Das hatte den deutschen Leitindex Dax in der abgelaufenen Woche Richtung 13.000 Punkte getrieben, zwischenzeitlich kletterte er auf ein Rekordhoch von 12.951,54 Zählern.

Doch zuletzt entwickelten sich die fallenden Ölpreise zum Bremsklotz. Im Laufe der Woche war der Preis für die führende Nordseesorte Brent auf den tiefsten Stand seit November zurückgefallen, mit 44 Dollar war ein Fass zehn Dollar billiger als noch vor einem Monat. Das anhaltende Überangebot schürt am Aktienmarkt Sorgen vor einer schwächelnden Konjunktur. Vor allem die Nachfrage aus China bereitete den Investoren Kopfzerbrechen. Ein weiterer Preisrutsch könnte auch den Aktienmarkt nach unten ziehen, meint Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Es bestehe Ausverkaufsgefahr, sollte der Brent-Preis unter 41 Dollar fallen. Investoren gingen deshalb auf Nummer Sicher und machten Kasse. Auf Wochensicht lag der Dax am Freitagnachmittag mit 12.735 Punkten rund 0,2 Prozent im Minus.

Die schnellen Stimmungswechsel zeigten die Not vieler Vermögensverwalter, aus kleinsten Kursrücksetzern eine Extra-Rendite erwirtschaften zu müssen, erläutert Joachim Goldberg vom Analysehaus Goldberg & Goldberg. "Statt mittelfristig zu denken, scheinen sie immer kurzatmiger und hektischer zu agieren." Angesichts möglicher weiterer Allzeithochs bewegten sich die Investoren derzeit nach dem Motto "Zwei Schritte vor, einer zurück".

KONJUNKTUR IM FOKUS - LEICHTER IFO-RÜCKSETZER ERWARTET



In der neuen Woche rücken Konjunkturdaten wieder stärker in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Gleich zu Wochenbeginn steht der Ifo-Geschäftsklimaindex an. Analysten rechnen für Juni mit einem leichten Rückgang auf 114,4 von zuvor 114,6 Punkten. Das wäre angesichts des mittlerweile erreichten Niveaus gut zu verkraften, sagt Analyst Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. Im Vormonat hatte sich die Stimmung unter den Führungskräften der deutschen Unternehmen noch überraschend deutlich aufgehellt. In den USA stehen ebenfalls am Montag unter anderem die Aufträge langlebiger Güter im Terminkalender, die nach Analystenschätzungen leicht gesunken sein dürften.

Zum Wochenschluss dürften laut Commerzbank im Euroraum insbesondere die vorläufigen Juni-Verbraucherpreiszahlen für Aufsehen sorgen. "Denn die Teuerungsrate ist im ablaufenden Monat wohl - anders als von der EZB erhofft - weiter gefallen", hieß es in dem Wochenausblick der Bank. Gebremst werde der Preisanstieg in der zweiten Jahreshälfte durch die jüngste Aufwertung des Euro und die gesunkenen Rohölpreise. Spekulationen über eine Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank in 2018 dürften dadurch einen Dämpfer erhalten. Zu Wochenbeginn lauern Investoren bei der Rede von EZB-Chef Mario Draghi zum Auftakt eines mehrtägigen Notenbankseminars im portugiesischen Sintra bereits auf neue geldpolitische Signale.

ITALIEN ENTSCHEIDET ÜBER ZUKUNFT VON KRISENBANKEN



Auf Unternehmensseite bleibt die Lage bei den italienischen Banken im Fokus. Nach monatelangen Verhandlungen hofft die Krisenbank Popolare di Vicenza auf eine baldige Entscheidung zur Zukunft des Instituts. Die Großbank Intesa Sanpaolo hatte für gesunde Teile des angeschlagenen Geldhauses und des Konkurrenten Veneto Banca geboten. Populare di Vicenza und Veneto Banca ächzen unter einem Berg fauler Kredite und benötigen mehr als sechs Milliarden Euro frisches Kapital. Insidern zufolge steuert Italien auf eine Zerschlagung der beiden Institute zu.

Zudem warten Investoren am deutschen Aktienmarkt, ob die Börsengänge der Restaurant-Kette Vapiano am Dienstag und dem Lieferdienst Delivery Hero am Freitag wie geplant über die Bühne gehen.