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Goldpreis auf Höchstniveau: Deshalb dürfte die Hausse erst am Anfang stehen

Goldpreis auf Höchstniveau: Deshalb dürfte die Hausse erst am Anfang stehen

WKN: CBK100 ISIN: DE000CBK1001 Commerzbank

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10.07.2020 - 19:34
26.06.2020 04:00:00

Gold ist in Euro gerechnet so teuer wie niemals zuvor. Da wegen der weltweiten Konjunkturprogramme die Schuldenberge der Staaten und die Geldmengen weiter anschwellen, sind Experten überzeugt, dass die Hausse erst am Anfang steht. Von Christoph Platt, Lars Winter und Jens Castner

Nach Golde drängt, am Golde hängt, doch alles. Nicht nur zu Goethes Zeiten im Jahr 1790 war das Edelmetall gefragt. Auch heute ist es begehrt. Und wie. In Euro kostete die Feinunze (31,1 Gramm) jüngst so viel wie nie zuvor. Mitte Mai kletterte der Preis auf ein Allzeithoch bei 1630 Euro. In Dollar notiert das Edelmetall aktuell zwar knapp unter dem Rekordstand von 1921 Dollar des Jahres 2011. Binnen fünf Jahren hat sich die Goldnotiz dennoch annähernd verdoppelt. Und glaubt man den Prognosen der Experten, ist das Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht.

Die Bank of America etwa sagt Goldbesitzern glänzende Zeiten voraus. Der Goldpreis werde in den kommenden 18 Monaten auf 3000 Dollar pro Feinunze emporschnellen. Das Finanzinstitut veröffentlichte seine Prognose in einer Studie mit dem Titel "The Fed can’t print gold". Da ist was dran. Die US-Notenbank kann zwar Geld drucken, als gäbe es kein Morgen, doch Gold drucken kann sie nicht.

Das Verhalten der Notenbanken rund um den Globus ist ein Grund, warum Goldoptimisten zurzeit Oberwasser haben. Die Währungshüter überbieten sich mit Notprogrammen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu lindern und die Finanzmärkte zu stabilisieren. "Das macht Gold als wertstabile Anlage attraktiv", sagt Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst der Commerzbank.

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Aktuell treiben vor allem mittel- bis langfristig orientierte Investoren den Goldpreis an. Sie kaufen Anteile von ETFs und ETCs - Anlageprodukte, die die Entwicklung der Edelmetallnotierung exakt wiedergeben. Deren Bestände steigen seit Monaten stetig. Insgesamt verwalten die wichtigsten Produkte weltweit mehr als 3300 Tonnen Gold im Gegenwert von 183 Milliarden Dollar - auch das ist ein Allzeithoch. Um etwa 450 Tonnen stockten die vom Nachrichtendienst Bloomberg beobachteten ETFs ihre Bestände seit Jahresanfang auf, allein im April kamen knapp 160 Tonnen hinzu.

Wenig Unterstützung erhielt der Goldpreis zuletzt durch Schmuckkäufer. Die Corona-Krise würgte die Nachfrage vor allem in Asien ab. Im April waren die indischen Goldimporte fast vollständig zum Erliegen gekommen. Seit Ende März waren dort die Goldgeschäfte geschlossen, Lieferketten wegen der Einschränkung des Flugverkehrs unterbrochen. Ähnliches galt für China, den zweiten großen Abnehmer von Goldschmuck in Asien.

Doch es kommt Hoffnung auf. Öffnen im Zuge der ersten Lockerungsmaßnahmen der Corona-Krise die Goldgeschäfte, könnte der Schmuck- und Edelmetallbranche eine Renaissance bevorstehen. Das könnte dem Goldpreis den nächsten Schub verleihen. Die Vorhersage der Bank of America halten zwar viele Experten für übertrieben. Doch die Mehrheit rechnet mittel- bis langfristig mit einem steigenden Goldpreis. Die Commerzbank etwa erwartet 1800 Dollar zum Jahresende.

