"Jetzt in der Pandemie wird deutlich, dass Wissenschaft und Technologie einen essenziellen Beitrag leisten", sagte Merck-Chef Stefan Oschmann am Donnerstag. Nach einem deutlichen Anstieg bei Umsatz und Ergebnis im dritten Quartal schraubte Oschmann die Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr nach oben. Dazu trägt auch auch ein Sonderertrag aus der Auflösung von Rückstellungen für einen Patentstreit bei.

Im abgelaufenen Jahresviertel kletterte der Umsatz um fast zehn Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Merck profitierte vor allem von einem starken Life-Science-Geschäft, das Produkte für die Pharmaforschung anbietet. Für die Impfstoffherstellung liefert das Unternehmen unter anderem hoch spezialisierte Filter und Zellkulturmedien. Alleine die Hälfte des Wachstums im Bereich Prozesslösungen sei von der Pandemie getrieben gewesen. Wegen der hohen Nachfrage baue Merck seine Kapazitäten aus und stelle neue Mitarbeiter ein. "Process Solutions erlebt einen Boom zurzeit und es gibt keinen Grund davon auszugehen, dass der sich ändert", sagte Oschmann.

Aber auch mit seinen neueren Medikamenten, dem Mutiple-Sklerose-Mittel Mavenclad und der Krebsimmuntherapie Bavencio, konnten die Darmstädter punkten und setzten soviel um wie noch nie in einem Quartal. Daneben erholte sich das Geschäft mit Fruchtbarkeitsbehandlungen, bei dem Merck Weltmarktführer ist. Im zweiten Quartal litt es noch darunter, dass viele Kinderwunschkliniken wegen Corona geschlossen blieben. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) legte im dritten Quartal auch dank des Sonderertrags um 53 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu, der organische Zuwachs betrug knapp ein Fünftel.

Die Ziele für 2020 hob Merck-Chef Oschmann aufgrund des kürzlich bekannt gegebenen Sonderertrags aus dem erfolgreichen Ausgang eines Patentstreits um sein Multiple-Sklerose-Medikament Rebif mit dem US-Rivalen Biogen an. Er erwartet nun einen bereinigten Betriebsgewinn zwischen 5,05 und 5,25 Milliarden Euro statt wie bislang von 4,45 bis 4,85 (Vorjahr: 4,39) Milliarden. Die Umsatzprognose grenzte der Manager auf 17,1 bis 17,5 Milliarden Euro von bisher 16,9 bis 17,7 (2019: 16,15) Milliarden ein. Gegenwind kommt dabei von negativen Währungseffekten. Die Prognose erfolge unter "erhöhter Unsicherheit" wegen der Pandemie, warnte Oschmann.

rtr