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Netflix-Aktie: Die Milliardenwette auf die Zukunft

Netflix-Aktie: Die Milliardenwette auf die Zukunft

WKN: 552484 ISIN: US64110L1061 Netflix Inc.

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13.12.2018 - 11:56
05.12.2018 04:30:00

Die aggressive Wachstumsstrategie von Netflix ließ die Abo-Zahlen in den vergangenen Monaten kräftig steigen. Inzwischen ist der Konzern mit Abstand Marktführer und holt zum nächsten Schlag aus. Anleger sollten aber nicht nur auf die beeindruckenden Zuwachsraten schauen. Gefahren lauern von mehreren Seiten. Von Franz-Georg Wenner



Als Netflix Mitte Oktober die Zahlen für das dritte Quartal präsentierte, war die Stimmung im Tech-Sektor bereits angeschlagen. Selbst die starke Bilanz entfachte nur noch kurz Kauflaune, recht schnell setzte sich der negative Markttrend durch. Ende November stand der Kurs bei 260 Dollar und damit knapp 40 Prozent unter der im Frühjahr erreichten Bestmarke. Erstmals seit rund zwei Jahren läuft der Kurs auch wieder deutlich unter der 200-Tage-Linie (violett). Mit dem herben Rücksetzer sieht zwar das Chartbild nicht mehr so überzeugend aus, dafür gibt es die Papiere nun wieder günstiger.





Richtig ist allerdings auch, dass Anleger nach wie vor tief in die Tasche greifen müssen. Nach einem Ergebnis je Aktie von 1,29 Dollar für 2017 rechnet Börse Online für 2018 mit 2,62 Dollar und 2019 mit einem Sprung auf 4,50 Dollar. Trotz dieser hohen Wachstumsrate fällt das 2019er-KGV mit 64 weiterhin sehr ambitioniert aus. Zur Einordnung: Der Nasdaq 100 steht je nach Gewinnprognose bei einem Faktor von 17 bis 18,5. Gegenüber dem Kursniveau im Sommer dieses Jahres ist der Wert auf dem ermäßigten Niveau aber deutlich attraktiver, das fundamentale Chance-Risiko-Verhältnis somit besser. Denn an der grundsätzlichen Ausgangslage hat sich seitdem nichts verändert.


Asien im Visier



Bei Netflix stehen die Zeichen auf Wachstum. In Singapur eröffneten die Amerikaner erst kürzlich ein neues regionales Hauptquartier, um den lukrativen Riesenmarkt in Asien zu erobern. Wie immer sind die Ziele sehr hoch gesteckt, Netflix will die nächsten 100 Millionen Abonnenten in Indien gewinnen.

Besonders bei den Serien ist der Konzern bereits stark aufgestellt. Einer Analyse von Ampere Analysis zufolge hat Netflix aktuell schon 245 exklusive Serien im Programm, Amazon kommt nur auf 80. Der Vorsprung könnte schon bald noch deutlicher ausfallen, weit mehr als 200 neue Projekte sollen 2019 folgen. Damit würde Netflix die Marktführerschaft massiv ausbauen. Ein besonderer Fokus der strategischen Weiterentwicklung liegt auf regionalen Produktionen - bisher mit Erfolg. Zudem sind die Genres der Serien im Gegensatz zu fast allen Konkurrenten sehr ausgewogen, Netflix adressiert so eine sehr breite Zielgruppe.

Enorme Geldverbrennung



Die Kehrseite der Medaille: Um in der wettbewerbsintensiven Branche neue Abonnenten zu gewinnen, fallen hohe Produktionskosten an. Allein im Jahresvergleich haben sich die langfristigen Verbindlichkeiten nahezu verdoppelt. Mit dem kürzlich emittierten Bond beläuft sich der Schuldenberg auf rund zehn Mrd. Dollar. Die Bonität der Ratingagenturen für die Papiere fällt mit dem Status Junk denkbar ungünstig aus. Sollten die Zinsen weiter steigen, muss der Konzern den Gläubigern künftig noch bessere Konditionen bieten, die Kapitalkosten würden weiter zunehmen. Auch die erhofften Wachstumszahlen sind nicht in Stein gemeißelt. Walt Disney und AT&T wollen im kommenden Jahr mit eigenen Streamingdiensten ebenfalls Geld verdienen, neben der starken Konkurrenz durch Amazon Prime Video wird das Umfeld schwieriger.

Und auch die Pläne in Asien könnten sich als zu ambitioniert erweisen. So werden sich in Indien nur wenige Menschen das im Konkurrenzvergleich teure Abo leisten können. Der Wettbewerb durch werbefinanzierte Angebote ist groß, Netflix muss seine Preise für viele Länder deutlich nach unten anpassen.

Heißes Eisen



Vorerst ist Netflix somit eine große Geldverbrennungsmaschine, auch in den nächsten Jahren wird der Kapitalverbrauch sehr hoch ausfallen. Schätzungen zufolge liegen die weltweiten Abo-Gebühren bei durchschnittlich neun Dollar pro Monat.

Um aber nachhaltig richtig profitabel zu sein, müssten Kunden rund 20 Dollar zahlen, so die Prognose von Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities. Diesen Betrag kann der Konzern angesichts der starken Konkurrenz aber nicht aufrufen. Die Netflix-Aktie bleibt somit eine heiße Wette verbunden mit der Hoffnung, dass das Geschäftsmodell in einigen Jahren viel Geld einspielt und die Kosten sinken. Fällt die Aktie unter 248 Dollar, droht ein empfindlicher Rückschlag bis in den Bereich um 170 Dollar. Solange die Zone hält, liegen die nächsten Erholungsziele bei 335 und 390 Dollar.

Empfehlung der Redaktion: Spekulativ Kaufen.
Kursziel: 305,00 Euro
Stoppkurs: 226,00 Euro

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Bildquelle: Mike Blake/Reuters, BÖRSE ONLINE

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