Elektroautos. Mehr als 90.000 elektrifizierte Fahrzeuge sind allein von BMW auf Chinas Straßen unterwegs.

Das rote Riesenreich ist Tempomacher und Hoffnungsträger für die Automobilindustrie. Die Pandemie hat die Bedeutung des Landes weiter erhöht. Seit 1994 ist BMW in China am Start, richtig Fahrt hat das Geschäft nach der großen Finanzkrise aufgenommen. Im Jahr 2008 setzte die BMW Group mit ihrem Partner Brilliance in China knapp 66.000 Fahrzeuge ab - im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als 777.000. Das entspricht Wachstumsraten von über 20 Prozent per annum.

Selbst im Corona-Jahr, in dem der Absatz in der westlichen Welt einbrach, ging es immer noch um mehr als sieben Prozent nach oben. Mittlerweile wird jedes dritte Fahrzeug der Gruppe im chinesischen Markt verkauft.

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Wie hoch der Anteil der Boomregion am Gesamtgewinn genau ausfällt, weisen die deutschen Automobilbauer nicht aus, es gibt aber Schätzungen. Jürgen Pieper, Auto-Experte beim Bankhaus Metzler kalkuliert, dass mindestens 35 Prozent des Konzerngewinns von BMW und Volkswagen im vergangenen Jahr aus China stammen, bei Daimler mindestens 25 Prozent.

Stabilitätsanker

Nie waren China und die anderen aufstrebenden Länder Asiens für die deutsche Wirtschaft so wichtig wie in der Corona-Krise: Im dritten Quartal war Asien/Pazifik die einzige Wachstumsregion der DAX-Konzerne. Nach Berechnung der Unternehmensberatung EY legten die Umsätze dort um knapp zwei Prozent zu. Jeder fünfte Euro Umsatz der Topkonzerne kam somit aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Schon in dem von der Corona-Krise besonders hart getroffenen zweiten Quartal war diese Region der Stabilitätsanker.

"Auch wir in Deutschland profitieren davon, dass dort Beschränkungen früh gelockert werden konnten und die Kauflust offenbar zurückgekehrt ist. Damit erweist sich die globale Aufstellung der deutschen Wirtschaft wieder einmal als hilfreich", konstatiert EY.

Die Unterschiede in der regionalen Aufstellung sind groß, die Eintrittsbarrieren je nach Branche sehr verschieden. Die Versorger RWE und Eon sind fast ausschließlich in Deutschland aktiv. Die Telekom hat sich ein starkes zweites Standbein in Nordamerika aufgebaut, ist aber in Asien ebenfalls nicht vertreten. Die Immobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen haben ihren Schwerpunkt in Deutschland.

Andere Branchen haben es einfacher, in Asien Fuß zu fassen. Am extremsten, aber auch ein wenig kompliziert sind die Verhältnisse bei Infineon: Der Chiphersteller erzielt im vergangenen Geschäftsjahr 37 Prozent seines Umsatzes allein in China. Halbleiter werden für die Herstellung unter anderem von Mobiltelefonen oder auch Computern gebraucht, die wiederum meist in Asien zusammengebaut werden. Ein erheblicher Teil der Produkte von Infineon landet über Umwege bei einem Endkunden in der westlichen Welt. Dennoch ist Infineon der Asien-Riese im DAX. Leichter nachzuvollziehen sind die Wege im Geschäft mit Konsumgütern. Mit der Wirtschaftskraft wächst der Lebensstandard der Menschen in den aufstrebenden Ländern und damit oft auch die Nachfrage nach westlichen Markenartikeln. Ganz vorn dabei ist der Sportartikelhersteller Adidas. Werbestars wie Lionel Messi und Paul Pogba im Fußball oder Basketballprofi James Harden sind globale Helden und damit auch in Fernost populäre Markenbotschafter. Pogba spielt eine tragende Rolle in der aktuellen Werbekampagne zum chinesische Neujahrsfest, zu dem Adidas jedes Jahr eine limitierte Kollektion von Schuhen und Bekleidung in die Läden bringt.

