Fed-Chef Jerome Powell hatte auf der Notenbankenkonferenz von Jackson Hole Ende August ein solches Manöver für dieses Jahr in Aussicht gestellt, jedoch noch keinen Zeitplan vorgelegt.

Die Volkswirte der Notenbank legen zu der Zinssitzung neue Prognosen zur Entwicklung von Konjunktur, Arbeitsmarkt und Inflation vor. Ob die Fed nun auf dieser Basis schon einen Beschluss zum Abbau des Kaufprogramms im Volumen von derzeit 120 Milliarden Dollar im Monat fassen wird, ist jedoch fraglich: "Ich gehe davon aus, dass die US-Währungshüter die wirtschaftliche Entwicklung noch etwas länger beobachten wollen und rechne daher mit einem endgültigen Entschluss erst beim nächsten Notenbanktreffen im November", so die KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Dies sieht auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer so, der für Mittwoch zumindest "ein klares Signal" für eine bald anstehende Verringerung der Käufe erwartet: "Spätestens Anfang 2022 dürfte die Fed dann tatsächlich beginnen, das Kaufvolumen mehr und mehr herunterzufahren."

FED WILL FRÜHEREN FEHLER VERMEIDEN


Anders als im Jahr 2013 werde sie den Prozess wohl kaum wegen einer starken Marktreaktion noch einmal aufschieben müssen, erklärte Krämer. Damals hatte der damalige Fed-Chef Ben Bernanke in einer Kongress-Anhörung offenbar unbedacht die Bemerkung fallengelassen, die Notenbank könnte bei anhaltend positiven Wirtschaftsdaten ihre Wertpapierkäufe allmählich zurückfahren. Ein Beben an den Börsen war die Folge: das sogenannte "Taper Tantrum".

Die Fed ist nun darauf bedacht, solche Turbulenzen tunlichst zu vermeiden und die Finanzmärkte behutsam auf einen allmählichen Ausstieg aus dem Krisenmodus einszustellen. Mehrere Vertreter aus dem Führungskreis der Fed scharren jedoch schon mit den Hufen und dringen auf ein baldiges Startsignal. Sie sehen einerseits die Wirtschaft nach der Krise ausreichend gefestigt, um allmählich ohne die massive Hilfe der Fed auszukommen. Andererseits warnen sie, dass mit dem nach der Corona-Krise einsetzenden Aufschwung auch erhöhte Inflationsgefahren verbunden sind.

Die Fed will substanzielle Fortschritte auf dem Weg zu Preisstabilität und Vollbeschäftigung sehen, bevor sie mit dem Herunterfahren beginnt - dem sogenannten Tapering. Der Preisauftrieb in den USA hat im August leicht nachgelassen und Hoffnung auf ein Abebben des Inflationsschubs gemacht. Waren und Dienstleistungen kosteten im August 5,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, nach 5,4 Prozent im Juli. Damit liegt das Preisniveau aber noch deutlich über dem von der Fed angestrebten Zielwert von zwei Prozent. Doch gehen viele Experten davon aus, dass das Schlimmste in Sache Inflation nun überstanden ist.

FED VOR "SCHLÜSSELMOMENT"


Die jüngsten Arbeitsmarktdaten waren recht enttäuschend ausgefallen: Im August entstanden lediglich 235.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft. Dieses Tempo beim Jobaufbau ist der Fed zu niedrig, schließlich ist die Zahl der Beschäftigten noch um rund 5,3 Millionen unter ihrem Höchststand von Februar 2020.

Die Volkswirte der BayernLB sehen mit der kommenden Fed-Sitzung nun den "Schlüsselmoment in der Tapering-Debatte" gekommen: Sie rechnen mit einer Ankündigung, so dass im Laufe des vierten Quartals mit dem Herunterfahren der Käufe begonnen werden könne. Auch bei dem für Mittwoch anstehenden aktualisierten Zinsausblick der Währungshüter sei "Überraschungspotenzial" vorhanden. Derzeit hält die Fed den Schlüsselzins in einer Spanne von null bis 0,25 Prozent. Die Münchner Ökonomen verweisen darauf, dass die Fed-Mitglieder im Juni im Mittel für gleich zwei Zinsschritte nach oben im Jahr 2023 plädierten: "In der kommenden Woche liegt das Augenmerk der Märkte darauf, ob es neue Stimmen für eine erste Zinsanhebung bereits in 2022 gibt."

rtr