AMS stellte in der Nacht zum Montag ein Angebot von 38,50 Euro je Aktie in Aussicht, zehn Prozent mehr als die laufende Offerte über 35 Euro von Bain und Carlyle. Osram kündigte eine Prüfung des Plans an. Bain und Carlyle äußerten sich zunächst nicht.

Am Frankfurter Aktienmarkt legte die Osram-Aktie um 11,7 Prozent auf 35,71 Euro zu und setzte sich damit an die Spitze im Nebenwerteindex MDax. Die in der Schweiz notierten AMS-Papiere verloren dagegen 8,7 Prozent.

Die Übernahme sei zwar strategisch sinnvoll und werde AMS zusätzliche Gewinne bescheren, schrieb Analyst Christian Sandherr vom Bankhaus Hauck & Aufhäuser. Da viele Großaktionäre aber über dem aktuellen Kurs bei Osram eingestiegen seien, werde AMS die Offerte eventuell nachbessern müssen. "Dem Osram-Vorstand wird es schwerfallen, dieses Angebot von vornherein zu verwerfen", sagte eine Person aus Aktionärskreisen. "Das ist schon ein ganzes Stück näher an einer fairen Bewertung."

Der Ball liegt nun im Feld von Osram-Chef Olaf Berlien, der den Aktionären das Angebot von Bain und Carlyle empfohlen und sich skeptisch zu bisherigen Avancen von AMS geäußert hatte. AMS hatte vor einigen Wochen bereits Interesse gezeigt, sich dann aber wieder zurückgezogen. Um den Aktionären ein offizielles Angebot unterbreiten zu dürfen, braucht AMS die Zustimmung von Osram. Das war die Bedingung dafür, dass die Österreicher einen Blick in die Geschäftsbücher von Osram werfen durften.

AMS will bis zum Donnerstag eine Antwort aus München haben. AMS-Chef Alexander Everke setzt darauf, Berliens Zweifel an der Tragfähigkeit seiner Finanzierung auszuräumen. Osram habe "in der Vergangenheit berechtigte Bedenken geäußert", sagte Everke am Montag. "Ich denke, mit dem Angebot, das wir ihnen gestern unterbreitet haben, haben wir auf alle ihre Bedenken geantwortet." Osram kündigte eine Prüfung des Vorhabens an. Der Münchner Lichttechnik-Konzern habe Unterlagen von AMS erhalten und werde sich nach deren Durchsicht dazu äußern, sagte ein Sprecher.

ÜBERNAHMEANGEBOT SOLL BIS 15. AUGUST VORLIEGEN


AMS stellte eine Stärkung des Osram-Standorts in Regensburg in Aussicht. "Wir wollen Teile der Produktion von Asien nach Deutschland übersiedeln", sagte AMS-Chef Everke. Der ehemalige Siemens-Manager will bis zum 15. August ein Übernahmeangebot vorlegen. Wenn Osram grünes Licht gibt, sei der Beginn der Angebotsfrist für den 5. September geplant. "Wir erwarten, dass wir im vierten Quartal diesen Jahres eine Aktionärsversammlung haben werden, um die Kapitalmaßnahme zu genehmigen", sagte Everke. Einen Abschluss erwartet er in der ersten Jahreshälfte 2020. Die Banken HSBC und UBS wollen den 4,2 Milliarden Euro schweren Deal finanzieren, einen Teil davon will AMS später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung ablösen, die von den Banken garantiert wird.

AMS erhofft sich von der Übernahme Einsparungen von 240 Millionen Euro im Jahr. "Wir verfolgen einen langfristigen Plan, der auf weiteren Investitionen und Wachstum basiert und den wir aus einer Position der Stärke heraus umsetzen können." Analysten machen sich seit längerem über die zu starke Abhängigkeit von AMS vom Großkunden Apple Sorgen. Zusammen mit Osram wäre die Autoindustrie mit 45 Prozent größter Umsatzbringer von AMS.

Der Chip-Hersteller interessiert sich vor allem für das Autozuliefer- und das Photonik-Geschäft von Osram. Nach einer Übernahme wollen die Österreicher im Osram-Werk in Regensburg neue Arbeitsplätze schaffen, indem die Produktion von "Front-End-LEDs" dort gebündelt wird. Ähnlich wie Bain und Carlyle sei auch AMS zu Standort- und Beschäftigungsgarantien bereit, hieß es in der Mitteilung. Am Osram-Sitz in München sollten "wichtige Funktionen" erhalten bleiben. Das Digital-Geschäft und das Verbraucher-Geschäft mit LED-Lampen soll nach den Vorstellungen von AMS aber verkauft werden. Bedingung für die Übernahme ist - wie bei Bain und Carlyle - dass mindestens 70 Prozent der Osram-Aktionäre ihre Papiere verkaufen.

Der größte Osram-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Allianz Global Investors, hatte die von Bain und Carlyle angebotenen 35 Euro als zu gering bezeichnet und angekündigt, die Offerte nicht anzunehmen.

rtr