Rekordinvestitionen

Auch die chemische Industrie setzt große Hoffnungen auf das Riesenreich: Bis zum Jahr 2030 werde der Anteil Chinas am Gesamtmarkt der Branche von zuletzt rund 40 auf mehr als 50 Prozent steigen, kalkuliert BASF. Die Ludwigshafener investieren darum massiv in Produktionsstätten in Fernost. Ein wichtiges Projekt ist die von Shanghai aus geleitete Geschäftseinheit für Batteriematerialien, die unter anderem die Autokonzerne beim Bau von Elektromotoren unterstützen soll.

Der Kunststoffspezialist Covestro plant aktuell am Standort Shanghai eine neue Produktionsanlage, die Grundstoffe für Lacke und Klebstoffe liefern soll. Im Jahr 2019 hatte Covestro insgesamt 910 Millionen Euro in China investiert, das war der bis dahin höchste Wert in der Unternehmensgeschichte.

Auch die Pharmaindustrie hat Asien als Absatzmarkt entdeckt. Bayer wächst in China insbesondere mit seinem Gerinnungshemmer Xarelto. Merck profitierte davon, dass das Krebsmedikament Erbitux in die Liste der erstattungsfähigen Medikamente aufgenommen wurde.

Deutschland verdoppelt

Angesichts der wirtschaftlichen und demografischen Dynamik sollte China weiter überdurchschnittlich Wachstum liefern. Für den DAX im Blickpunkt steht die noch immer stark gewichtete Automobilindustrie. Das CAR-Center Automotive Research kalkuliert, dass die Verkäufe der deutschen Hersteller in China bei konstantem Marktanteil innerhalb einer Dekade von 5,4 Millionen auf knapp 8,7 Millionen steigt. Dieser Zuwachs würde in etwa der Größe des gesamten deutschen Automarkts entsprechen.

Der Einfluss Chinas auf die Entwicklung deutscher Unternehmen zeigt sich auch an den Finanzmärkten. Ein Depot aus den aktuellen Indexmitgliedern mit dem höchsten Asien-Anteil - laut Daten der Commerzbank waren das zuletzt Infineon, Covestro, Adidas, BMW und Merck - ist über die vergangenen fünf Jahre im Wert um knapp 145 Prozent gestiegen und damit fast drei Mal so stark wie der DAX. Aus dem Quintett entwickelte sich nur BMW schlechter als der Index. Infineon und Adidas waren sogar die größten Gewinner im DAX.
 


INVESTOR-INFO

Infineon

Megatrend-Gewinner

Der Halbleiterhersteller gehört zu den großen Profiteuren der Digitalisierung. Wichtigste Kundengruppe ist die Autoindustrie. Auch Computer oder etwa Solar- und Windanlagen brauchen leistungsstarke Chips. Die operative Umsatzrendite will Infineon in dem bis Ende September laufenden Geschäftsjahr auf 17,5 Prozent steigern, der Umsatz soll auf etwa 10,8 Milliarden Euro zulegen. Rückschläge sind Einstiegsgelegenheiten. Attraktiv.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 40,00 Euro
Stoppkurs: 27,00 Euro

BMW

Spannender Neustart

Der Premiumhersteller hat das Corona-Jahr besser überstanden als erwartet: Der operative Mittelzufluss (Free Cashflow) lag mit 3,4 Milliarden Euro über Analystenerwartung. Die Ebit-Marge erreichte das obere Ende der angestrebten Spanne von bis zu drei Prozent. Die große Herausforderung bleibt der Start in die Elektromobilität. Das moderate Bewertungsniveau der Aktie sollte langfristig aber Potenzial bieten. Turnaround-Spekulation.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 84,00 Euro
Stoppkurs: 54,00 Euro

GLOBAX-Wikifolio

Exportstars aus Deutschland

Das Zertifikat setzt auf Aktien deutscher Unternehmen, die einen hohen Umsatzanteil außerhalb Europa erzielen und damit vom Wachstumspotenzial auch in Asien profitieren. Der Name des Aktienkorbs steht für "German Global Export", Investieren können Anleger über das von der Redaktion betreute Globax-Wikifolio (ISIN: DE 000 LS9 PWF 6). Seit Start im April 2020 ist der Wert über 60 Prozent gestiegen. Ausführliche Infos unter www.wikifolio.com/de/de/w/wf000globx.

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