Die Rally an den US-Aktienmärkten hat zu Beginn des Jahres 2026 weiter an Fahrt gewonnen. Doch ausgerechnet während dieser Kauflaune äußern sich Analysten von Goldman Sachs relativ pessimistisch.
Aktuell stufen die Strategen von Goldman Sachs den Aktienmarkt als zunehmend verwundbar ein. Der zentrale Grund: hohe Bewertungen, die nur noch wenig Raum zum „Verdauen“ von Enttäuschungen lassen, falls sich Konjunktur oder Gewinnperspektiven eintrüben sollten. Nach Einschätzung des von Christian Mueller-Glissmann geleiteten Teams werden Aktien derzeit mit deutlichen Bewertungsaufschlägen gehandelt. Das mache die Märkte anfällig, falls die Sorgen um das Wirtschaftswachstum zunehmen. Besonders kritisch könnte die Lage in der zweiten Jahreshälfte werden. Goldman Sachs befürchtet ein sich eintrübendes makroökonomisches Umfeld und sieht ein steigendes Rezessionsrisiko in den USA – eine Kombination, die - bei gleichzeitig hohen Bewertungen - das Risiko eines ausgeprägteren Bärenmarkts deutlich erhöht.
KGV des S&P-500-Index zu hoch
Ein Blick auf die Bewertungskennzahlen unterstreicht diese Einschätzung. Der US-Leitindex S&P 500 wird aktuell mit rund dem 22-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt und weist damit einen Bewertungsaufschlag von etwa 36 Prozent gegenüber globalen Vergleichsmärkten auf. Zwar erreichte der Index im vergangenen Jahr mehrere Rekordstände und legte in Dollar gerechnet rund 16 Prozent zu. Dennoch blieb er damit hinter der Entwicklung anderer internationaler Aktienmärkte zurück. Der MSCI World ex USA gewann im gleichen Zeitraum etwa 29 Prozent, da Investoren angesichts von Handelskonflikten und hoher US-Bewertungen vermehrt außerhalb der Vereinigten Staaten investierten.
Goldman Sachs bleibt kurzfristig noch positiv und hält zunächst an einer Übergewichtung von Aktien fest, da solides Wachstum in der ersten Jahreshälfte die Risikobereitschaft weiterhin stützen dürfte. Gleichzeitig dämpfen die Strategen jedoch die Erwartungen an das Gesamtjahr: Die risikobereinigten Renditen könnten angesichts der hohen Bewertungen niedriger ausfallen, und die Kursentwicklung dürfte sich verbreitern. Kursgewinne dürften sich nicht mehr ausschließlich auf wenige, stark gestiegene KI-Aktien konzentrieren, sondern auch auf Unternehmen übergreifen, die von der breiteren wirtschaftlichen Entwicklung profitieren und von der tatsächlichen Umsetzung von KI-Anwendungen in den einzelnen Branchen.
Die Lösung lautet: Diversifikation
Was sollten Anleger daraus ableiten? Goldman Sachs rät zu mehr Diversifikation – über Regionen, Sektoren und Anlagestile hinweg. Angesichts der starken Konzentration in einzelnen Marktsegmenten sei eine breitere Aufstellung entscheidend, um Risiken abzufedern und stabilere Erträge zu erzielen. Mit dieser vorsichtigen Haltung steht die US-Investmentbank nicht allein. Auch andere Analysten äußerten sich im Januar 2026 skeptisch zum US-Aktienmarkt. So warnen Strategen von Morgan Stanley vor einer nachlassenden Gewinndynamik und zu hohen Erwartungen, während die Bank of America auf eine ungewöhnlich hohe Marktkonzentration und ein ungünstiges Chance-Risiko-Verhältnis hinweist. Deren Analysten nennen noch weitere ungünstige Bewertungskennzahlen wie etwa die zu hohe Marktbewertung gegenüber dem Bruttosozialprodukt und unattraktive Kurs/Buchwert- und Kurs/Umsatz-Verhältnisse.
Fazit: Die Warnung von Goldman Sachs ist kein Aufruf zum sofortigen Ausstieg aus Aktien, wohl aber ein deutliches Signal zur Vorsicht. In einem Umfeld hoher Bewertungen, zunehmender Konjunkturrisiken und geopolitischer Unsicherheiten ist eine ausgewogene, breit diversifizierte Anlagestrategie wichtiger denn je.
Und mit Papieren wie dem x-trackers S&P 500 SHORT UCITS ETF (ISIN: LU0322251520) könnten pessimistisch eingestellte Anleger auch eine Schwäche des US-Index in Kursgewinne umwandeln.
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