Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

Herr Krämer, die Fed hat die Leitzinsen gestern wie von vielen erwartet, zum ersten Mal seit fast zehn Jahren erhöht. Ist Lehman Brothers damit nun endgültig Geschichte?


Ja, die amerikanische Wirtschaft hat die Krise längst hinter sich gelassen. Die privaten Haushalte haben ihre Schulden abgebaut, die Banken ihr Eigenkapital aufgebaut und es herrscht fast Vollbeschäftigung.

Im November sind in den USA Präsidentschaftswahlen. Die Fed hat eine Projektion von 1,375 Prozent für 2016 bekräftigt. Glauben Sie tatsächlich, dass die US-Notenbanker 2016 weiter an der Zinsschraube drehen werden?


Ja, die amerikanische Notenbank dürfte ihren Leitzins im kommenden Jahr weiter anheben - vermutlich 3 Mal um je 25 Basispunkte. Schließlich dürfte sich der Lohnanstieg wegen der niedrigen Arbeitslosenquote allmählich beschleunigen, das wird die Prognose der Fed stützen, dass auch die Inflationsrate langsam nach oben dreht.

Das US-Wirtschaftswachstum hat sich im Jahresverlauf allerdings merklich abgekühlt auf zuletzt noch 2,1 Prozent. Wie groß ist die Gefahr, dass die Fed mit diesem Schritt womöglich die größte Volkswirtschaft der Welt abwürgt?


Von einem Abwürgen kann überhaupt keine Rede sein. Die amerikanische Wirtschaft ist robust und höhere Leitzinsen sind mehr als überfällig. Ansonsten würde die amerikanische Notenbank dem Entstehen neuer Übertreibungen am US-Immobilienmarkt Vorschuss leisten.


Was bedeutet die Zinserhöhung für die Finanzmärkte? Droht uns jetzt eine Seitwärtsbörse?


Ohne Zweifel sind höhere US-Leitzinsen für sich genommen eine Belastung für die Aktienmärkte. Aber die Europäische Zentralbank dürfte ihre Geldpolitik anders als die amerikanische Zentralbank weiter lockern. Die zementierte Nullzinspolitik der EZB lässt den DAX mit einer Dividendenrendite von rund 3% attraktiv erscheinen. Alles in allem dürfte der DAX im Jahr 2016 steigen, auch wenn er zwischendurch wegen der Fed oder China immer wieder in die Knie gehen wird.

Der Dollar hat gestern gegenüber dem Euro bereits zugelegt. Steuert der Euro jetzt doch allmählich auf die von vielen befürchtete Parität zum Dollar?


Der Euro wird gegenüber dem Dollar abwerten weil sich für die USA ein höherer Zinsvorteil herausbildet, aber ich erwarte keinen Absturz des Euros unter die Parität, weil die Fed schon angedeutet hat auf einen zu starken Dollaranstieg mit einer Pause im Zinserhöhungszyklus zu reagieren.

Für die traditionell exportstarke deutsche Wirtschaft ist die Zinserhöhung aber eine gute Nachricht, oder?


Ja, die deutsche Exportwirtschaft dürfte von einem schwächeren Euro profitieren - allerdings nur kurzfristig.

Umgekehrt könnte die Situation für chinesische Unternehmen schwierig werden, da viele Kredite in Dollar halten. Wird sich die Konjunktur in China nun weiter abschwächen und uns die US-Zinswende damit über den Umweg China doch noch treffen?


Tatsächlich sind die chinesischen Unternehmen hoch verschuldet, vor allem in heimischer Währung. Das gilt besonder für staatliche Unternehmen in der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie im Bergbau, wo die Margen ohnehin unter Druck sind. Das Wirtschaftswachstum in China wird weiter nachlassen, wobei das weniger am starken US-Dollar sondern mehr an hausgemachten Problemen liegt.

Wann wird die EZB dem Beispiel der Fed folgen?


Ich würde mir wünschen, dass die EZB dem Beispiel der Fed folgt und aus der lockeren Geldpolitik aussteigt. Aber den Gefallen dürfte uns die EZB nicht tun. Stattdessen wird sie ihren Leitzins im Zweifel weiter senken.

Sollten Anleger jetzt tendenziell eher auf deutsche und europäische Aktien setzen, oder auf US-Werte?


