WÄHRUNGSREFORM

Indien taumelt bargeldlos ins Chaos

Indien taumelt bargeldlos ins Chaos

WKN: A0JNE2 ISIN: GB00B10RZP78 Unilever plc

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26.06.2019 - 08:04
06.12.2016 10:34:00

Die von der indischen Regierung am 8. November erlassene Währungsreform mit einem Ad-hoc-Verbot für 86 Prozent des umlaufenden Bargelds macht in dem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern Versorgungsengpässe immer wahrscheinlicher. Von Michael Braun Alexander

Seit zwei Wochen ist die landwirtschaftliche Erzeugung von Lebensmitteln massiv beeinträchtigt, weil Bauern ohne Bargeld kein Saatgut kaufen können. Millionen Laster stehen infolge der Liquiditätskrise still, Großmärkte schließen. Vor Bankfilialen und Geldautomaten bilden sich lange Schlangen. Das Auswärtige Amt in Berlin warnt vor "drastischen Engpässen bei der Bargeldversorgung", die auch den Umtausch von Euro oder Dollar in Rupien betreffen.



Nacht-und-Nebel-Aktion



Die Konsumgüternachfrage ist mangels Bargeld und digitaler Zahlungsmöglichkeiten zurückgegangen. Dies bekommen inzwischen auch internationale Konzerne wie Unilever, Nestlé oder Colgate-Palmolive und deren indische Tochtergesellschaften zu spüren. Die Investmentgesellschaft Motilal Oswal mit Hauptsitz in Mumbai spricht von einer "signifikanten Abschwächung des Konsums". In den ersten fünf Tagen nach Verkündung des Bargeldverbots sei das Geschäftsvolumen in praktisch allen Wirtschaftszweigen um "30 bis 80 Prozent" eingebrochen, bei hochwertigen Konsumgütern überdurchschnittlich stark. Auch deutsche Autobauer, die nicht nur nach Indien exportieren, sondern auch vor Ort produzieren, seien betroffen, heißt es.


In der Nacht zum 9. November hatte Premierminister Narendra Modi überraschend die beiden größten Banknoten des Landes im Nennwert von 500 Rupien (rund 6,90 Euro) und 1000 Rupien (rund 13,80 Euro) für ungültig erklärt. Neue 500er- und 2000er-Scheine kommen im Gegenzug nur langsam in Umlauf. Mit dieser Maßnahme wollte Modi Schattenwirtschaft und Terrorismusfinanzierung bekämpfen sowie Falschgeld aus dem Verkehr ziehen. Die Aktion sollte ein "Schlag gegen die Korruption" sein.

Intervention auf dem Goldmarkt



Von den Verwerfungen sind inzwischen auch der Immobilien- und der Goldmarkt betroffen. Bei Immobilien wird normalerweise ein Teil bar (also "schwarz") bezahlt, sodass der Immobilienhandel weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Der Goldpreis kletterte weit über internationales Niveau, der Goldhandel bricht massiv ein. In ländlichen Regionen werden Güter wieder wie früher getauscht.

Finanzexperten rechnen damit, dass die Regierung auch bei Immobilien und Gold intervenieren könnte. Indien ist derzeit weltweit der zweitgrößte Goldmarkt nach China. Modis Koalitionsregierung gilt zwar insgesamt als wirtschaftsfreundlich, steht jedoch zunehmend in der Kritik.


Bildquelle: Adnan Abidi/Reuters

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