Dies schlug sich auch beim allgemeinen Interesse an Gold-Futures nieder. Hier stellte sich nämlich in der Woche zum 22. Juni bei der Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) mit einem Einbruch von 480.100 auf 453.900 Futures (-5,5 Prozent) der stärkste Einbruch seit fast zehn Monaten ein. Stark gelitten hat aber auch der Optimismus der Terminmarktprofis. Sowohl große Terminspekulanten (Non-Commercials) als auch Kleinspekulanten (Non-Reportables) sind im Berichtszeitraum signifikant skeptischer geworden, was sich in einem massiven Einbruch der kumulierten Netto-Long-Position (Optimismus überwiegt) der spekulativen Marktakteure niedergeschlagen hat. Sie reduzierte sich nämlich innerhalb einer Woche von 231.200 auf 202.400 Kontrakte (-12,5 Prozent). Dies entsprach dem höchsten Minus seit über zwei Jahren.

Einen regelrechten "Aderlass" gab es vor allem beim Optimismus großer Terminspekulanten zu beobachten. Weil sie ihr Long-Engagement um 20.800 Futures reduziert und zugleich ihr Short-Engagement um über 5.000 Kontrakte aufgestockt haben, hat sich deren Netto-Long-Position von 192.000 auf 166.200 Futures (-13,5 Prozent) abgeschwächt. Unter den Kleinspekulanten trübte sich die Stimmung etwas weniger heftig ein. Hier gab es bei der Netto-Long-Position ein Wochenminus von 39.200 auf 36.200 Futures (-7,7 Prozent) zu beobachten.

In den nächsten Handelstagen könnte die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt sowohl die Gemüter der Investoren als auch die Preise bewegen. Los geht`s am Mittwoch mit dem ADP-Monatsbericht über die Zahl neu geschaffener Stellen. Einen Tag später folgen dann der Challengerbericht über Stellenstreichungen sowie die wöchentlichen Erstanträge Auf Arbeitslosenhilfe. Richtig spannend dürfte in diesem Zusammenhang allerdings der Freitag werden, wenn das US-Arbeitsministerium seinen Monatsbericht zur Lage am Arbeitsmarkt kommunizieren wird. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Arbeitslosenrate von 5,8 auf 5,7 Prozent reduziert haben und die Zahl neu geschaffener Stellen von 559.000 auf 675.000 gestiegen sein. Traditionell genießt das Wohl und Wehe des US-Arbeitsmarkts innerhalb der Fed einen besonders hohen Stellenwert. Seit dem Höhepunkt der Corona-Krise (März 2020) hat sich der Dow-Jones um 89 Prozent, während die Arbeitslosenrate mit aktuell 5,8 Prozent das Vorkrisenniveau von unter vier Prozent weiterhin deutlich übertrifft. Obwohl unter den Investoren derzeit eine nachlassende Risikoaversion bzw. ein wachsender Risikoappetit festzustellen ist, sollte auf eine Risikovorsorge in Form von Gold auf keinen Fall verzichtet werden.

Goldchart: Mini-Rebound nach Absacker


Im Juni hat der Goldpreis in der Spitze mehr als 150 Dollar verloren und mit 1.760 Dollar den niedrigsten Stand seit Ende April markiert. Damit erwies sich die in diesem Bereich verlaufende Unterstützungszone jedoch als tragfähiger Boden. Für den Fall, dass eine weitere Verkaufswelle den Goldpreis erfassen sollte, dürfte es richtig spannend werden. Da sich mit dem massiven Absacker das charttechnische Marktsentiment zweifellos eingetrübt hat, sollte die im Bereich von 1.680 Dollar angesiedelte Unterstützung auf keinen Fall verletzt werden, da sich sonst erhebliches Abwärtspotenzial eröffnen würde. Ein Kaufsignal lieferte in der vergangenen Handelswoche der Timingindikator Relative-Stärke-Index, der die Hürde von 30 Prozent überwunden hat.

Summa summarum hinterlassen die technischen Timingindikatoren beim Goldpreis jedoch eher einen negativen Eindruck. Auf der Website Tradingview steht nämlich das Pendel aktuell auf "Verkaufen". Von den insgesamt 26 Parametern legen derzeit 14 das "Verkaufen", neun das "Halten" und lediglich drei das "Kaufen" von Gold nahe.