Neue Rekorde ante portas

Einen Angriff auf das bisherige Allzeithoch von rund 1900 Dollar prognostiziert die dänische Saxo Bank für das kommende Jahr. Für den Fall, dass sich die Wirtschaft nur langsam von der Corona-Krise erholt, rechnet der ETF-Anbieter WisdomTree mit einem Goldpreis von 2200 Dollar im ersten Quartal 2021. Der Einschätzung der Bank of America kommt die Privatbank Merck Finck näher. Sie hält eine Verdoppelung der aktuellen Notierung für möglich, sieht dies aber als langfristiges Ziel binnen fünf bis zehn Jahren. Fondsmanager Max Otte erwartet ebenfalls ein deutliches Plus. "Einen Goldpreis von 3000 Dollar in drei Jahren halte ich für absolut realistisch", sagt er. Auch aus charttechnischer Sicht erscheint diese Marke überwindbar.

Für einen Anstieg der Notierung sprechen mehrere Gründe. "Die Geldpolitik der Notenbanken wird für mehrere Jahre locker bleiben", sagt Gabor Vogel, Rohstoffanalyst der DZ Bank. "Es geht hier nicht nur um ein, zwei Jahre, sondern mindestens um drei bis vier." Das sorgt dafür, dass Gold im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren nicht an Attraktivität einbüßt. Sind die Zinsen hoch, hat Gold einen strukturellen Nachteil, weil es keine laufenden Erträge wie Dividenden abwirft. Fachleute sprechen von Opportunitätskosten - und die gehen momentan gegen null. "In früheren Perioden hat Gold profitiert, solange die Notenbanken das Gaspedal voll durchgedrückt haben", hebt Vogel hervor.

Nicht nur die niedrigen Opportunitätskosten werden die Nachfrage hoch halten. Auch die Sorgen um die Schwäche der Wirtschaft und die wachsende Verschuldung als Folgen der Corona-Krise treiben die Anleger in Gold, das seit Jahrhunderten als sicherer Hafen gilt. Der Bedarf an Gold-ETFs sowie an Münzen und Barren dürfte also hoch bleiben. Gold sollte allerdings weniger als Spekulationsobjekt genutzt werden, sondern vielmehr als Baustein eines ausgewogenen Depots. Als Faustregel gilt, dass das Edelmetall einen Anteil von fünf bis 15 Prozent des Gesamtvermögens ausmachen sollte.

Der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach hat den Goldanteil im Portfolio sogar auf 20 Prozent aufgestockt. "Eine Anlage in Gold mag etwas tumb erscheinen, unproduktiv und als Investment wenig charmant, doch am Ende des Tages ist Gold ein wichtiger Sicherheitsanker", sagt der 58-jährige Flossbach-von-Storch-Vorstand, der in Gold eine Versicherung gegen die Risiken des Finanzsystems sieht. "Gold hat immer den Charakter einer Versicherung", sagt auch Christian Brenner, Geschäftsführer bei Philoro Edelmetalle. Er rät, beim Kaufentschluss weniger auf den Preis zu achten, sondern Gold regelmäßig zu erwerben, um das Vermögen zu diversifizieren und sich abzusichern.

Anleger, die in das Edelmetall investieren möchten, haben mehrere Möglichkeiten. Sie können physisches Gold in Form von Münzen oder Barren kaufen (siehe unten). Daneben kommen Wertpapiere wie ETFs, ETCs oder Zertifikate, die dem Goldpreis folgen, in Betracht. Ein kleine Auswahl finden Sie in der Tabelle. Etwas spekulativer, im Erfolgsfall aber rentabler, sind Aktien von Minenunternehmen, von denen wir einige weiter unten vorstellen.

Goldderivate: So setzen Sie den Hebel an


Von Jörg Lang: Wer auf die Knappheit von Gold bei gleichzeitiger Ausweitung der Geldmenge setzen will, kann diese Anlageidee mit Hebelpapieren umsetzen. Die Hebelwirkung sorgt dafür, dass Investoren mit kleinem Kapitaleinsatz eine hohe absolute Wertentwicklung erreichen können. Es gibt drei Produktgruppen, die infrage kommen: klassische Optionsscheine mit fester Laufzeit, endlos laufende K.-o.-Calls und Faktorzertifikate. Letztere eignen sich besonders dann, wenn mit einer kurzfristigen Entwicklung in eine Richtung gerechnet wird (zum Beispiel WKN: HZ2 ANM, Faktor 6). In einer schwankungsreichen Seitwärtsphase entstehen über die Zeit aber Verluste. Der Vorteil von Call-Optionsscheinen liegt darin, dass Anleger eine feste Laufzeit kalkulieren können. Der Nachteil ist das Aufgeld. Beim Schein mit der WKN MC4 XLD etwa sind das rund fünf Prozent. Der Call notiert mit einem Basispreis von 1600 Dollar im Geld und läuft ein Jahr, der Hebeleffekt liegt bei 9,3. Im Vergleich zur Direktanlage ist also nur ein Fünftel des Einsatzes nötig. Eine noch etwas spekulativere Variante ist der K.-o.-Call. Allerdings wird der Basispreis während der endlosen Laufzeit kontinuierlich nach oben angepasst. Diese Kosten spielen auf kürzere Sicht aber eine geringere Rolle als das Aufgeld von Optionsscheinen. Allerdings: K.-o.-Calls verfallen wertlos, wenn der Basiswert die K.-o.-Schwelle erreicht oder unterschreitet. Deshalb ist der Schein mit der WKN CU5 JME und und einer Hebelwirkung von 6,5 (Knock-out-Schwelle bei 1434 Dollar) empfehlenswerter als Papiere, deren K.-o.-Niveau näher am aktuellen Kurs liegt.

