Drei Personen mit Bezug zu Super Micro Computer sind nach Angaben der US-Justiz beim illegalen Umleiten von KI-Technologie nach China erwischt und angeklagt worden. Darunter ist auch der SMC-Co-Gründer „Wally“ Liaw. Die Aktie von Super Micro bricht vorbörslich um 20 Prozent ein.
Die US-Staatsanwaltschaft wirft den drei Beschuldigten vor, amerikanische KI-Technologie über Umwege nach China gebracht zu haben – ein klarer Verstoß gegen geltende Exportkontrollen. Nach Berichten von Reuters handelt es sich dabei um Personen, die mit dem KI-Serverhersteller Super Micro Computer (SMC) in Verbindung stehen, darunter ein Co Gründer der Firma.
Super Micro Computer weist jede Beteiligung von sich und betont, dass das Unternehmen selbst nicht angeklagt ist. Tatsächlich wird Super Micro in der Anklage nicht namentlich genannt, dort ist nur von einem „US-Hersteller“ die Rede. Dennoch stürzt die Aktie am Freitag ab.
Co-Gründer Wally“ Liaw genießt zweifelhaften Ruf
Die Beschuldigten sollen in den Jahren 2024 und 2025 Hochleistungsserver im Wert von 2,5 Milliarden Dollar, die mit begehrten Nvidia-Chips der Typen H200 und B200 bestückt waren, über eine Tarnfirma in Südostasien nach China geschleust haben. Zu den Personen, gegen die nun Anklage erhoben wurde, gehört auch Yih-Shyan, genannt „Wally“, Liaw. Liaw hatte Super Micro Computer im Jahr 1993 zusammen mit dem heutigen Chef Charles Liang und Liangs Frau Sara Liu gegründet.
Doch in den Folgejahren erwarb sich Liaw einen zweifelhaften Ruf. Er war dabei, als Super Micro sich im Jahr 2006 schuldig bekannte, entgegen geltender Sanktionen Computer und Server in den Iran geliefert zu haben. Und Liaw war sogar Finanzvorstand, als Super Micro in den Jahren 2014 und 2017 gegen Bilanzierungsvorschriften verstieß, weshalb die Wertpapierbehörde SEC zeitweilig ein Delisting der Aktie verfügte. Erst 2018 einigte sich Super Micro mit der SEC – im Gegenzug mussten Liaw und weitere Manager das Unternehmen verlassen.
Erinnerungen an Hindenburg Research
Doch schon 2021 kehrte der umstrittene Gründer zurück, im Dezember 2023 stieg er sogar wieder in den Vorstand auf. Das wurde im August 2024 durchdas Shortseller-nahe Researchhaus Hindenburg Research bekannt, dessen Report die Aktie von Super Micro im August 2024 erneut auf Talfahrt schickte. In dem Hindenburg-Papier wurden auch erstmals Vorwürfe laut, SMC betreibe Karussellgeschäfte über Tochtergesellschaften in Singapur, um Umsätze aufzuhübschen und Sanktionen gegen China zu umgehen.
Dass nun eineinhalb Jahre später ausgerechnet Liaw in einer ähnlichen Causa verhaftet wird, lässt gut informierte Investoren aufhorchen. Hindenburg-Gründer Nate Anderson hat seine Research-Aktivitäten übrigens im Januar 2025 eingestellt.
Jetzt zugreifen? Bloß nicht
Die Anleger lassen die SMC-Aktie am Freitag auf jeden Fall fallen wie eine heiße Semmel: Schon vorbörslich notiert das Papier 20 Prozent im Minus. Angesichts des Chartverlaufs und der noch nicht geklärten Lieferbeziehung der Täter zu SMC selbst sollten Anleger derzeit die Finger von der Aktie lassen.
Skurille Details: So lief der Schmuggel ab
Zumal Details der Aktion, die nun ans Licht kommen, geradezu haarsträubend wirken: Wie US-Medien berichten wird dem angeklagten Trio beispielsweise vorgeworfen, in Südostasien einen umfangreichen Bestand von Tausenden Scheinservern unterhalten zu haben, also leeren Gehäusen. Diese warteten dort angeblich auf den Einsatz bei lokalen, nicht in China ansässigen, Kunden. Der Branchen-Analyst Max Weinbach verbreitete Bilder, die angeblich vom chinesischen Staatsfernsehen CCTV stammen. Auf ihnen sieht man Arbeiter, die mit Haartrocknern Seriennummernaufkleber von echten Servern ablösen und auf die leeren Servergehäuse übertragen. Anschließend sollen dann die echten, mit GPUs bestückten Server nach China versendet worden sein.
Ob und welche Strafe Liaw und seine Kumpanen wirklich droht, ist noch offen. Denn wegen der sich ständig ändernden US-Exportkontrollpolitik unter der Regierung von Donald Trump wären heute einige der geschmuggelten Super-Micro-Server wieder zum Export zugelassen.
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Häufige Fragen zum Thema
Was stellt Super Micro Commputer her?
Super Micro Computer, kurz SMC, produziert Server für KI-Rechenzentren. Dabei verbaut SMC die begehrten Hochleistungschips von Nvidia in einer eigenen Serverarchitektur, um sie für Kunden nutzbar zu machen. In diesem Zusammnhang besitzt SMC nach eigenen Angaben einige Patente, wie etwa eine spezielle Wasserkühlung.
Profitiert SMC von der KI-Fantasie an der Börse?
Nicht mehr. Das Unternehmen war 2023 und 2024 ein gefeierter Börsenstar, die Aktie stieg zweitweise um 1000 Prozent. Dann veröffentlichte Hindenburg Research im August 2024 einen kritischen Report, der viele Fragen zur Bilanzierung bei SMC aufwarf. Als das Unternehen kurz darauf die Vorlage seiner Bilanz verschob, begann die Aktie zu fallen. Auch die US-Wertpapieraufscht SEC ermittelte. In den folgenden Monaten kündigte der Wirtschaftsprüfer von SMC, weshalb das Untenehmen weitere Quartalsberichte verschieben musste. zeitweise drohte sogar das Delisting an der Nasdaq. Erst am letztmöglichen Stichtag reichte SMC die fehlende Bilanz kurz nach Börsenschluss bei der SEC ein.
Wer ist Hindenburg Research?
Hindenburg Research war bis zum Sommer 2024 ein weitgehend unbekanntes Analysehaus, hinter dem Short-Seller vermutet wurden. Denn Hindenburg veröffentlichte ohne Nennung der Autoren auschließlich kritische Studien, die darauf abzuzielen schienen, dass die besprochenen Aktien danach fallen. Gründer ist laut der WebsiteNate Anderson. Im Januar 2025 stellte Hindenburg den Betrieb ein, seitdem werden auf der Website keine neuen Studien mehr veröffentlicht.