Es sei an der Zeit für neue Ideen und Energie, damit das Institut eine bessere Zukunft habe. Die bisherige Entwicklung sei "desaströs".

Seit Cerberus vor fast genau zwei Jahren bei der Commerzbank eingestiegen ist, verloren die Aktien rund 60 Prozent. Gerade zur Zeit läuft es nicht rund bei der Bank, die vor gut einem Jahrzehnt in der Finanzkrise mit Milliarden vom Bund gestützt werden musste und die deshalb zu 15 Prozent im Staatsbesitz ist. Im ersten Quartal schrieb sie Verluste und strich die Dividende. Zudem scheiterte der Verkauf der Tocher mBank.

"Der Vorstand und die Aufsichtsräte haben es versäumt, wesentliche operative und technologische Maßnahmen umzusetzen", monierte Cerberus. Das Institut habe in mehr als 70 Treffen mit dem Management "konstruktive Vorschläge" ignoriert. Die Bank erklärte, ihr sei bewusst, dass die Entwicklung an der Börse nicht zufriedenstellend sei. "Meinungsäußerungen von Aktionären - auch kritischer Art - nimmt die Bank sorgfältig auf und wird diese auch künftig in interne Erörterungen und in den Dialog mit ihren Eigentümern einfließen lassen." Ein Sprecher der Finanzagentur, der die Beteiligung des Bundes verwaltet, sagte, man führe konstruktive Gespräche mit dem Vorstand. Am Mittwoch tagte der Aufsichtsrat der Bank.

CERBERUS SUCHT RÜCKENDECKUNG


Solche öffentlichen Aktionärskampagnen sind selten in Europa und gerade in Deutschland beäugt man aktivistische Investoren oft mit Misstrauen. Sie werden als Aktionäre wahrgenommen, die sich nur auf kurzfristige Gewinne konzentrieren und nicht auf das, was langfristig für ein Unternehmen am besten ist. Cerberus hofft nun darauf, dass sich ihr weitere Investoren anschließen. Kritik kam auch von Klaus Nieding von der Aktionärsvereinigung DSW: "Offensichtlich ist, dass die Commerzbank nicht richtig voran kommt mit ihrer bisherigen Strategie." Die Fondsgesellschaft Deka forderte bereits im Mai stärkere Kosteneinsparungen und eine Verbesserung der Profitabilität.

Cerberus hielt sich in dem Brief mit konkreten Vorschlägen für einen Kurswechsel zurück. Im Frühjahr 2019 hatte er die damals geplante Fusion mit der Deutschen Bank unterstützt, an der er gut drei Prozent hält. Doch diese Pläne liegen ad acta und beide Häuser versuchen nun alleine auf die Beine zu kommen. Zwei größere Commerzbank-Anleger sagten, die Bank müsse sich stärker auf Digitalisierung fokussieren und Filialen schließen. "Vielleicht hilft der Vorstoß von Cerberus Zielke ja auch, neue Sparmaßnahmen bei den Gewerkschaften durchzuboxen", sagte einer der Investoren. An anderer Stelle hieß es, der Schuss könne für Cerberus nach hinten losgehen. "Der Ton macht die Musik", sagte ein Insider. "Viel forscher kann man nicht sein. Es ist fraglich, ob das hilfreich ist."

Bislang sind viele Details zu dem im Herbst in Aussicht gestellten Abbau von 4300 Stellen und zur Schließung jeder fünften der 1000 Filialen noch offen. Die neue Finanzchefin Bettina Orlopp kündigte einen noch strikteren Sparkurs an. Die Kosten sollen 2020 zusätzlich um 150 Millionen Euro sinken. Konkrete Pläne sollen im Sommer vorgestellt werden.

rtr