Münzen und Barren: Nur für den Fall, dass ...


Das Schreckgespenst der Hyperinflation erhält durch die Corona-Krise neue Nahrung. Vergangene Woche beschloss die Europäische Zentralbank (EZB), ihr Notfallprogramm kräftig auszuweiten. Sie erhöhte das Volumen ihrer Anleihekäufe von bislang 750 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro. Die Bundesregierung verabschiedete ein Konjunkturpaket über 130 Milliarden Euro, das auch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf 16 Prozent ab dem 1. Juli beziehungsweise fünf Prozent bis Jahresende vorsieht.

Die EU pumpt 750 Milliarden Euro in einen sogenannten Wiederaufbaufonds. Auch die US-Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, hat Notprogramme für die Wirtschaft in Billionenhöhe aufgelegt. "Der politisch diktierte Lockdown wird mit dem Anwerfen der elektronischen Notenpresse bekämpft", erklärt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel. Das Fluten der Märkte mit billigem Geld bereitet nicht nur Kritikern wie Polleit Unbehagen. Da die billionenschweren Konjunkturprogramme die Staatsverschuldung weltweit explosionsartig ansteigen lassen, reichen die Szenarien von unkontrollierbarer Geldentwertung bis zum kompletten Zusammenbruch des Finanzsystems in der westlichen Welt.

Da in solchen Extremsituationen Banken geschlossen werden könnten, bietet physisches Gold nach Ansicht der Skeptiker einen besseren Schutz als Wertpapiere. Münzen wie der Krügerrand oder der American Eagle haben den Vorteil, dass sie nahezu weltweit als Zahlungsmittel akzeptiert werden. Barren sind dagegen preiswerter, weil aufwendige Prägearbeiten entfallen. Eine kleinere Stückelung (eine Unze oder weniger) erhöht zwar die Kosten, aber eben auch die Flexibilität. Selbst in der schlimmsten Krise wird niemand willens sein, einen Kilobarren Gold gegen einen Laib Brot einzutauschen, der schon mit einem Gramm deutlich zu teuer bezahlt wäre. Zum Charme von Goldmünzen und -barren trägt bei, dass sie von der Umsatzsteuer befreit sind. Bei der Veräußerung sind etwaige Gewinne steuerfrei, wenn der Kauf mehr als ein Jahr zurückliegt. Der anonyme Erwerb beim Händler ist wegen neuer Geldwäschegesetze nur noch bis 2000 Euro möglich. Für eine Unze reicht das allemal.

Im März und April kam es bereits zu Engpässen bei Münzen und Barren. Bedeutende Prägeanstalten standen still, was die Preise in die Höhe trieb. Mittlerweile läuft der Betrieb in den Prägestätten wieder. "Vorerst ist keine Entspannung in Sicht, weil viel nachproduziert werden muss", berichtet Christian Brenner von Philoro Edelmetalle. "Die Lage bei den Aufgeldern hat sich aber beruhigt."

Münzen und Barren sollten nur bei seriösen Edelmetallhändlern gekauft werden. Bekannte Adressen sind unter anderem:

Anlagegold 24: 0800/200 07 70

Degussa Goldhandel: 0800/188 22 88

ESG Edelmetall-Service: 07242/953 51 11

Ophirum: 069/153 20 07 30

Philoro Edelmetalle: 0341/23 10 18 20

Pro Aurum: 089/444 58 40


Bildquelle: Degussa Goldhandel GmbH, BÖRSE ONLINE

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