Der Konzern signalisierte zudem, dass sich Bundesregierung und große Koalition über das genaue Vorgehen offenbar noch nicht einig sind. Während SPD-Politiker durchaus für Staatseinfluss bei der Lufthansa plädieren, wollen Vertreter der Union, dass sich die Politik aus dem operativen Geschäft der Airline weitgehend heraushält. Laut Lufthansa geht es in den Verhandlungen mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes (WSF) neben einer stillen Beteiligung um einen besicherten Kredit. "Die Konditionen sind Gegenstand dieser Gespräche."

Es gehe zudem um eine staatliche Beteiligung am Grundkapital der Lufthansa. "In diesem Kontext wird auch über verschiedene Varianten von Kapitalerhöhungen gesprochen, unter anderem auch zum Nennbetrag der Aktie, gegebenenfalls nach Kapitalschnitt, um einen Anteilsbesitz von bis zu 25 Prozent plus einer Aktie zu schaffen."

Als Auflagen seien auch ein Verzicht auf künftige Dividendenzahlungen vorgesehen. "Außerdem wird eine Vertretung im Aufsichtsrat seitens des WSF angestrebt." Der Lufthansa-Vorstand setze die Verhandlungen mit dem Ziel fort, die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Konzern-Chef Carsten Spohr hatte am Dienstag auf der Hauptversammlung betont, er sei zuversichtlich, die Gespräche mit der Bundesregierung in Kürze abschließen zu können. Ein Befreiungsschlag über eine Insolvenz, den das Management Insidern zufolge für den Fall zu strikter Auflagen des Staates prüfte, soll nicht notwendig sein. "Wir sind überzeugt, dass wir angesichts der Gespräche mit der Bundesregierung nicht auf diese Alternative zurückgreifen müssen", hatte Spohr zu den Aktionären gesagt.

Zuletzt hieß es in der Branche, die Politik könne sich womöglich noch in dieser Woche oder am Wochenende einigen. In der nächsten Woche könnte es dann einen Deal mit der Lufthansa geben. An anderer Stelle verlautete, das Bundeskanzleramt bringe sich nun verstärkt in die Debatte ein. Unklar war zunächst, ob dies für eine Verzögerung sorgen könnte.

CORONA-KRISE BRINGT AIRLINES AN RAND DER EXISTENZ


Die Lufthansa ist wie viele andere Airlines vom weltweiten Einbruch des Reisens durch die Corona-Pandemie so hart getroffen, dass sie um ihre finanzielle Existenz kämpft. Alle vier Heimatländer der Airline-Gruppe - neben Deutschland auch die Schweiz, Österreich und Belgien - wollen der Lufthansa und ihren Töchtern Swiss, Austrian und Brussels Airlines unter die Arme greifen. Doch sie stellen Bedingungen zur Standortsicherung oder verlangen Mitsprache wegen der erheblichen Steuergelder.

Spohr hat bereits angekündigt, etwa 100 der zuletzt 760 Flugzeuge blieben für immer am Boden. Für rund 10.000 überzählige Mitarbeiter müssten neue Jobs gefunden werden.

rtr