Eine Meldung schlug am Freitagabend hohe Wellen: GameStop will das Online-Auktionshaus eBay kaufen. Die wahnwitzige Idee könnte jedoch realer sein, als viele Anleger vermuten. Denn GameStop-CEO Ryan Cohen bietet pro Aktie einen Aufschlag von rund 20 Prozent. Trifft hier Wahnsinn auf Genie?

David gegen Goliath. Während Gamestop hierzulande eher als Meme-Stcok bekannt geworden ist, ist das in anderen Teilen der Welt völlig anders. Dennoch scheint eine Übernahme von eBay, das derezeit eine (Marktkapitalisierung von rund 46 Milliarden US-Dollar aufweist, für einen Videospiel-Fachhändler mit einem Börsenwert von rund 12 Milliarden US-Dollar  eher utopisch zu sein. Dennoch scherzt Gamestop-Chef Ryan Cohen Cohen laut einem Bericht des Wall Street Journals nicht. Im Gegenteil: Er hat einen aggressiven Plan.

Kein Gespräch? Kein Problem!

Satte 56 Milliarden Dollar will der GameStop-CEO auf den Tisch legen. Genauer gesagt soll er laut Insidern 125 US-Dollar pro Aktie bieten. Das entspricht einem Aufschlag von rund 20 Prozent. Dass er sich dafür erst Kredite von derzeit 20 Milliarden US-Dollar gesichert hat, scheint den Manager nicht zu stören. Kann er diese Summe nicht weiter erhöhen, ließe sich der Rest lediglich über eine massive Ausgabe neuer Wertpapiere finnazieren - was sicherlich keinen Altaktionär erfreuen dürfte.

Allerdings hat Cohen noch einen weiteren Pfeil in seinem Köcher: GameStop hält bereits Anteile an eBay: rund fünf Prozent. Das ist natürlich nicht genug für eine Übernahme, es könnte aber einen Türöffner für Gespräche mit dem eBay-Vorstand darstellen. Sollte dieser sich weigern, droht Cohen bereits damit, sich direkt an die Ebay-Aktionäre zu wenden. das käme dann einer feindlichen Übernahme gleich.

Ebay (WKN: 916529)

Bekannter Investor überzeugt

Denken Anleger an Gamestop, kommt den meisten sicherlich zuerst die Social-Media-Kampagne des Jahres 2021 in den Sinn. Alles begann mit dem Reddit-Forum WallStreetBets, in dem sich eine Gemeinschaft von Privatanlegern zusammenschloss und ein echtes Kultphänomen auslöste. Denn diese Anleger kauften massenhaft GameStop-Aktien, was zu einem explosiven Kursanstieg der Gamestop-Aktie führte und Hedgefonds dazu zwang, ihre Short-Positionen zu liquidieren udn Aktien nachzukaufen. Ein sogenannter Short-Squeeze. Es entstand ein moderner Klassenkampf zwischen Privatanlegern und großen Hedgefonds, was zu einem der interessantesten Phänomene in der Finanzwelt führte und sogar eine eigene Dokumentation erhielt.

Doch zurück zum eigentlichen Thema: Warum möchte GameStop ausgerechnet eBay schlucken? Beide Unternehmen vertreiben Games, Konsolen, Spielkarten und weitere "Nerd"-Spielereien. Damit bedienen sie die gleiche Zielgruppe, obgleich eBay noch ein deutlich breiter aufgestelltes Angebot aufweist, was ein stationärer Händler niemals erfüllen könnte. Möchte Cohen die Konkrrenz also aus dem Weg räumen, dürfte die Übernahme von eBay ein großer Schritt in die richtige Richtung sein. Das zumindest denkt der US-Investor Michael Burry, der auch als The Big Short"-Legende bekannt ist. In einem Kommentar auf der Plattform Substack sprach er Cohen sein Vertrauen aus. Bereits seit Januar ist Burry wieder in Wertpapiere von GameStop investiert, erst im April stockte er weiter auf. Einen größeren Vertrauensbeweis für Cohen dürfte es wohl kaum geben. 

Sowohl die eBay- als auch die GameStop-Aktie stiegen am Freitabend nachbörslich deutlich. Noch hat der Plan zwar nicht einen solchen Kaufdruck ausgelöst wie 2021. In der schilernden Gamestop-Historie hat Cohen aber auf jeden Fall ein neues, spannendes Börsenkapitel aufgeschlagen.

GameStop (WKN: A0HGDX)

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