Hochtief-Aktie auf Vier-Jahres-Hoch - Baukonzern öffnet Füllhorn für Aktionäre um ACS
· Börse Online Redaktion
Der im MDax notierte Konzern will 1,90 Euro je Aktie zahlen, 2013 waren es noch 1,50 Euro. Rund 132 Millionen Euro sollen an die Anteilseigner gehen. Darin enthalten ist eine Sonderdividende von 20 Cent je Aktie aus Verkäufen von Unternehmensteilen bei der australischen Tochter Leighton. Die Nachrichten kamen an der Börse gut an: Die Titel des Bauriesen erklommen ein Vierjahreshoch bei über 72 Euro.
"Hochtief hat heute ein anderes Gesicht als vor zwölf Monaten", bilanzierte der Manager, der auch an der Spitze der australischen Hochtief-Tochter Leighton steht. Verdes räumt bei beiden Konzernen auf und verkaufte zahlreiche Beteiligungen. Flughäfen, Immobilienunternehmen, Wohnungsentwickler oder die Leighton-Tochter John Holland - der seit November 2012 amtierende Verdes sortierte aus im weit verzweigten Hochtief-Reich. ACS hatte sich vor seiner Berufung nach einer erbitterten Übernahmeschlacht die Mehrheit an Hochtief gesichert, die Spanier wollten Hochtief ausschlachten, befürchteten damals Arbeitnehmer. "Wir sind froh, ACS an Bord zu haben", unterstrich Verdes nun. Was der Mutterkonzern von Real-Madrid-Boss Florentino Perez für die Zukunft mit Hochtief plane, das wisse er indes nicht, sagte Fernandez Verdes.
Der Ruhrgebiets-Konzern verbuchte im vergangenen Jahr einen operativen Konzerngewinn von rund 252 (Vorjahr: 171) Millionen Euro. 2015 will Hochtief nun bei dieser Kennzahl 220 bis 260 Millionen Euro erreichen, dies sei mehr als erwartet, urteilten Analysten des Bankhauses Lampe. Nach den umfangreichen Verkäufen nennt der Konzern als vergleichbare Basis aber 190 Millionen Euro - die Bilanz sei wegen der umfassenden Umbauarbeiten "nicht vergleichbar", sagte Finanzchef Peter Sassenfeld.
Fernandez Verdes hatte angekündigt, den MDax-Konzern auf Gewinn trimmen zu wollen, um "Werte für unsere Aktionäre" zu schaffen. Er will Hochtief vor allem auf das klassische Baugeschäft konzentrieren und geht damit einen anderen Weg als Konkurrent Bilfinger, der auf das Dienstleistungsgeschäft setzt. Das Sorgenkind von Hochtief, das Baugeschäft in Europa, hat Verdes dabei noch nicht in die schwarzen Zahlen geführt: Vor Steuern halbierte sich der Verlust im Kerngeschäft dort aber auf 30 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland schrumpfte durch die Verkäufe zum Jahresende auf gut 3900 von knapp 5700 Menschen, im Konzern insgesamt waren es noch gut 53.000 Mitarbeiter, mehr als 20.000 weniger als vor Jahresfrist. Die australische Hochtief-Ertragsperle Leighton hatte ebenfalls Beteiligungen "Adios" gesagt. So ging die Tochter John Holland mit rund 4100 Mitarbeitern an einen chinesischen Konkurrenten, Resultat für die Anteilseigner ist dabei auch die Sonderdividende. ACS hält derzeit knapp 61 Prozent der Stimmrechte an Hochtief, die Essener kontrollieren wiederum knapp 70 Prozent der Leighton-Anteile.
Hochtief kauft zudem derzeit eigene Aktien zurück. Der Konzern hatte angekündigt, bis Ende 2015 bis zu 6,92 Millionen eigene Anteilsscheine übernehmen zu wollen, das entspricht rund zehn Prozent des Grundkapitals. Zieht Hochtief die eingesammelten Aktien ein, steigt der ACS-Anteil an den Deutschen weiter. Was mit den Aktien geschehen werde, sei aber noch offen, sagte Verdes. Dass sie für große Zukäufe eingesetzt werden, scheint derzeit unwahrscheinlich: Hochtief wolle zwar wieder investieren, ins Visier nehmen wolle der Konzern dabei aber vor allem kleinere und mittlere Firmen, die das regionale Geschäft abrunden sollen, kündigte der Hochtief-Chef an.
Reuters
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