Die Krise am Golf lässt die Ölpreise am Freitag auf neue Rekordstände steigen. Noch gefährlicher für Europa könnten Unterbrechungen in der Versorgung mit Flüssiggas (LNG) aus Katar werden. Ein Stratege warnt vor einem „massiven“ Gaspreisschock. Besonders drei Branchen würden darunter leiden.
Europa könnte in den nächsten Wochen einen unangenehmen Déjà-vu-Moment erleben: Energie wird knapp, die Preise springen in die Höhe – und die Industrie zahlt die Rechnung. Auslöser ist der Iran-Krieg, der nun schon den siebten Tag andauert. Der Ölpreis für die Nordsee-Sorte Brent stieg am Freitag erstmals seit April 2024 auf 90 US-Dollar. Engpässe gibt es aber auch bei Gas. Joachim Klement, Chefstratege bei Panmure Liberum, warnt im US-Börsensender CNBC vor einem „massiven“ Gaspreisschock in Europa. Davon wären drei Sektoren ganz besonders betroffen: Autohersteller, Chemieerzeuger und die energieintensive Industrie.
Experte warnt vor Gaspreisschock
Der Knackpunkt ist die Schließung der Meerenge von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öl- und Gastransports läuft. Für Kontinentaleuropa ist das besonders heikel, weil die Industriestaaten dort relativ wenige eigene Vorkommen haben und inzwischen einen großen Teil ihres Erdgases als Flüssiggas (LNG) beziehen – einen Teil davon auch aus Katar. Wenn diese Lieferungen nun stocken, kann das die Preise in Europa sehr schnell nach oben treiben. Die Krise kommt laut Klement zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Europas Gasspeicher seien nach einem kalten Winter „nahezu leer“. Dass Katar gerade jetzt seine Lieferungen reduziert, macht einen Preissprung wahrscheinlicher.
Katars Energieminister warnt vor Ölpreis von 150 Dollar
Am Markt lässt sich die Nervosität bereits ablesen. Die europäischen Gas-Futures (TTF) notierten am Freitag bei rund 52,33 Euro je Megawattstunde, nachdem sie vor Beginn des Konflikts Ende Februar noch bei 31,96 Euro standen. Zwar hatten die Preise im Wochenverlauf auch schon höhere Niveaus gesehen, doch unterm Strich steuert LNG laut CNBC auf den stärksten Wochenanstieg seit Februar 2022 zu.
Bei Öl ist die Richtung ebenfalls klar nach oben. Brent sprang am Freitag um rund sieben Prozent auf 90,20 Dollar (Stand 6.3.26,15.20 Uhr) und markierte ein neues 52 Wochen-Hoch. Katars Energieminister Saad al-Kaabi sagte der Financial Times, der Ölpreis könne bei einer anhaltenden Blockade der Straße von Hormus in den kommenden Wochen sogar 150 Dollar je Barrel erreichen.
Für Anleger stellt sich die Frage: Welche Aktien sollte ich meiden, wenn Energie noch teurer wird? Energieintensive Branchen geraten typischerweise unter Druck, weil ihre Produktionskosten steigen, während sie Preiserhöhungen nicht immer sofort durchsetzen können. Das ist auch der Grund, warum der europäische Stoxx Europe 600 Automobiles & Parts Index am Freitag um fast ein Prozent und auch auf Wochensicht deutlich im Minus liegt. Das gleiche gilt für die Stoxx-Teilindizes für Chemie- und Industriewerte.
Wen es jetzt also angesichts vermeintlich günstiger Einstiegschancen schon in den Fingern juckt, der sollte noch mindestens bis Montag warten. Denn am Freitag gehen fast alle Investoren auf Nummer sicher aus Sorge vor weiteren schlechten Nachrichten am Wochenende.
Sollte sich der Ölpreis jedoch wieder entspannen, wären die oben genannten Sektoren natürlich die ersten Profiteure.
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