Hallo Herr Roboter, ich will mein Geld anlegen
· Börse Online Redaktion
Automatisierte Tools zum Vermögensmanagement können als eine Kategorie von Finanzberatern beschrieben werden, die Online-Portfoliomanagement mit minimaler menschlicher Beteiligung anbieten. Statt zeitintensiver, persönlicher Gespräche geben die Kunden in einem elektronischen Fragenbogen an, wer sie sind und worauf sie sparen. Darauf basierend erstellt ein Algorithmus Empfehlungen für den Aufbau eines optimalen Portfolios und bei Einverständnis des Kunden mit dem Vorschlag weist das System die ihm anvertrauten Kundengelder jenen Fonds zu, die den Zielen des Kunden am besten entsprechen und gewichtet die Vermögen bei Marktbewegungen sowie Ein- und Auszahlungen neu.
Im Dezember 2014 wurde das von automatisierten Beratern verwaltete Vermögen auf 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Ausgehend von einem Anstieg um 68 Prozent pro Jahr könnten die betreuten Kundengelder bis zum Jahr 2020 auf rund 2,2 Billionen US-Dollar ansteigen. Vor allem Kunden unter 35 Jahren haben eine große Affinität zu automatisierter Vermögensverwaltung.
Bislang hat die Regulierung Robo-Berater beim Einstieg in das Geschäft unterstützt. Die Unternehmen betonen, dass die Vermögenswerte von Depotbanken gehalten werden, sodass Anleger kein Geld verlieren, wenn eines der Unternehmen den Geschäftsbetrieb einstellt. Aufgrund des kurzen Track Records platzieren die Kunden aber zunächst nur einen verhältnismäßig geringen Anteil ihrer Anlagen bei den Robo-Advisory-Unternehmen. Ob Anleger überhaupt einen großen Anteil ihres Geldes einem IT-System anvertrauen, bleibt fraglich. Zudem beschränken sich viele automatisierte Vermögensverwalter auf das Portfoliomanagement und gehen nicht auf verwandte Themen der Finanzplanung wie Immobilien oder Kapitalflussmanagement ein. In der Praxis neigen automatisierte Beratungssysteme dazu, passive Investmentprodukte zu empfehlen, und bieten damit im Prinzip Einheitslösungen an, die für Anleger mit komplexen finanziellen Bedürfnissen möglicherweise nicht geeignet sind.
Bei der Ermittlung der Anlegerbedürfnisse kann ein elektronischer Fragebogen hilfreich, aber auch irreführend sein, weil viele Menschen bei guter Marktentwicklung zu übermäßigem Optimismus neigen und umgekehrt. Das heißt, die meisten Anleger haben wenig Gespür, wie viel Risiko sie psychologisch aushalten können. Hinzu kommt, dass die Algorithmen nicht den Umfang und den Charakter des Humankapitals eines Anlegers erfassen. Die Einkommensströme der meisten wohlhabenden Anleger ähneln einem illiquiden, festverzinslichen Anlageinstrument. Ein guter menschlicher Berater könnte hier wohl besser helfen, ein geeignetes Portfolio zusammenzustellen sowie Fehlverhalten und psychologische Fallstricke zu vermeiden. Schließlich wird es darauf ankommen, wie die Anbieter automatisierter Vermögensverwaltung die Wahrscheinlichkeit von Systemfehlern, Computerfehlfunktionen oder gar Datenlecks minimieren. Wollen die Robo-Advisors nachhaltig Erfolg haben, ist eine sichere IT-Umgebung absolut notwendig. Deshalb glauben wir, ist IT-Sicherheit für langfristig orientierte Anleger ein sehr reizvolles Investmentthema.
Patrick Kolb
Kolb besitzt einen MA und einen PhD in Finanzwissenschaften von der Universität in Zürich. 2005 begann er seine Karriere bei Credit Suisse Asset Management, wo er als Fondsmanager tätig ist. Er ist verantwortlich für den Credit Suisse (Lux) Global Security Equity Fund, ein Themenfonds mit Fokus auf Sicherheit, Schutz und Prävention. Die Credit Suisse wurde 1856 gegründet und ist ein weltweit führender Finanzdienstleister.
Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen
Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanzkatastrophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Galbraith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.
Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6