Anleger sollten eher auf deutsche und europäische als auf amerikanische Aktien setzen. Erstens wird die EZB ihre Geldpolitik anders als die Fed weiter lockern, zweitens sind europäische Aktien niedriger bewertet als amerikanische Aktien.

Auf Seite 2: Robert Halver





Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank

Herr Halver, die Fed hat die Leitzinsen gestern wie von vielen erwartet, zum ersten Mal seit fast zehn Jahren erhöht. Ist Lehman Brothers damit nun endgültig Geschichte?


Die schweren Kollateralschäden des Platzens der Immobilienkrise sind jetzt weitestgehend weggeräumt. Insofern konnte die Fed die Zinswende einleiten. Allerdings sorgt die dramatische Zunahmen der Verschuldung der USA dafür, dass die Zinspolitik absolut betrachtet noch lange Zeit freizügig bleiben wird. Ansonsten wäre der Zins- und Tilgungsdienst kaum mehr zu leisten.

Im November sind in den USA Präsidentschaftswahlen. Die Fed hat eine Projektion von 1,375 Prozent für 2016 bekräftigt. Glauben Sie tatsächlich, dass die US-Notenbanker 2016 weiter an der Zinsschraube drehen werden?


Die Fed hat deutlich gemacht, dass nächste Zinsschritte abhängig von der Datenlage in puncto Konjunktur und Inflation abhängig sind. Mit Blick auf die verhaltene Weltkonjunktur - an der sich die Fed aufgrund der zunehmenden Globalisierung auch orientieren muss - wird sie zukünftig zinspolitisch sehr verhalten, geradezu sanftmütig agieren können. Wir werden den laschesten US-Zinserhöhungszyklus aller Zeiten erleben. Damit hat sie auch ein Alibi im Präsidentschaftswahlkampf keine geldpolitische Beeinflussung vornehmen zu müssen. Die Projektion von 1,375 Prozent halte ich für die absolute Obergrenze.

Das US-Wirtschaftswachstum hat sich im Jahresverlauf allerdings merklich abgekühlt auf zuletzt noch 2,1 Prozent. Wie groß ist die Gefahr, dass die Fed mit diesem Schritt womöglich die größte Volkswirtschaft der Welt abwürgt?


Die Fed wird der US-Wirtschaft nicht wehtun. Die Zinserhöhung erfolgte vor allem aus philosophischen Gründen, aus Gründen der Glaubwürdigkeit, der Vertrauensbildung. Man kann nicht seit Amtsantritt von Frau Yellen von Zinswende sprechen und dann nichts tun. Dieses zinspolitische Hick-Hack der letzten Monate hat die Finanzmärkte weltweit verunsichert. Jetzt hat sie Fakten geschaffen, die Katze aus dem Sack gelassen. Die Fed hat bewiesen, dass sie noch handlungsfähig ist. Aber einen markanten Zinserhöhungszyklus wird es mit Blick auf die unterdurchschnittlich wachsende US-Volkswirtschaft - und noch wichtiger - die angeschlagenen Volkswirtschaften in den Schwellenländern nicht geben. Ansonsten würde Frau Yellen die Büchse der Pandora öffnen. Höhere Zinsen mit der Aussicht auf einen stärkeren US-Dollar würden eine Kapitalflucht aus den Schwellenländern Richtung USA lostreten, so dass in China & Co. Investitionsmittel fehlen würden. Ein höherer US-Dollar würde zudem den Schuldendienst der typischerweise auf US-Dollar-Basis verschuldeten Schwellenländern zu Lasten ihrer Wachstumspotenziale erschweren. Und ein zu starker Dollar würde auch die Rohstoffpreise weiter drücken, da beide im Wechselverhältnis zueinander stehen. Frau Yellen wird insgesamt mit einer zahmen Zinserhöhungspolitik ihre Mutti-Qualitäten sowohl für Amerika als auch die Welt unter Beweis stellen.

Was bedeutet die Zinserhöhung für die Finanzmärkte? Droht uns jetzt eine Seitwärtsbörse?


