SpaceX steht vor dem größten Börsengang der Geschichte. Doch wer nicht auf Elon Musk warten will, findet schon heute neben zahlreichen Satelliten-Aktien auch drei börsennotierte Unternehmen, die Raketen oder Mondlander bauen. Für Mutige.
Anfang April wurde eine vertrauliche IPO-Anmeldung bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Der prominente Absender: SpaceX. Es geht also tatsächlich los mit der Giga-Neuemission. Der Börsenprospekt soll Ende Mai folgen, die Roadshow bei Investoren startet voraussichtlich Anfang Juni, und der eigentliche Börsengang an der Nasdaq ist dann für Juni oder Juli geplant. Mit einer kolportierten möglichen Bewertung von bis zu 1,75 Billionen US-Dollar wäre es dann das größte Neu-Listing aller Zeiten. Zum Vergleich: Der geschätzte Jahresumsatz von SpaceX liegt bei rund 15 Milliarden Dollar, die angestrebte Bewertung entspricht also dem über 100-Fachen des Umsatzes. Spektakulär.
Details zum SpaceX-IPO
Spannend daran ist auch, dass Unternehmenschef Elon Musk die Kleinanleger nicht vergisst: Der für Privatanleger reservierte Anteil soll bei rund 30 Prozent liegen und damit dreimal so hoch ausfallen wie bei IPOs sonst üblich. Doch so spektakulär der Börsengang auch wird, ist er doch nur die Spitze eines viel breiteren Phänomens. Die Raumfahrtbranche erlebt gerade einen spektakulären Boom: 324 Raketenstarts Richtung Orbit gab es 2025, ein neuer Rekord. Zum Vergleich: 2015 waren es gerade einmal 86. In nur zehn Jahren hat sich die Zahl fast vervierfacht, und für 2026 zeichnen sich bereits 370 Starts ab: vorneweg natürlich die USA, die 2025 allein 193 Abflüge verzeichneten, gefolgt von China mit 93. Der Rest der Welt — Europa, Russland, Japan, Indien — kommt zusammen auf 40.
Hinter diesen Zahlen stehen indes nicht nur SpaceX und die Rakete Falcon 9, sondern ein komplexer und breiter Markt, mit einer Dynamik, die von zwei Seiten getrieben wird: von Regierungen einerseits und von großen Konzernen andererseits. Allein die staatlichen Raumfahrtbudgets erreichten 2025 weltweit einen Rekord von 137 Milliarden Dollar. Den Löwenanteil stellten auch dort die USA mit über 65 Milliarden Dollar, gefolgt von China mit geschätzt 19 Milliarden. Mehr als die Hälfte dieser Ausgaben lässt sich dabei dem Verteidigungsbereich zuordnen, da Raumfahrt längst kein reines Forschungsthema mehr ist, sondern ein strategischer Faktor nationaler Sicherheit.
Mehr Startkapazitäten, mehr Raketen
Auf der anderen Seite drängen die Tech-Konzerne mit Milliardensummen ins All. Wie ernst es ihnen dabei ist, zeigt sich bei Amazon, das gerade die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar für rund 11,6 Milliarden Dollar angekündigt hat. Amazon will damit sein eigenes Leo-Satellitennetzwerk um sogenannte Direct-to-Device-Fähigkeiten erweitern, also die Möglichkeit, Smartphones direkt über Satelliten zu verbinden, und so Elon Musks Starlink herausfordern. Apple, das selbst 20 Prozent an Globalstar hält und dessen Satelliten bereits für die Notruf-SOS-Funktion im iPhone nutzt, hat dem Deal schon zugestimmt.
