Die Aktie des Chipkonzerns Intel erlebt derzeit ein historisches Comeback. Vor Jahresfrist wurde der Konzern noch fast als Pleitekandidat gehandelt. Seitdem hat sich der Aktienkurs vervierfacht.
Nachdem der Chipkonzern Intel am Donnerstagabend, getrieben von einer boomenden Halbleiter-Nachfrage im Zuge des KI-Ausbaus die Wall-Street-Erwartungen deutlich geschlagen hat, läuft die Aktie am Freitag wie entfesselt. In Europa legte die Aktie noch vor Eröffnung der US-Börsen schon mehr als 25 Prozent zu. In Dollar gerechnet hat Intel damit vorbörslich schon sein Allzeithoch aus dem Sommer 2000 übertroffen. Damals, am 27. August 2000, kostete eine Intel-Aktie 75,81 US-Dollar.
Vor einem Jahr noch auf der Kippe
Das ist umso erstaunlicher, da Intel vor Jahresfrist noch wie ein Pleitekandidat gehandelt wurde: Der Konzern schien den Anschluss im KI-Wettrennen verloren zu haben, die Fabriken galten als veraltet und nicht mehr wettbewerbsfähig gegen Konkurrenten wie TSMC. Den Neubau einer Chipfabrik bei Magdeburg stoppte Intel im Juli 2025, nachdem der Konzern einen Verlust von 2,9 Milliarden Dollar verkünden musste. Daraufhin verordnete sich Intel ein hartes Sparprogramm.
Neun Monate später steigt der frühere Chipriese wie Phönix aus der Asche empor: Alle Hebel haben gegriffen, man habe im vergangenen Quartal sogar zuvor abgeschriebene Lagerbestände noch verkaufen können, sagte Finanzchef David Zinsner dem US-Sender CNBC. Auch habe Intel Preissteigerungen durchsetzen können.
Börse hat Gewinnhebel unterschätzt
So stieg der Quartalsumsatz im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 13,6 Milliarden US-Dollar (rund 11,6 Milliarden Euro). Analysten hatten im Schnitt mit 12,4 Milliarden Dollar gerechnet. Beim bereinigten Gewinn pro Aktie erreichte Intel 0,29 Dollar - weit über der durchschnittlichen Prognose von gerade mal einem US-Cent.
Für Analyst Harlan Sur von der US-Bank JPMorgan fielen sowohl die Resultate des Chipkonzerns für das vergangene als auch die Aussagen zum laufenden Quartal besser aus als erwartet. Dies spiegele die Stärke bei Hardware- und Softwarelösungen für Rechenzentren, Cloud-Computing und Künstliche Intelligenz (KI) wider. Blayne Curtis vom Analysehaus Jefferies kommentierte, der Rückenwind durch das KI-Thema lasse andere Probleme bei Intel verblassen.
Unter dem Strich gab es zwar dennoch erneut einen Verlust von 4,28 Milliarden Dollar. Doch das liegt daran, dass Intel gerade in großem Stil in neue Produktionsprozesse investiert, die den einstigen Marktführer aus der Krise bringen sollen.
Optimismus allenthalben
Bestellungen, um die neuen Anlagen auszulasten, gibt es offenbar schon. Denn auch mit dem Umsatzausblick für das laufende Quartal überraschte der Intel-Vorstand um den seit März 2025 amtieren CEO Lip-Bu Tan die Anleger: Man rechne jetzt mit Erlösen zwischen 13,8 und 14,8 Milliarden Dollar. Am Markt waren im Schnitt rund 13,1 Milliarden Dollar erwartet worden.
Und es gibt noch zwei prominente Profiteure der Intel-Rally: Nvidia hatte sich im September 2025 für 23,28 Dollar je Aktie an Intel beteiligt – und hat sein Investment damit bis heute verdreieinhalbfacht.
Die US-Regierung zahlte für ihre knapp zehnprozentige Beteiligung an Intel im August 2025 sogar nur 20,47 Dollar je Aktie. Das Investment von damals 8,9 Milliarden Dollar ist heute das Vierfache wert.
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Welche Art von Chips stellt Intel her?
Das Kerngeschäft von Intel sind seit Jahrzenten Mikroprozessoren (CPU) für Personal Computer (PCs) und Laptops. Diese Prozessoren kommen auch in Servern zu rAnwednung. Die Kernkompetenz liegt im Bereich der x86-Mikroprozessoren, die einst unter dem Namen x386/486, dann als Pentium oder heute als Core i3, i5 und i7 vermarktet werden. Erst seit kurzem betätigt sich Intel auch auf dem Feld der KI-Chips, zum Teil als Auftragsfertiger.
Wer sind die größten Konkurrenten von Intel?
Bei CPUs konkurriert Intel seit jeher mit AMD. Mittlerweile gehört auch Qualcomm mit seinem Snapdragon-Prozesor zu den ernstzunehmenden Konkurrenten.
Wer ist der CEO von Intel?
CEO von Intel ist seit dem 18. März 2025 Lip-Bu Tan. Der 66 Jahre alte Manager ist US-amerikanischer Staatsbürger, wurde aber in Malaysia geboren. Er löste Pat Gelsinger ab, der den Vorstandsvorsitz nach nur drei Jahren wegen Erfolglosigkeit wieder abgeben musste.