GELDANLAGE

Geldanlage: Deutsche investieren Rekordsumme in Aktien - Auch Jüngere entdecken die Börse

Geldanlage: Deutsche investieren Rekordsumme in Aktien - Auch Jüngere entdecken die Börse
26.10.2020 06:55:31

In der Corona-Krise wagen sich immer mehr Privatanleger durchaus geschickt auf das Parkett. Geldvermögen und Sparquote steigen auf Höchstwerte. Und Jüngere entdecken die Börse. Von Wolfgang Ehrensberger

Die Corona-Krise hat das Spar- und Anlageverhalten der Deutschen einschneidend verändert. Noch nie haben die Privatanleger hierzulande so viel zur Seite gelegt, noch nie haben sie so viel in Aktien investiert - und wohl noch nie einen Börseneinbruch so geschickt genutzt wie in diesem Frühjahr.

Wie die Bundesbank jetzt mitteilte, erreichte die Netto-Vermögensbildung der privaten Haushalte in Deutschland im zweiten Quartal mit 109 Milliarden Euro einen historischen Höchstwert. Das Geldvermögen der Privaten stieg auf 6,63 Billionen Euro - ebenfalls Rekord. Der überwiegende Teil der neu angelegten Mittel, 72 Milliarden Euro, entfällt zwar noch immer auf Bargeld und Einlagen. Doch floss insbesondere in Aktien und Fonds mehr Geld als in den Quartalen zuvor. Demnach investierten die Privathaushalte 16 Milliarden Euro in Aktien und sonstige Beteiligungen, 13 Milliarden Euro in Fonds.

Eine Analyse der Beratungsfirma Barkow Consulting, über die die Tageszeitung "Die Welt" berichtete, bezieht sich auf das erste Halbjahr 2020. Demnach kauften die Deutschen in diesem Zeitraum Aktien im Wert von 23,9 Milliarden Euro. Das übertrifft der Analyse zufolge den bisherigen Rekordwert aus dem zweiten Halbjahr 2007. Unmittelbar vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 waren demnach 23 Milliarden Euro in Unternehmenspapiere geflossen. Experten registrieren ein Umdenken beim Anlageverhalten, nachdem die Deutschen traditionell eher auf risikolose Tagesgeldkonten und Sparbücher setzen. "Die Deutschen haben die Aktie für sich als Anlageform entdeckt", resümiert die Geschäftsführerin des Deutschen Aktieninstituts (DAI), Christine Bortenlänger. "Und das Timing erscheint perfekt. Ist doch ein großer Teil der Investments rund um den Börseneinbruch im März erfolgt."

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Zudem rücken vor allem bei jüngeren Leuten Aktien stärker in den Fokus. Onlinebroker wie Comdirect, Consorsbank oder ING und Fintechs wie Trade Republic oder Smartbroker profitieren vom Trend. Die Fintechs gehen dabei mit besonders aggressiven Konditionen in den Markt und bieten etwa Aktien- oder Indexfonds-Sparpläne zum Nulltarif und ab zehn Euro Mindestanlage, aber auch den Erwerb von Bruchteilen von Aktien an. Trade Republic spricht von einer "Demokratisierung des deutschen Kapitalmarkts".

Comdirect berichtet über 232 000 zusätzliche Depotkunden in den ersten neun Monaten 2020 - der höchste Zuwachs seit 20 Jahren. "Insbesondere März und April waren sehr starke Monate", erläuterte eine Comdirect-Sprecherin.

Laut einer von Consorsbank, ING und Comdirect in Auftrag gegebenen Studie ist vor allem bei unter 25-Jährigen das Interesse an Aktien gestiegen. Mittlerweile nutzten 39 (Vorjahr: 26) Prozent diese Anlageform. In keiner anderen Altersklasse habe die Zahl der Aktionäre so sprunghaft zugenommen. Bei den Investments wiederum ziehen vor allem Zukunftsthemen. Speziell Techwerte wie Apple, Tesla oder Amazon stehen im Fokus der Anleger, Wasserstofffirmen wie Ballard Power oder Nel Asa und Impfstoffhersteller wie Curevac oder Biontech.

Die Gründe für den Aktienzulauf sind vielschichtig. Seit Längerem sorgt die Niedrigzinspolitik der Notenbanken dafür, dass klassische Anlageprodukte wie Tages- oder Festgeld kaum noch Zinsen bringen. Gleichzeitig ist das Vertrauen der Deutschen in die gesetzliche Rente durch die Corona-Krise weiter gefallen, im Gegenzug steigt das Vertrauen in die eigene Immobilie - und in Aktien.

Laut Bundesbank hat sich die Sparquote in Deutschland im zweiten Quartal auf 20,1 Prozent fast verdoppelt. Das hängt mit den Lockdown-Beschränkungen zusammen, etwa bei Reisen. Aber auch mit "Vorsichts- und Vorsorgemotiven und einer erhöhten Liquiditätspräferenz", wie es die Bundesbank formuliert. Soll heißen: Die Haushalte haben mit Blick auf Kurzarbeit und eingetrübtem Arbeitsmarkt vorsorglich mehr gespart.

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