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Infineon kämpft mit Chip-Boom

Infineon kämpft mit Chip-Boom
04.08.2021 06:41:40

Der Halbleiterkonzern Infineon kämpft gegen die Chip-Knappheit an. Vorstandschef Reinhard Ploss sprach am Dienstag in Neubiberg bei München von einer "weiterhin sehr angespannten Liefersituation". Zugleich bremst ein neuer Corona-Ausbruch in Malaysia die Fertigung im dortigen Werk Malakka.

Deshalb konnte Infineon vom weltweiten Halbleiter-Boom zuletzt weniger stark profitieren als die Konkurrenz: Während der Umsatz beim Rivalen STMicro im abgelaufenen Quartal um 43 Prozent über dem Vorjahresniveau lag, legte Infineon nur um 25 Prozent zu. 200 bis 300 Millionen Euro Umsatz fehlten wegen des Stillstands in Malaysia, sagte Finanzvorstand Sven Schneider.

"Die Vorräte sind auf einem historischen Tiefstand. Unsere Chips gehen aus der Fertigung direkt in die Endanwendungen", schilderte Ploss die Lage. "Wir kämpfen um jeden zusätzlichen Wafer." Was Chips für die Autobauer angeht, werde "frühestens weit im Jahr 2022" das Angebot nicht mehr hinter der Nachfrage herhinken. Infineon sitze inzwischen auf einem Auftragsbestand, der die Produktion für zwei Jahre auslaste. Ein Lichtblick ist die neue Fabrik für Leistungshalbleiter im österreichischen Villach, die vorzeitig betriebsbereit ist und in den nächsten Wochen mit der Produktion beginnen kann.

Doch die Branche denkt schon darüber hinaus. Die EU will sich von der Chip-Fertigung in Asien unabhängiger machen und umwirbt große Unternehmen wie Intel und TSMC. Laut Branchenkreisen spricht der taiwanische Auftragsfertiger TSMC mit Infineon, Bosch und NXP über den Bau einer Fabrik, die deren Kunden aus der Autoindustrie beliefern könnte. Als Standort sei Dresden im Gespräch, wo Infineon und Bosch bereits produzieren.

Infineon-Chef Ploss ist grundsätzlich nicht abgeneigt, will sich aber zu den konkreten Plänen nicht äußern. "Es wäre eine interessante Überlegung, TSMC in Deutschland zu haben", sagte er. Von den Produkten und Abnehmern her wäre das wohl sinnvoller als eine Fabrik von Intel für Zwei-Nanometer-Chips, um die offenbar auch das bayerische Landsberg am Lech buhlt. Die neuartige Zwei-Nanometer-Technik ist vor allem für Smartphones und Laptops von Bedeutung, die in Europa kaum gebaut werden. "Die Technologie, die TSMC produziert, ist näher an unserer", sagte Ploss. Zwei Fünftel des Umsatzes macht Infineon mit der Autoindustrie; in jedem Auto stecken Chips für 400 bis 500 Euro.

20 TAGE STILLSTAND


Doch neue Fabriken sind Zukunftsmusik. Die Gegenwart ist der Kampf um das Hochfahren des Werks in Malakka, wo die Produktion für 20 Tage stillstand - auf Geheiß der Behörden, die so einen neuen Corona-Ausbruch bekämpfen wollten. Nun impft Infineon die Belegschaft, um Ende August wieder mit voller Kapazität arbeiten zu können. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 (April bis Juni) lag der Umsatz trotz der starken Nachfrage mit 2,72 Milliarden Euro nur marginal über dem Wert des zweiten Quartals. Vorher hatten die Spätfolgen des Wintersturms in Texas die Produktion in Austin lahmgelegt. Die Ausfälle drückten auch auf die Margen, sagte Finanzchef Schneider.

Im vierten Quartal soll der Umsatz auf rund 2,9 Milliarden Euro zulegen, bei einer Segmentergebnis-Marge von 19 Prozent. Dann soll vor allem das Geschäft mit Smartphone-Chips anziehen, das zuletzt etwas lahmte. In den ersten neun Monaten lag die Marge bei 18,1 Prozent, im Gesamtjahr (per Ende September) peilt Infineon ebenfalls mehr als 18 Prozent an. Der Umsatz soll dann rund elf Milliarden Euro erreichen. Im dritten Quartal hat sich die Summe der Gewinne in den einzelnen Sparten (Segmentergebnis) gegenüber dem Vorjahr auf 496 (220) Millionen Euro mehr als verdoppelt - das hatten die Analysten schon erwartet. Trotzdem arbeitete sich die Aktie am Dienstag in die Gewinnzone vor.

rtr

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