Etwas überraschend steigt am Freitag in Amsterdam der größte Börsengang eines Rüstungsunternehmens überhaupt. Es ist zugleich der größte IPO seit VW die Porsche-AG an die Börse brachte. Und er ist erfolgreich. 

Am Börsenplatz Amsterdam hat am Freitag der bisher größte Börsengang eines Rüstungsunternehmens stattgefunden. Der tschechische Rüstungskonzern Czechoslovak Group (CSG) und sein Eigentümer, der 33-jährige Michal Strnad, bringen Aktien im Gesamtwert von bis zu 3,8 Milliarden Euro auf den Markt. Im frühen Handel stiegen Titel auf 33 Euro und damit 32 Prozent über den Emissionskurs von 25 Euro. Mittlerweile ist die CSG-Aktie wieder auf 31 Euro zurückgefallen, was immer noch einen Zeichnungsgewinn von 25 Prozent bedeuten würde.

Der Börsenwert von CSG beträgt damit rund 30 Milliarden Euro. Damit ist der Hersteller von Militärfahrzeugen und Munition aktuell mehr wert als die deutschen Rüstungsunternehmen Renk und Hensoldt zusammen.

Nachfrage nach Aktien überstieg das Angebot

Als Abnehmer der Aktien waren von Anfang an durchweg institutionelle Investoren wie Investmentfonds eingeplant. Laut ersten Daten überstieg die Nachfrage das Angebot.

Eigentümer Strnad verkaufte bei dem Börsengang eigene Anteile im Umfang von 2,55 Milliarden Euro. Außerdem plante CSG die Ausgabe neuer Aktien im Umfang von 750 Millionen Euro. Da die Nachfrage groß war, könnte auch die Mehrzuteilungsoption auf weitere Papiere für bis zu knapp 500 Millionen Euro gegriffen haben.

Das Geschäft von CSG boomt seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das Unternehmen liefert Fahrzeuge und Munition an den angegriffenen Staat. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres erzielten die Tschechen einen Umsatz von rund 4,5 Milliarden Euro. Rund ein Viertel davon stammte aus der Ukraine.

"Der (...) Börsengang der Czechoslovak Group (CSG) steht exemplarisch für den Boom im europäischen Rüstungsmarkt", schrieb der Analyst Maximilian Wienke vom Broker eToro vorab. Das Wachstum der Branche sei stark geopolitisch getrieben, vor allem durch den Ukraine-Krieg und die globale Aufrüstung. Strukturell steigende Verteidigungsausgaben in Europa sprächen langfristig für den Sektor.

Am Freitag ist die Zusammenkunft russischer und ukrainischer Unterhändler in Abu Dhabi vorgesehen, die zum vorläufigen Höhepunkt einer ganzen Reihe diplomatischer Treffen werden soll. Es ist eine Folge von Gesprächen, die zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos stattgefunden haben. Auf diese waren dann Gespräche des US-Sondergesandten Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mit Kremlchef Wladimir Putin gefolgt.

Rheinmetall (WKN: 703000)

mit Material von dpa-afx

Lesen Sie auch

Rheinmetall, Renk und Co: zwei entscheidende Entwicklungen


BÖRSE ONLINE im Probe-Abo

Testen Sie BÖRSE ONLINE jetzt drei Wochen lang zum Vorteilspreis von nur 9,90 Euro – die digitale Ausgabe bereits ab Mittwoch und Zugang zur Datenbank Data Interactive.

Mehr Wissen, mehr Klarheit, mehr Strategie für Ihr Depot.

Jetzt testen und über 50 Prozent sparen