Ein neuer Ansatz aus Kameras, KI-Agenten und bestehenden Serienfahrzeugen könnte die Karten beim autonomen Fahren neu mischen – und etablierte Anbieter unter Druck setzen.
Schlafen während des Autofahrens: Das soll in naher Zukunft in München Realität werden – zumindest, wenn es nach dem israelischen KI-Unternehmen Autobrains geht. Am Montag kündigte Autobrains eine Partnerschaft mit Uber an, durch die autonom fahrende Fahrzeuge in die Landeshauptstadt kommen sollen. Die geplante Fahrzeugflotte soll autonomes Fahren auf Level 4 ermöglichen – also ohne notwendige Fahreraufmerksamkeit und ohne menschliches Eingreifen.
Ein erstes Fahrzeug ist bereits in der Stadt unterwegs, vorerst allerdings noch mit einem Sicherheitsfahrer. Ab Frühsommer 2027 soll der Betrieb dann vollständig autonom erfolgen – begleitet von einer deutlichen Vergrößerung der Flotte.
Das Besondere: Durch den Einsatz von Kameras und KI-Agenten sollen die Kosten deutlich niedriger ausfallen als bei Konkurrenten wie der Alphabet-Tochter Waymo. Die Sicherheit soll darunter jedoch nicht leiden.
Kameras statt Sensoren
Anders als Waymo verzichtet Autobrains auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge mit aufwendigen Sensoraufbauten auf dem Dach. Stattdessen setzt das Unternehmen auf ein sogenanntes „OEM-agnostisches Modell“. Das bedeutet, dass sich das System – technologisch basierend auf der Rechenplattform von Nvidia – vergleichsweise einfach in bestehende Serienfahrzeuge integrieren lässt.
Dafür nutzt Autobrains Kameras, die an allen Seiten des Fahrzeugs verbaut werden. Laut Unternehmensangaben könne so jedes Elektroauto mit elektronischer Lenkung in ein autonom fahrendes Fahrzeug umgewandelt werden. Dadurch ließen sich Ressourcen sparen, weil keine komplett neuen Fahrzeuge mit teuren Sensorsystemen entwickelt und produziert werden müssten.
KI-Agenten sollen Rechenleistung sparen
Zwei der teuersten Komponenten beim autonomen Fahren sind das Sammeln von Trainingsdaten und die benötigte Rechenkapazität. Beides soll bei der Technologie von Autobrains mithilfe von KI-Agenten auf ein Minimum reduziert werden.
Dafür zerlegt das System das Fahren in viele kleine Teilaufgaben und übergibt diese jeweils an einen spezialisierten KI-Agenten. So ist beispielsweise ein Agent für die Geschwindigkeit zuständig, ein anderer für das Erkennen von Fußgängern und ein weiterer für das Einhalten von Vorfahrtsregeln.
Dieser Ansatz benötigt laut Unternehmensangaben deutlich weniger Rechenkapazität, als wenn ein übergeordnetes System alle Entscheidungen parallel treffen müsste. Gleichzeitig soll dadurch auch der Bedarf an Trainingsdaten sinken.
Vielversprechender Start in München
Gegenüber WELT sagte der Autobrains-Gründer Igal Raichelgauz, dass das Auto bereits bei seiner ersten Fahrt durch München keinen Eingriff vom Sicherheitsfahrer benötigt habe.
Bislang darf das Fahrzeug aber nur auf rund 40 Prozent der Stadtfläche fahren, zum Beispiel innerhalb des Mittleren Rings oder auf bestimmten Autobahnabschnitten. Diese Fläche soll jedoch schnell ausgeweitet werden. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 110 Kilometern pro Stunde.
Die behördliche Genehmigung für den kommerziellen Betrieb steht noch aus. Außerdem wurde noch nicht bekanntgegeben, welche Fahrzeugmarken zuerst eingesetzt werden sollen.
Für Uber hat die Partnerschaft mit Autobrains dennoch eine langfristig strategische Bedeutung. Unter Marktteilnehmern kursieren derzeit viele Sorgen, dass autonomes Fahren das Geschäftsmodell von Uber gefährden könnte. Mit seinen zahlreichen Partnerschaften rund um das Thema dürfte das Management versuchen, diese Sorgen zu entkräften.
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Häufig gestellte Fragen:
Wann sollen die autonomen Fahrzeuge von Autobrains in München starten?
Ein erstes Fahrzeug ist bereits mit Sicherheitsfahrer unterwegs. Ab Frühsommer 2027 soll der Betrieb vollständig autonom erfolgen.
Was unterscheidet Autobrains von Waymo?
Autobrains setzt nicht auf Spezialfahrzeuge mit teuren Sensoraufbauten, sondern auf Kameras, KI-Agenten und ein System, das sich in bestehende Serienfahrzeuge integrieren lassen soll.
Warum ist die Partnerschaft für Uber wichtig?
Autonomes Fahren gilt als mögliche Bedrohung für Ubers Geschäftsmodell. Mit Partnerschaften wie mit Autobrains versucht Uber, sich frühzeitig in diesem Zukunftsmarkt zu positionieren.
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