Eine extrem pessimistische Jahresprognose hatte die Aktie von Novo Nordisk im Januar auf Talfahrt geschickt. Doch nach den Zahlen zum ersten Quartal scheint plötzlich Hoffnung auf - auch an der Börse. Warum Analysten trotzdem noch skeptisch sind.

Die neue Abnehmpille des Pharmaherstellers Novo Nordisk läuft in den USA – um beim Thema zu bleiben – wie geschnitten Brot: „Wir sehen, dass mehr als eine Million Menschen die Wegovy-Pille nutzen“, sagte Vorstandschef Doustdar am Mittwoch in einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalszahlen. Patienten wechselten von Konkurrenzprodukten zur Pille, während es nur eine „begrenzte Kannibalisierung“ der eigenen Medikamente gebe.

Gemessen am Volumen habe die orale Version von Wegovy den besten Marktstart in der Kategorie der sogenannten GLP-1-Medikamente in den USA hingelegt. Allein in der Woche bis zum 17. April seien mehr als zwei Millionen Rezepte ausgestellt worden.

Obwohl der dänische Hersteller weiterhin unter starkem Preis- und Wettbewerbsdruck steht, schaut das Management deshalb nun weniger pessimistisch in die nähere Zukunft als noch zu Jahresbeginn: Konzernchef Maziar Mike Doustdar geht davon aus, dass die Rückgänge bei Umsatz und operativem Ergebnis in diesem Jahr nun doch etwas weniger heftig ausfallen als bisher erwartet. Mut macht den Skandinaviern dabei der überraschend schwungvolle Jahresstart.

Novo Nordisk (WKN: A3EU6F)

Aktienkurs steigt - zeitweise

An der Börse half das der arg gebeutelten Aktie am Mittwoch auf die Beine. Kurzzeitig sprang die Aktie des Diabetes-Spezialisten auf fast 312 dänische Kronen und damit auf den höchsten Stand seit dem 19. Februar. Zeitweise stieg das Papier in Kopenhagen gegen gut sieben Prozent auf 307 Kronen. Am Nachmittag ging es dann allerdings wieder in Richtung 293 Kronen zurück.

Das lag auch daran, dass sich die Analysten in Summe weiter vorsichtig äußern. Michael Leuchten von Jefferies etwa sieht in den geänderten Prognosen keinen echten Kurstreiber. Auch James Quigley von Goldman Sachs verwies darauf, dass am Markt bereits mit einer etwas besseren Entwicklung gerechnet worden sei. Richard Vosser von JPMorgan lobte dagegen die Quartalszahlen, die etwas stärker als erwartet ausgefallen seien. Durch den positiveren Ausblick sieht der Analyst die Konsensschätzungen untermauert.

Vorstand hebt Ausblick an

Die Aktie von Novo Nordisk hat seit Jahresbeginn rund ein Drittel an Wert eingebüßt. Besonders deutlich brach sie im Februar ein, nachdem der Konzern erstmals seinen düsteren Ausblick veröffentlicht hatte.

Der wurde nun angehoben: Novo Nordisk erwartet jetzt in diesem Jahr einen Rückgang von vier bis zwölf Prozent bei Umsatz und Ergebnis - beides gerechnet zu konstanten Wechselkursen und abseits von Sondereffekten. Bisher war der Konzern jeweils von minus fünf bis minus 13 Prozent ausgegangen.

Alles hängt am Umsatz mit Wegovy

Im ersten Quartal war der Erlös im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent gesunken. Dabei hatte Novos neue Abnehmpille, die wie ihr als Spritze verabreichtes Pendant „Wegovy“ heißt und den Wirkstoff Semaglutid enthält, die Erlöse im Adipositas-Geschäft maßgeblich angetrieben. Doch das gestiegene Absatzvolumen konnte den Effekt durch gesunkene Preise letztlich nicht ausgleichen. Negativ schlägt auch zu Buche, dass die Umsätze mit Diabetesmedikamenten um 18 Prozent zurückgingen, wobei das frühere Blockbuster-Präparat Ozempic auf den niedrigsten Stand seit zwei Jahren fiel.

Der unbereinigte Erlös - inklusive der Auflösung bestimmter Rückstellungen für Rabatte im US-Geschäft und Wechselkurseffekten - stieg hingegen nominal um 24 Prozent auf 96,8 Milliarden dänische Kronen (12,96 Milliarden Euro). Der operative Gewinn schnellte ebenfalls wegen dieses Sondereffekts um 54 Prozent auf 59,6 Milliarden Kronen hoch. Analysten hatten weit weniger auf dem Zettel, ebenso beim Konzerngewinn, der bei fast 49 Milliarden Kronen herauskam.

Bei Eli Lilly läuft’s besser

Novo Nordisk hatte zuletzt auf Druck der US-Regierung die Preise in den USA senken. Große Hoffnungen liegen nun auf weiteren Absatzerfolgen der Wegovy-Pille, um im harten Wettbewerb mit dem US-Konzern Lilly wieder aufholen zu können. Hier war Novo Nordisk zuletzt zunehmend ins Hintertreffen geraten, weil die Produkte des Widersachers als effektiver gelten und sich wohl auch daher besser verkaufen. Anders als Novo rechnet Lilly-Chef David Ricks in diesem Jahr mit einem weiter steigenden Umsatz.

Erst kürzlich hatte der US-Rivale seine Prognose für 2026 noch einmal aufgestockt. Dabei setzt Lilly auch auf seine eigene Abnehmpille „Foundayo“, die mit etwas zeitlichem Abstand zum Wegovy-Start mittlerweile ebenfalls in den USA zugelassen ist. Nach dem Verlust der Marktführerschaft an Lillys Abnehmspritze Zepbound könnte Novo Nordisk von dieser Seite womöglich schon bald wieder Gegenwind drohen.

Hinzu kommt, dass schon in diesem Jahr Preisdruck durch Nachahmer-Medikamente entstehen könnte. Denn der Patentschutz für den Wirkstoff Semaglutid läuft in wichtigen Märkten wie China, Indien oder Brasilien bereits aus.

Diese Chartmarken sind jetzt für die Aktie wichtig

Aktionäre von Novo Nordisk müssen sich also auf mögliche weitere Rückschläge einstellen. Allerdings dürfte der Vorstand diese in seiner Prognose schon weitgehend eingepreist haben. Das Abwärtspotenzial erscheint daher auf dem gegenwärtigen Kursniveau begrenzt. Was bisher fehlt, ist ein echter Katalysator für nachhaltig steigende Kurse.

Charttechnisch ist zunächst einmal die Marke von 300 dänischen Kronen (umgerechnet 40,15 Euro) relevant, die einen Widerstand darstellt. Gleichzeitg verläuft in der Nähe auch noch die 200-Tage-Linie. Sollte die Novo-Nordisk-Aktie beide Marken im Zuge des jüngsten Aufschwungs überwinden, sprechen wir uns wieder. Denn dann wären plötzlich weitere 17 Prozent drin – bis auf bis 350 Kronen. Das entspräche dann knapp 47 Euro.

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Enthält Material von dpa-AFX

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Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Novo Nordisk.