Lediglich eine schwarze Null soll noch erreicht werden. Die Heidelberger Druck-Aktie brach am Vormittag um bis zu 17 Prozent ein. Mit einem Kurs von gut 1,12 Euro fehlt nicht mehr viel bis zum "Pennystock".

Der Konzern will nun weitere Kosten sparen und Investitionen überprüfen, um das Ergebnis zu stabilisieren. Das laufende Effizienzprogramm soll fortgeführt werden, wie Heidelberger Druck am Mittwochabend nach Börsenschluss mitteilte.

Der Druckmaschinenhersteller musste im ohnehin traditionell schwachen ersten Quartal erhebliche Einbußen hinnehmen. Insbesondere in Deutschland und Teilen Europas habe der Konzern nicht an das Vorjahr anknüpfen können. Umsatz und Auftragseingang gingen zurück. Eine positive Nachfrage im Vertragsgeschäft, das unter anderem Dienstleistungen, Software und den Verkauf von Verbrauchsgütern umfasst, konnte die Schwäche im Maschinengeschäft nicht ausgleichen.

Der Umsatz sank um 7,2 Prozent auf 502 Millionen Euro, der Auftragseingang nahm trotz einer höheren Nachfrage in China um 7,5 Prozent auf 615 Millionen Euro ab. Der Nettoverlust verdoppelte sich auf rund 31 Millionen Euro. Der Geschäftsverlauf habe insbesondere zum Ende des Quartals unter der zunehmenden Investitionszurückhaltung und der entsprechenden Umsatzverschiebung aufgrund der konjunkturellen Eintrübung gelitten, hiep es. Das Unternehmen erwartet daher für das Jahr deutlich geringere Ergebnisse als zuvor prognostiziert.

Die um das Restrukturierungsergebnis bereinigte Ebitda-Marge (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) werde 2019/20 bei 6,5 bis 7 Prozent liegen, hieß es. Bisher waren hier 7,5 bis 8,0 Prozent angepeilt worden. Nach Steuern wird nur noch ein ausgeglichenes Ergebnis erwartet. Anfang Juni hatte das Management einen Gewinn auf dem Vorjahresniveau von 21 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Beim Umsatz rechnet Heideldruck aber weiter mit dem Erreichen des Vorjahresniveaus.

"Der steigende Anteil des wiederkehrenden Vertragsgeschäfts wird sich zunehmend stabilisierend auf unseren Gesamtumsatz auswirken", zeigte sich Vorstandschef Rainer Hundsdörfer dennoch optimistisch. "Der Ergebnisbelastung werden wir mit kurzfristig wirkenden Maßnahmen sowie auch nachhaltigen Strukturverbesserungen begegnen." So sollen geplante Investitionen überprüft, die Kostendisziplin deutlich erhöht und die Arbeitszeitflexibilität kurzfristig verbessert werden. Nicht in Frage stehen dabei Investitionen in die digitale Transformation.

Das Unternehmen war im vergangenen Geschäftsjahr nach einer längeren Durststrecke wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Der Konkurrent von König & Bauer hat dabei lange Jahre der Restrukturierung hinter sich und setzt auf Verpackungs- und Digitaldruck. Zudem baut der Konzern sein Geschäft mit Dienstleistungen aus.

Heidelberger Druck reiht sich nun in die schon lange Liste der Unternehmen ein, die wegen der Abschwächung der Konjunktur, zu der der Handelsstreit mit den USA sowie der drohende Brexit beitragen, ihre Gewinnaussichten senken müssen. Vor allem in der Autobranche herrscht derzeit Pessimismus vor, zuletzt erwischte es auch die chemische Industrie.

Aber auch im Maschinenbau überwiegen die Molltöne: Die Auftragseingänge sinken nach jüngsten Angaben des Branchenverbandes VDMA, viele Investoren treten zunehmend auf die Bremse. Der Verband rechnet mit keiner Besserung und geht für das Jahr von einem Produktionsminus aus.

dpa-AFX