Star-Investor Michael Burry setzt auf den Absturz eines der wichtigsten Halbleiter-ETFs – ausgerechnet, während der Sektor an der Börse eine Rekord-Rally markiert. Der Investor rät Chip-Anlegern sogar offen zu verkaufen. Was steckt dahinter? Und was sagen Experten?

Michael Burry, bekannt aus „The Big Short“, stellt sich gegen den Halbleiterboom: Den Abonnenten seines Substack-Kanals „Cassandra Unchained“ teilte Burry am Wochenende mit, er habe Put-Optionen auf den iShares Semiconductor ETF (Börsenkürzel SOXX) mit einem Strike-Preis von 330 Dollar und einer Laufzeit bis Januar 2027 gekauft. Sein Einstieg soll demnach zwischen 460 und 462 Dollar gelegen haben. Das hieße, dass der ETF rund 28 Prozent fallen müsste, um überhaupt den Strike zu erreichen.

Vor allem der Zeitpunkt der Wette lässt aufhorchen: Am Freitag hatte der Philadelphia Semiconductor Index eine 18-tägige Gewinnserie markiert – ein neuer Rekord. Doch Burry legte sogar noch mit einer ungewöhnlich direkten Ansage nach: Wer in Halbleiter-Aktien long sei, solle „jetzt verkaufen“.

Burrys Begründung

Burry begründet seine Positionierung damit, dass die gegenwärtige Rally vor allem von technischen Faktoren getrieben werde und nicht mehr von Fundamentaldaten. Der Hedgefonds-Investor hält das verbreitete Narrativ rund um die Mega-Investitionen in Rechenzentren und die daraus resultierende Chipknappheit, auch bei Speicherchips, für mehr Stimmung als Substanz.

Nach einem Post des Bloggers Manpreet Kailon auf der Plattform „X“ verweist Burry in seiner Community auch darauf, dass der SOXX mittlerweile ein rückläufiges KGV von 39,85 aufweise. Das bedeutet, dass die Gewinnerwartungen schneller steigen als die Kurse. Dies sei zuletzt zur Dotcom-Zeit im Juni 2000 zu sehen gewesen.

Chip Power Index (WKN: SL0FTE)

Was Anleger daraus ableiten können

Man könnte auch sagen: Je größer die Euphorie, umso höher die Fallhöhe. Doch wie stichhaltig sind Burrys Argumente? Zunächst einmal: Um mit seiner Wette Gewinn zu machen, muss der ETF nicht um volle 28 Prozent fallen. Schon auf dem Weg dorthin wäre Burrys Position im Plus – sofern der Index nicht noch monatelang auf seinem gegenwärtigen Niveau verharrt oder sogar steigt. Denn die Restlaufzeit des Puts ist mit neun Monaten recht kurz.

Für Privatanleger ist daran nicht unbedingt relevant, ob Burry recht behält, sondern die Frage, welche Annahmen die aktuellen Chip-Bewertungen rechtfertigen. Wer investiert ist, sollte drei Punkte abklopfen:

1. Gewinndynamik: Halten die Margen und Prognosen, wenn der KI-Hype zu normalen IT-Budgets zurückkehrt? Und wann wird das sein?

2. Bekannter „Schweinezyklus“: Halbleiter waren immer eine zyklische Branche, der „Schweinezyklus“ aus Hype- und Crashasen ist bei den Herstellern von bei DRAM-Speicherchips berüchtigt und hat mehrfach in der Historie tiefe Spuren in der Branche hinterlassen; man denke nur an die Beinahe-Pleite von Infineon nach der Insolvenz der Speichertochter Qimonda. Ist es wirklich zu erwarten, dass der Abwärtszyklus diesmal ausfällt? Rekordserien enden selten sanft.

3. Marktbreite: Läuft der Sektor wirklich noch in der Breite? Oder hängt alles an wenigen KI-Gewinnern?

Burry gab Reihe von Fehleinschätzungen ab

Kritiker werfen Burry außerdem vor, im Chipsektor vor nicht zu langer Zeit schon einmal dick danebengelegen zu haben: Im dritten Quartal 2025 hatte der Investor Nvidia-Put-Optionen in Höhe von 187 Millionen Dollar mit einem Ausübungspreis von 110 Dollar gekauft. Damals stand die Aktie bei etwa 130 Dollar. Am Dienstag, vor Börseneröffnung, stand Nvidia bei 209 Dollar, also 90 Prozent über Burrys Ausübungspreis. „Diese Puts sind effektiv wertlos, es sei denn, Nvidia fällt bis Dezember 2027 um 47 Prozent“, kommentiert ein Blogger auf „X“. „Der Mann, der den Crash von 2008 vorausgesagt hat, wird gerade von Nvidia zerstört.“

Auch mit seinem Hedgefonds Scion, der ihn im Kollaps der Hypothekenkrise zum Star machte, hatte Burry zuletzt kein Glück mehr. Er hat ihn im November 2025 geschlossen.

Das Fünkchen Wahrheit

Burry geht – wieder mal – öffentlichkeitswirksam eine zugespitzte, konträre Wette ein. Dafür ist er bekannt und berüchtigt. Anleger sollten seinem Rat nicht blind folgen – aber wachsam sein.

Am Dienstag dürfte sich der Investor vor seinen Börsenbildschirmen bestätigt fühlen: Halbleiteraktien geben vorbörslich deutlich ab, sogar Nvidia verliert 3,3 Prozent (Stand 14:40 Uhr MESZ). Grund ist eine Meldung des „Wall Street Journal“ zu OpenAI: Der KI-Pionier habe seine eigenen User- und Umsatzziele nicht erreicht, heißt es in dem Artikel. Finanzchefin Sarah Friar habe deshalb bereits in Gesprächen mit Unternehmenslernkern die Sorge geäußert, dass OpenAI seine künftigen Ausbaupläne nicht einhalten könne, wenn die Umsätze nicht schnell genug stiegen. Denn dann fehle der Cashflow, um die Investitionen zu bezahlen.

OpenAI hat nach eigenen Angaben Aufträge im Volumen von insgesamt 1,4 Billionen US-Dollar für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur vergeben.

Nach Bekanntwerden der Meldung fiel die Aktie der Softbank, mit einer Beteiligung von rund 13 Prozent einer der größten Einzelaktionäre von OpenAI, am Dienstag um 7,5 Prozent.

Softbank (WKN: 891624)

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Häufige Fragen zum Thema

Wer ist Michael Burry?

Michael Burry (geboren 1971) ist ein US-amerikanischer Hedgefonds-Manager und Investor, der als einer der ersten die Immobilienkrise 2008 erkannte und erfolgreich darauf wettete. Bekannt wurde er durch den Film „The Big Short“, in dem der Investor von Christian Bale gespielt wird. Er ist Gründer des Hedgefonds Scion Asset Management, und gilt als Contrarian-Investor. Er hat Sciuon im November 2025 geschlossen udn betreibt seitdem einen Substack-Kanal unter dem Namen "Cassandra Unchained".

Welche Aktien sind im Philadelphia Semiconductor Index enthalten?

Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) umfasst die 30 größten US-gehandelten Unternehmen der Halbleiterbranche, darunter Branchenführer wie Nvidia, Broadcom, TSMC, ASML, AMD und Intel. Er ist ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index und dient als zentraler Indikator für die weltweite Halbleiterindustrie.