Viel wichtiger als die Zinserhöhung ist die Aussicht auf die weitere Zinspolitik. Da ist keine Zinspolitik zu erwarten, die wie eine schmerzhafte Zahnwurzelbehandlung abläuft, sondern wie eine problemlose Zahnreinigung. Die Finanzhistorie zeigt, dass Aktien mit einer sanften Zinserhöhungsrunde gut umgehen können und sogar weiter steigen. Nur wenn die Zinsen ein bestimmtes Niveau überschreiten, wird es unangenehm. Dieses zu hohe Niveau werden wir aber in den USA nicht sehen. Ich erwarte insgesamt weiter steigende Aktienkurse.

Der Dollar hat gestern gegenüber dem Euro bereits zugelegt. Steuert der Euro jetzt doch allmählich auf die von vielen befürchtete Parität zum Dollar?


Es geht nicht zügig, aber die Richtung Parität ist beschritten. Ende 2016 dürfte der Euro bei 1,03 stehen. Draghi denkt nämlich gar nicht daran, Frau Yellen nachzufolgen und zinspolitisch restriktiv werden. Denn das ist die Gelegenheit, den Euro platt zu klopfen und damit dem Export auf die Sprünge zu helfen.

Für die traditionell exportstarke deutsche Wirtschaft ist die Zinserhöhung aber eine gute Nachricht, oder?


Ja, wir geben zwar den Charakter einer Starkwährung auf, was sicherlich uns Deutschen mit Blick auf unsere frühere starke DM mitunter schmerzt. Aber die Exportaktien wird es freuen. Ich denke, in vielen Vorstandsetagen der Exportindustrie hat man sich nach der Zinserhöhung ein Gläschen Sekt geleistet.

Umgekehrt könnte die Situation für chinesische Unternehmen schwierig werden, da viele Kredite in Dollar halten. Wird sich die Konjunktur in China nun weiter abschwächen und uns die US-Zinswende damit über den Umweg China doch noch treffen?

Die Gefahr einer Kapitalflucht ist latent. Daher betreibt Frau Yellen ja auch eine Welt-Zinspolitik. Sie weiß um die mögliche Kapitalflucht, die 1997/98 als Folge der vorangegangenen Leitzinserhöhungen der Fed die Asien-Krise ausgelöst hat. Und der Vorgänger von Frau Yellen, Ben Bernanke, hat den Emerging Markets das Leben mit seiner dramatischen Zinswende von einem auf 5,5 Prozent auch das Leben schwer gemacht. Das wird sich nicht wiederholen. Frau Yellen weiß, kippt China kippt unsere Weltkonjunktur und unser Weltfinanzsystem. Die zukünftige Zinspolitik wird daher barmherzig ausfallen.

Wann wird die EZB dem Beispiel der Fed folgen?


Wir haben in der Eurozone insgesamt eine verhaltene Konjunktur, viele Arbeitslose, überbordende Staatsverschuldungen. Zinserhöhungen passen bei uns überhaupt nicht ins Bild. Es wird noch sehr, sehr viel Wasser den Main in Frankfurt - Sitz der EZB - herunterlaufen, bis bei uns die Zinswende eintritt. Nennen wir es das Warten auf Godot.

Sollten Anleger jetzt tendenziell eher auf deutsche und europäische Aktien setzen, oder auf US-Werte?


Da die Zinswende homöopathisch ablaufen wird, habe ich mit US-Aktien grundsätzlich zwar kein Problem. Im Vergleich zu deutschen und europäischen sind sie jedoch teurer. Außerdem haben wir Nachholpotenzial wegen der Euro-Staatsschuldenkrise, wir haben im Gegensatz zu den USA keinen großen Rohstoffsektor, profitieren aber z.B. von den günstigen Ölpreisen. Hinzu kommt der exportbegünstigende Euro und eine EZB, die im Vergleich zu einer - wenn auch nur leicht - restriktiven Fed noch lange auf der Überholspur bleiben wird.

Auf Seite 3: Philipp Vorndran





Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch

Herr Vorndran, die Fed hat die Leitzinsen gestern wie von vielen erwartet, zum ersten Mal seit fast zehn Jahren erhöht. Ist Lehman Brothers damit nun endgültig Geschichte?


Wenn die Frage impliziert, dass der Zins weltweit deutlich steigen wird - klares "nein". Die Fed wird ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten und Jahren nur in homöopathischen Dosen anpassen können; eine globale Zinswende, die frühere Zinsniveaus zur Folge hat, wird sie damit nicht einleiten können.