Die Botschaft dahinter ist klar: Die Nachfrage nach Startkapazität steigt enorm, da allein für die Globalstar-Erweiterung Hunderte neuer Satelliten ins All gebracht werden müssen. Und jede einzelne dieser Nutzlasten braucht eine Rakete. Für Privatanleger, die an diesem Boom teilhaben wollen, stellt sich somit eine Grundsatzfrage: Woran genau will ich partizipieren? Bei einem ETF wie dem VanEck Space Innovators (WKN: A3DP9J) findet man zahlreiche Satellitenbetreiber und Telekom-Unternehmen — Planet Labs etwa, EchoStar, AST SpaceMobile, Viasat oder Globalstar. Das sind solide Geschäftsmodelle, aber letztlich Telekom-Aktien im Weltraum-Gewand. Die eigentliche Raumfahrt-Story, die SpaceX so faszinierend macht, spielt woanders: beim Transport. Wer baut die Raketen? Wer bringt die Nutzlasten in den Orbit? Und wer schafft es, auf dem Mond zu landen? Genau auf diese Fragen gibt es drei börsennotierte Antworten, die jede für sich eine eigene Facette des Markts abdeckt.
Rocket Lab ist dabei der Name, der in Gesprächen über die großen Raumfahrt-Gewinner fast immer zuerst fällt. Das von Peter Beck gegründete Unternehmen mit Hauptsitz in Long Beach, Kalifornien, und Startanlagen in Neuseeland hat sich zum zweiterfolgreichsten privaten Raketenstarter der Welt entwickelt. Die Electron-Rakete hat über 50 erfolgreiche Starts absolviert und bedient den boomenden Markt für kleine und mittlere Satelliten. Allein 2025 absolvierte Rocket Lab 21 Starts mit einer Erfolgsquote von 100 Prozent. Der Jahresumsatz kletterte auf 602 Millionen Dollar, für 2026 erwarten Analysten rund 880 Millionen Dollar, bei einem Auftragsbestand von 1,85 Milliarden Dollar.
Doch Beck denkt längst größer: Die Neutron-Rakete, ein wiederverwendbarer Mittelklasse-Träger, soll künftig direkt mit der Falcon 9 von SpaceX konkurrieren. Der Erstflug der Neutron ist derzeit für das vierte Quartal 2026 angesetzt, nachdem eine verlängerte Qualifikationsphase des Archimedes-Triebwerks den Zeitplan verschoben hatte. Rocket Lab will es so in das lukrativste Segment des Startmarkts schaffen: Regierungsaufträge vor allem, Konstellationsaufbau, perspektivisch sogar bemannte Missionen. Gleichzeitig ist dies aber auch das zentrale Risiko, denn die Kosten für die Entwicklung sind erheblich. Was Rocket Lab von Wettbewerbern unterscheidet, ist die vertikale Integration. Vom Triebwerk über die Satellitenplattform bis zur Missions-Software kontrolliert das Unternehmen fast die gesamte Wertschöpfungskette, ein Modell, das nicht zufällig an SpaceX erinnert. Das kommt auch an der Börse gut an. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten stark zugelegt (siehe Chart unten). An deutschen Börsen ist Rocket Lab über Tradegate, Börse Frankfurt und andere Handelsplätze gut handelbar, mit ausreichend Liquidität auch für größere Orders.
Mondlandung inklusive
Während Rocket Lab also den Weg von der kleinen Electron-Rakete nach oben ins lukrative „Mittelklasse-Segment“ anstrebt, hat Firefly Aerospace aus Cedar Park, Texas, von Anfang an eine zusätzliche Wette gewagt: nicht nur Raketen starten, sondern auch auf dem Mond landen. Das Unternehmen, das erst vor acht Monaten an die Börse kam und an der Nasdaq unter dem schönen Kürzel FLY notiert, hat mit der Alpha-Rakete einen Träger für kleine Nutzlasten im Programm, der sich im wachsenden Markt für kurz- und mittelfristig buchbare Starts positioniert. Dies ist ein Asset, das etwa zunehmend das US-Militär nachfragt.
