Das Soziale Netzwerk Facebook überzeugt in Zeiten von Datenskandalen und juristischem Ärger: Selbst in Europa steigerte das amerikanische Unternehmen die Nutzerzahl zum Jahresende wieder, nachdem sie im Vorquartal leicht rückläufig war. Und nicht nur da läuft es. Vor allem wegen sprudelnder Anzeigeneinnahmen verdiente Facebook im vierten Quartal unterm Strich mit 6,9 Milliarden Dollar so viel wie noch nie. Das gab das weltgrößte Internetnetzwerk am Mittwoch nach US-Börsenschluss bekannt. Ein Vergleich mit den 4,27 Milliarden Dollar Gewinn von vor einem Jahr ist nicht aussagekräftig, weil damals die einmalige Abgabe auf Auslandsgewinne im Zuge der US-Steuerreform den Überschuss gedrückt hatte.

Dennoch musste Facebook Federn lassen. Der Konzern steigerte den Umsatz im Jahresvergleich um 30 Prozent auf knapp 17 Milliarden Dollar - was zunächst gut klingt, stellt sich bei näherem Betrachten als gar nicht mal so positiv heraus. Es war das schwächste Wachstum in den mehr als sechs Jahren, die Facebook nun an der Börse notiert ist. Trotzdem hatten Analysten im Schnitt mit geringeren Erlösen gerechnet.

Für 2019 rechnet Facebook-Finanzchef David Wehner damit, dass sich das Wachstum weiter abschwächt. Bereits im Sommer hatte Wehner angekündigt, dass die Konzernmarge, die lange Zeit deutlich über 40 Prozent lag, wegen der Ausgaben für die Sicherheit nächsten zwei Jahre auf etwa 35 Prozent sinken soll. Im vierten Quartal waren es trotzdem noch 46 Prozent nach 57 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Ist das Schlimmste nun überstanden?



Nach dem Datenskandal rund um die Analysefirma Cambridge Analytica im US-Präsidentschaftswahlkampf und den verschärften EU-Datenschutzregeln ist Facebook in die Offensive gegangen, um weiteren Reputationsschaden abzuwenden. Firmenchef Mark Zuckerberg versprach öffentlichkeitswirksam, sich stärker dem Schutz der Privatsphäre zu widmen.

Seither nimmt das 2004 von ihm gegründete Internetnetzwerk viel Geld in die Hand, um besser gegen Falschmeldungen und Hacker vorzugehen. Im vierten Quartal stiegen die Kosten um 62 Prozent auf über neun Milliarden Dollar.

Für Analyst Haris Anwar vom Finanzportal Investing.com steht fest: "Das Schlimmste ist für diesen Giganten vorbei." All die Schwierigkeiten des vergangenen Jahres hätten weder dem Werbegeschäft noch der Beliebtheit bei den Nutzern etwas anhaben können.

Doch noch ist der juristische Ärger für Facebook nicht beendet. Demnächst dürfte das Bundeskartellamt ihre endgültige Entscheidung im Verfahren gegen den US-Konzern treffen. Seit mehr als zwei Jahren prüft die Behörde, ob der US-Konzern seine Marktmacht missbraucht. Es geht in erster Linie um das Sammeln von Nutzerdaten aus Drittquellen wie beispielsweise auch den eigenen Töchtern Whatsapp und Instagram. Am Ende des Verfahrens wird kein Bußgeld stehen - vielmehr könnten die Wettbewerbshüter Facebook zwingen, bestimmte Praktiken abzustellen.

Wachstumstreiber Instagram und Whatsapp



Auch die Facebook-Töchter trugen zum Erfolg bei. Im Dezember nutzten 2,32 Milliarden Menschen aktiv Dienste wie die Facebook-Plattform, Whatsapp oder Instagram. Dies waren neun Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Neue Nutzer kamen dem Konzern zufolge vor allem in Indien, Indonesien und den Philippinen hinzu. Monatlich würden mehr als 2,7 Milliarden Menschen - und damit mehr als das 3,5-Fache der Bevölkerung Europas - mindestens einen der zum Unternehmen gehörenden Dienste nutzen. WhatsApp und Instagram haben jeweils mehr als eine Milliarde Nutzer.

Daraus will Facebook einem Bericht der "New York Times" zufolge künftig noch mehr Profit ziehen. Demnach will Chef Mark Zuckerberg die Technik hinter den Messaging-Diensten von Facebook, Whatsapp und Instagram vereinheitlichen und auf eine gemeinsame technische Plattform bringen. Dabei solle auch der Einsatz von Verschlüsselung ausgeweitet werden, sagte er in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Aktuell setzt nur WhatsApp standardmäßig Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein, durch die Inhalte nur für Absender und Empfänger im Klartext sichtbar sind. Die Überlegungen seien aber noch in einem frühen Stadium, es sei eher ein Vorhaben für das Jahr 2020 und später, so Zuckerberg. Vor allem in Europa sehen Datenschützer eine Zusammenlegung von Daten aus verschiedenen Diensten als Problem.

Rtr / Dpa-AFX / ak

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Von Annika Kintscher

Die Facebook-Anleger reagierten erfreut über die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen. Die Aktie schoss am Donnerstag um 11,6 Prozent nach oben.

In dem Kurssprung dürfte auch die Erleichterung der Anleger mitschwingen. Nachdem Facebook 2018 unter anderem wegen Datenskandalen und Problemen im Kampf gegen Manipulation und Propaganda so stark in der Kritik stand wie nie zuvor, könnte es nun wieder bergauf gehen.

Charttechnisch betrachtet steht die Facebook-Aktie an einem interessanten Wendepunkt. Seit Anfang des Jahres 2018 korrigierte der Kurs und etablierte eine Seitwärtsbewegung. Nach den guten Quartalszahlen hat die Aktie des Sozialen Netzwerks nun die wichtige 200-Tagelinie bei knapp 145 Euro nach oben hin durchbrochen. Das könnte ein erstes Anzeichen für einen erneuten Aufwärtstrend sein.

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