ANALYSE

In Corona-Krise kommt es zum Schwur zwischen Bank und Kunde

In Corona-Krise kommt es zum Schwur zwischen Bank und Kunde

WKN: 514000 ISIN: DE0005140008 Deutsche Bank AG

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03.04.2020 - 19:05
22.03.2020 06:40:00

Die Bundesregierung hat Unternehmen die "Bazooka" versprochen - Liquiditätshilfen in unbegrenzter Höhe, um die Corona-Krise zu überstehen. Doch wenn ein in Not geratener Unternehmer für Kreditverhandlungen auf seinen Bankberater trifft, kommt es zum Schwur: Wie schnell fließt das Geld, um Rechnungen oder Gehälter bezahlen zu können?

Die staatliche Förderbank KfW stellt ab kommender Woche den Firmen, die wegen der Ausbreitung des Virus in Schwierigkeiten geraten, Notfalldarlehen zur Verfügung. Beantragt werden müssen diese über die Geschäftsbanken, die eine schnelle und unbürokratische Abwicklung versprechen. Doch bei vielen Unternehmen herrscht trotzdem die Sorge, dass alles zu lange dauert und sie am Ende im Regen stehen gelassen werden.

"Wir hören von unseren Mitgliedern, dass die Verhandlungen über die KfW-Kredite oft daran scheitern, dass die Banken nicht bereit sind, mit ins Risiko zu gehen", sagt der Präsident des Deutschen Reiseverbands, Norbert Fiebig, zu Reuters. "Das muss sich dringend ändern, denn der Branche bleibt nicht viel Zeit." Viele Reiseveranstalter stehen mit dem Rücken zur Wand, weil Urlaube und Geschäftsreisen durch die weltweiten Einschränkungen des öffentlichen Lebens quasi von einem Tag auf den anderen vorbei waren. Wann das Geschäft wieder läuft, ist unklar. Allein von Mitte März bis Ende April gebe es bei den Mitgliedsfirmen Umsatzausfälle von 4,8 Milliarden Euro, rechnet Fiebig vor.

Ähnlich geht es den Messebauern. Ihnen sind schon im Januar nach Bekanntwerden der Virus-Probleme in China erste Aufträge weggebrochen, weil nach und nach Messen abgesagt wurden. Seitdem das Virus in Europa grassiert, ist es noch schlimmer geworden. Mitarbeiter sind in Kurzarbeit und die Firmeninhaber suchen händeringend nach Liquidität, um die laufenden Kosten zu decken. "Wir sind innerhalb von drei Wochen vom soliden, positiv eingeschätzten Unternehmen in die Intensivbetreuung bei der Bank gerutscht", sagt Tim-Alexander Karußeit, Geschäftsführer von Hoffmann Messebau. "Die Verhandlungen mit der Bank sind schwieriger geworden." Er appelliert an die Institute, jetzt schnell und zügig zu helfen. "Wir schaffen es nicht ohne sie.

"KEINER WEISS, WIE LANGE DIE KRISE NOCH DAUERT"


Auch Einzelhändler Peter Büscher drängt auf schnelle Hilfe. Im gehört ein Koffer-Geschäft in München - doch ohne Reisen kauft auch keiner mehr Koffer. Seit dieser Woche sei das Geschäft eingebrochen, erzählt der Inhaber. "Wenn ich in vier Monaten Geld auf dem Konto habe, hilft mir das nichts."

Die Sparkassen, Volksbanken und die privaten Geldhäuser sind sich ihrer Verantwortung bewusst, wie sie alle erklären. "Uns ist sehr wichtig, dass die Hilfen schnell und wirksam bei den wirklich Betroffenen ankommen", sagt Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis. Auch Daniel Schmand, Leiter der Handelsfinanzierung bei der Deutschen Bank, betont, man dürfe jetzt nicht lange zögern, sondern müsse die Anträge der Firmen "schnell und unbürokratisch" abarbeiten. Die KfW nimmt den Instituten 80 Prozent des Risikos bei den Notfalldarlehen ab. Doch ein Restrisiko von 20 Prozent müssen sie selbst tragen.

"Die Sorge der Banken kann man schon irgendwie verstehen", sagt Angelo Franke, Geschäftsführer der bayrischen Messebaufirma Expo24seven. "Keiner weiß, wie lange die Krise noch dauert und ob sie ihr Geld je wiedersehen." Er sei schließlich nicht das einzige Unternehmen, das nun dringend Geld brauche und für die Banken könne das Risiko in Summe stark steigen. "Das ist alles nicht so einfach, wie es sich die Politiker vorstellen". Franke hat Glück, er hat nach wie vor den selben Ansprechpartner bei seiner Hausbank und kommuniziert sogar über Textnachrichten mit ihm. Das geht längst nicht allen so. "Wir sind intern in der Bank in eine andere Abteilung gerutscht und haben einen neuen Betreuer, der uns nicht kennt und sich auch nicht wirklich mit uns auseinandersetzt", schimpft der Chef eines mittelständischen Betriebs, der anonym bleiben möchte.

"WIR HABEN BIS JETZT KEINERLEI ENGPÄSSE"


Sorgenfalten auf die Stirn treibt Unternehmen auch die Frage, ob die Geldinstitute die Flut an Kreditanträgen überhaupt schnell abwickeln können. Denn auch bei den Banken arbeiten viele Menschen zum Schutz vor Ansteckungen unter ungewohnten Bedingungen in fremden Büros oder zu Hause. Die Deutsche Bank sei operativ voll handlungsfähig, betont Schmand. "Wir haben bis jetzt keinerlei Engpässe." Stephan Ortolf, Bereichsleiter im Firmenkundengeschäft bei der DZ Bank, sagt, dass Mitarbeiter, die zu Hause Kinder versorgen müssen, zwar Arbeitszeiten flexibler hielten. Die Prozesse der Kreditprüfungen liefen aber auch unbürokratischer und schneller ab.

Für Banken wird die neue Situation eine Gradwanderung. Auf der einen Seite sollen sie schnelle Entscheidungen treffen, auf der anderen Seite müssen sie die Risiken im Blick behalten. "Wir werden jetzt sicher nicht beide Augen zudrücken", sagt Ortolf. Man werde sich daran orientieren, wie ein Unternehmen dastand, bevor sich die Corona-Pandemie weltweit rasant ausbreitete. Auch die Deutsche Bank nimmt dies als Orientierung. "Wenn das Unternehmen damals gesund war, dürfte der Corona-Effekt deutlich werden. Wir wollen dabei helfen, dass jetzt nicht fundamental gesunde Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten kommen."

rtr

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Bildquelle: Kai Pfaffenbach/Reuters

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