Im November sind in den USA Präsidentschaftswahlen. Die Fed hat eine Projektion von 1,375 Prozent für 2016 bekräftigt. Glauben Sie tatsächlich, dass die US-Notenbanker 2016 weiter an der Zinsschraube drehen werden?


Die Geschichte hat uns gelehrt, dass sich die US-Notenbank unmittelbar vor der Präsidentschaftswahl eher zurückhalt, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, gezielt den Wahlkampf zu beeinflussen. Von daher spricht Vieles dafür, dass eine weitere Zinsanpassung nach oben, so sie denn wirklich kommt, relativ bald kommen wird - und nicht erst in der zweiten Jahreshälfte. Im Übrigen waren die Fed-Projektionen der vergangenen Jahre in der Regel viel zu optimistisch.

Das US-Wirtschaftswachstum hat sich im Jahresverlauf allerdings merklich abgekühlt auf zuletzt noch 2,1 Prozent. Wie groß ist die Gefahr, dass die Fed mit diesem Schritt womöglich die größte Volkswirtschaft der Welt abwürgt?


Die Gefahr besteht - und Fed-Chefin Yellen ist sich dessen bewusst. Nicht umsonst hat sie während der Presskonferenz auf andere Notenbanken verwiesen, die ihre Zinsen angehoben, dann kurze Zeit später wieder gesenkt haben - ein Fehler sei dies nicht gewesen, sagte Yellen. Mich würde nicht wundern, wenn wir schon bald darüber diskutieren, ob der Zinsschritt nicht zu früh kam und die Fed letztlich zurückrudern muss.

Was bedeutet die Zinserhöhung für die Finanzmärkte? Droht uns jetzt eine Seitwärtsbörse?


Die Auswirkungen auf die Kapitalmärkte dürften begrenzt sein. Am generellen Anlageumfeld, dem weltweiten Niedrigzins, ändert die Anpassung schließlich nichts.

Der Dollar hat gestern gegenüber dem Euro bereits zugelegt. Steuert der Euro jetzt doch allmählich auf die von vielen befürchtete Parität zum Dollar?


Grundsätzlich könnten alle großen Volkswirtschaften mit einem Dollarkurs zwischen 1,05 und 1,15 leben; sollte der Dollar tatsächlich über Parität steigen, bekämen die US-Unternehmen und damit die US-Wirtschaft mittelfristig ein Wettbewerbsproblem. Zinserhöhungen der Fed dürften damit relativ schnell obsolet werden. Derzeit wird die Reflexivität eines zu hohen US-Dollar auf die US-Volkswirtschaft meiner Meinung nach von vielen Investoren unterschätzt.

Für die traditionell exportstarke deutsche Wirtschaft ist die Zinserhöhung aber eine gute Nachricht, oder?


Das lässt sich pauschal leider nicht sagen. Einerseits bedeutet der schwache Euro für die heimischen Exporteure einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern aus den USA. Andererseits trifft der starke Dollar einige Schwellenländer hart; das wiederum belastet die europäischen Exportunternehmen.

Umgekehrt könnte die Situation für chinesische Unternehmen schwierig werden, da viele Kredite in Dollar halten. Wird sich die Konjunktur in China nun weiter abschwächen und uns die US-Zinswende damit über den Umweg China doch noch treffen?


So manches weniger tragfähige Geschäftsmodell könnte auf den Prüfstand kommen, auch in anderen Schwellenländern. Auch das spricht dafür, dass die Fed möglicherweise schon bald zurückrudern muss.

Wann wird die EZB dem Beispiel der Fed folgen?


Die EZB kann es sich in den kommenden Jahren schlicht nicht erlauben, mit höheren Zinsen zu experimentieren - andernfalls wären gleich mehrere Eurostaaten pleite. Ich würde mal davon ausgehen, dass die EZB-Politik die Strategie der US-Fed zukünftig stärker beeinflussen wird als umgekehrt.

Sollten Anleger jetzt tendenziell eher auf deutsche und europäische Aktien setzen, oder auf US-Werte?


Anleger sollten auf erstklassige globale Unternehmen setzen, nicht auf Länder oder Regionen fokussiert sein.

