Der Volkswagen-Konzern beendet die Kooperation mit dem Autozulieferer Bosch beim autonomen Fahren. Statt für Milliarden eine eigene Lösung zu entwickeln, will man sich jetzt am Markt umsehen. Da kann es eigentlich nur einen geben.

1,5 Milliarden Euro sollen der Volkswagen-Konzern und sein Partner Bosch bereits in die Entwicklung von Lösungen für das autonome Fahren gesteckt haben. Doch das Ergebnis sei „nicht wettbewerbsfähig“, zitierten Medien Insider aus dem Konzern. Die Konsequenz: VW beendet die Partnerschaft. Statt weiter in eine unzureichende Eigenentwicklung zu investieren, soll nun offenbar eine fertige Lösung am Markt eingekauft werden. Bis Ende September 2026 wolle Volkswagen die Kooperation mit einem neuen Partner vertraglich absichern, berichtete die „Bild“.

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Es gibt eigentlich nur eine bekannte Alternative

Wer könnte das sein? Da VW wohl kaum bei Tesla oder BMW anfragen wird, gibt es eigentlich nur einen, der Technik für das autonome Fahren verlässlich und auf absehbare Zeit liefern kann: Nvidia.

Auf der hauseigenen GTC-Konferenz erklärte Nvidia-Chef Jensen Huang im März, er rechne schon 2027 mit erheblichen Erträgen aus dem Geschäftsfeld „autonomes Fahren“. Denn Nvidia wolle dieses Produkt mit Hilfe von Partnern standardisieren. Die dazu von Nvidia entwickelte DRIVE-Plattform bilde eine Brücke zwischen Künstlicher Intelligenz und allen etablierten Autoherstellern, so das Versprechen. Sie besteht aus Hardware wie dem Bordcomputer DRIVE AGX Thor plus einem Sensorpaket, inklusive Kameras und einer lasergestützten Abstandsmessung (Lidar). Das Ziel: Autonomes Fahren soll für viele Hersteller und Flottenbetreiber nutzbar werden, ohne dass jeder von ihnen die gesamte Technik von Grund auf selbst entwickeln muss.

Das klingt wie maßgeschneidert für VW. Noch im März hatte VW eine Zusammenarbeit mit Nvidia kategorisch ausgeschlossen. Auch BMW will seine Systeme weiterhin zusammen mit Qualcomm entwickeln. Von den deutschen Herstellern kooperiert bisher lediglich Mercedes mit Nvidia.

Nvidia (WKN: 918422)

Bedenken gegen externe Lösung

Doch es gibt auch Stimmen, die sich gegen so einen Schritt aussprechen. „‘Wir kaufen autonomes Fahren als fertige Box ein‘ ist der teuerste Fehler, den man in diesem Feld machen kann“, kommentierte ein KI- und System-Ingenieur, der nicht bei VW arbeitet, auf LinkedIn. Autonomes Fahren sei kein Bauteil. „Man bestellt es nicht wie einen Kabelbaum. Es ist ein Daten-Loop-Produkt, das sich jeden Monat selbst neu schreibt: Flotte → Edge Case → Label → Fix → Rollout. Wer den Loop besitzt, besitzt die Fähigkeit. Wer ihn einkauft, ist auf ewig Kunde eines Anbieters, der seinen Vorsprung mit deinen Fahrdaten ausbaut.“ VW würde also 1,5 Milliarden abschreiben, „um sich in eine dauerhafte Abhängigkeit hineinzukaufen. In einem Feld, das schneller veraltet als der Vertrag trocknet“, warnt der Experte. Das sei nicht billiger. Es sei „teurer – auf Raten“.

Der VW-Vorstand muss nun jedoch schnell eine Lösung finden, denn mit jedem Tag geraten VW, Porsche. Audi und die anderen Marken weiter ins Hintertreffen. Gut möglich, dass man in den sauren Apfel beißt – und Nvidia bald – nach Stückzahlen – einen echten Mega-Kunden verkünden kann. Das würde vermutlich beiden Aktien helfen - allen voran den zuletzt schwer gebeutelten VW-Aktionären.

Volkswagen Vz. (WKN: 766403)

Weiterführende Links

Häufige Fragen zum Thema

Was bedeutet die Abkürzung FSD?

Autnomes Fahren heißt auf Englisch "Full self driving" und wird mit FSD abgekürzt. Vor allem Tesla nutzt den Begriff häufig und hat die Funktion in einigen seiner Fahrzeuge auch schon freigeschaltet. Allerdings handelt es sich um eine Beta-Version, die von den Zulassungsbehörden noch nicht endgültig freigebenen ist. Bisher muss der Fahrer jederzeit eingreifen können - auch wenn manche Tesla-Fahrer das System anders einsetzen. In Europa darf volautonomes FSD beispielsweise gar nicht eingesetzt werden.


Was ist die Lidar-Technologie?

LiDAR (Light Detection and Ranging) bezeichnet Systeme zur präzisen Abstandsmessung mittels Laserstrahlen. Dabei werden kurze Lichtimpulse ausgesendet, deren Reflexion an Objekten im Umfeld die Position, Struktur und Form in Echtzeit udn dreidimensional erfasst. Lidar wird wird häufig für autonomes Fahren und die Steuerung und Zielerkennung von Drohnen genutzt, die Technologie steckt zum Teil aber auch schon in Smartphones.


Welche Autohersteller kooperieren mit Nvidia beim autonomen Fahren?

Von den deutsschen Herstellern hat bisher nur Mercedes eine Kooperation mit Nvidia geschlossen. Bekannte Partner sind außerdem BYD, Hyundai und Nissan sowie der Fahrdienstleister Uber, der darauf hofft, seine Fahrer in naher Zukunft durch Robotaxis ersetzen zu können. 

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor und der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, sind unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.

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