Auf Seite 4: Holger Schmieding





Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank

Herr Schmieding, die Fed hat die Leitzinsen gestern wie von vielen erwartet, zum ersten Mal seit fast zehn Jahren erhöht. Ist Lehman Brothers damit nun endgültig Geschichte?


Nein, die Große Finanzkrise wird noch lange nachwirken. Dies war nur einer von vielen Schritten zurück zur Normalität.

Im November sind in den USA Präsidentschaftswahlen. Die Fed hat eine Projektion von 1,375 Prozent für 2016 bekräftigt. Glauben Sie tatsächlich, dass die US-Notenbanker 2016 weiter an der Zinsschraube drehen werden?


Selbstverständlich. Sofern die Konjunktur stabil bleibt, wird die Fed die Zinsen vorsichtig weiter anheben. Wir rechnen mit drei weiteren Schritten von 25 Basispunkten im Jahr 2016.

Das US-Wirtschaftswachstum hat sich im Jahresverlauf allerdings merklich abgekühlt auf zuletzt noch 2,1 Prozent. Wie groß ist die Gefahr, dass die Fed mit diesem Schritt womöglich die größte Volkswirtschaft der Welt abwürgt?


Die Gefahr ist gering. Die Zinsen bleiben weiterhin sehr niedrig. Und angesichts einer anhaltenden Zunahme der Beschäftigung können die US-Häuslebauer etwas höhere Hypothekenzinsen verkraften. Da die kurzfristigen Wirtschaftsdaten immer schwanken, würde ich auch nicht davon sprechen, dass die US-Konjunktur sich abgekühlt habe. Das erste Quartal war schwach, das zweite außerordentlich stark, das dritte Quartal lag etwa im Trend.

Was bedeutet die Zinserhöhung für die Finanzmärkte? Droht uns jetzt eine Seitwärtsbörse?


Der Ausblick ist unverändert. Die Märkte sind weiterhin nervös. Deshalb müssen wir mit einigen Schwankungen rechnen. Aber die Grundtendenz an der Börse ist eher nach oben gerichtet.

Der Dollar hat gestern gegenüber dem Euro bereits zugelegt. Steuert der Euro jetzt doch allmählich auf die von vielen befürchtete Parität zum Dollar?


Kurzfristig ist das nicht ausgeschlossen. Aber fundamental spricht wenig dafür. Der Dollar ist bereits jetzt überbewertet. Die US-Notenbank wird ihre Zinsen nur vorsichtig weiter anheben. Zudem brauchen die USA höhere Zinsen als Europa, um das Kapital zur Finanzierung ihres außenwirtschaftlichen Defizits anzulocken. Ich rechne eher damit, dass im kommenden Jahr der euro sich etwas gen 1.15 US Dollar erholen kann. Dass die Märkte etwas höhere US-Zinsen erwarten, ist ja bereits jetzt in den Wechselkursen enthalten.

Für die traditionell exportstarke deutsche Wirtschaft ist die Zinserhöhung aber eine gute Nachricht, oder?


Dass die US-Wirtschaft robust genug ist für etwas höhere Notenbankzinsen ist die eigentlich gute Nachricht.

Umgekehrt könnte die Situation für chinesische Unternehmen schwierig werden, da viele Kredite in Dollar halten. Wird sich die Konjunktur in China nun weiter abschwächen und uns die US-Zinswende damit über den Umweg China doch noch treffen?



Sollte der US-Dollar noch einmal spürbar zulegen., würde das die Situation für Dollar-Schuldner verschärfen. Allerdings stünden dem bessere Absatzchance für alle Unternehmen gegenüber, die viel in den Dollar-Raum verkaufen. Es gäbe Gewinner und Verlierer.

Wann wird die EZB dem Beispiel der Fed folgen?


Irgendwann schon. Aber da die EZB ja erst viel später als die US Fed ihrer Geldpolitik mit dem Ankauf von Staatsanleihen die nötige Schlagkraft verliehen hat, hinkt die Eurozone konjunkturell weit hinter den USA zurück. Bei uns wird es noch mindestens zwei Jahre dauern, bis die EZB ihre Zinsen anheben kann. Wer zu spät kommt, den bestraft halt das Leben