Der eigentliche Paukenschlag gelang Firefly jedoch schon im März 2025, als der Blue-Ghost-Mondlander aufrecht und bilderbuchmäßig auf der Mondoberfläche aufsetzte — die erste vollständig geglückte private Mondlandung und zugleich die erste erfolgreiche aufrechte amerikanische „Weichlandung“ seit den Apollo-Missionen. Damit hat Firefly in einem einzigen Schritt bewiesen, dass es nicht nur Raketen starten, sondern auch komplexe Landemissionen auf anderen Himmelskörpern durchführen kann. Weil man also sowohl „Launch“ als auch „Lunar Delivery“ aus einer Hand anbieten kann, spielt Firefly damit in einer Liga, die eigentlich SpaceX für sich reklamiert — mit dem Unterschied, dass Musks Unternehmen bislang noch keine erfolgreiche Mondlandung durchgeführt hat. Aber das ist wohl nur eine Frage der Zeit.
Spannend ist auch, dass Firefly ähnlich wie Rocket Lab mit der Entwicklung der neuen MLV-Rakete ebenfalls perspektivisch ins lukrative Mittelklasse-Segment aufsteigen will. Das soll den Umsatz anschieben, der für 2026 bei 420 bis 450 Millionen Dollar liegen soll bei einem Auftragsbestand von 1,4 Milliarden Dollar.
Die NASA als Kooperationspartner
Beim Thema Mondlandung schließt sich der Kreis zu Intuitive Machines aus Houston, Texas. Dem Unternehmen gelang es noch vor Firefly im Februar 2024, mit dem Odysseus-Lander als erstem privaten Raumfahrzeug auf dem Mond aufzusetzen. Allerdings mit dem Makel, dass der Lander dabei auf die Seite kippte, weshalb die Mission nur als Teilerfolg gilt. Das Geschäftsmodell der Texaner ist eng mit dem Artemis-Programm der NASA verknüpft, jenem ambitionierten Vorhaben, das in den kommenden Jahren eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond schaffen soll.
Artemis ist dabei weit mehr als ein Prestigeprojekt: Es ist ein regulatorischer und finanzieller Rahmen, der über Jahre hinweg Aufträge verankert und damit Planungssicherheit für Zulieferer schafft. Gut für Intuitive Machines, deren Mondlandefähren so konzipiert sind, dass sie wissenschaftliche Instrumente und kommerzielle Nutzlasten transportieren können. Jüngst sicherte man sich einen weiteren NASA-Auftrag über 180 Millionen Dollar, was die Rolle als bevorzugter Mond-Logistiker untermauert. Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen an autonomen Navi-Systemen und an einer Kommunikationsinfrastruktur rund um den Mond. Der Clou: Intuitive Machines positioniert sich nicht als einmaliger Missionsanbieter, sondern als dauerhafter Infrastruktur-Dienstleister für die entstehende Mondwirtschaft. Wenn Artemis liefert, was politisch gewollt und budgetiert ist, wäre Intuitive Machines einer der zentralen Zulieferer.
Wer nicht nur auf Raketenbauer und Mondlander schaut, sondern fragt, wer eigentlich den Sprit und die Triebwerke liefert, stößt schnell auf zwei weitere Namen. L3Harris Technologies hat 2023 mit Aerojet Rocketdyne den größten amerikanischen Hersteller von Raketentriebwerken übernommen und ist damit Hauptlieferant für Antriebssysteme bei praktisch jedem großen US-Raketenprogramm. Northrop Grumman wiederum baut die Feststoffbooster für die NASA-Schwerlastrakete SLS und betreibt mit eigenen Trägern Versorgungsflüge zur Internationalen Raumstation. Beide sind allerdings riesige Mischkonzerne, bei denen Raketenantrieb nur ein Teil des Geschäfts ist.
Fazit
Der SpaceX-IPO rückt die ganze Branche ins Scheinwerferlicht. Rocket Lab, Firefly und Intuitive Machines sind Aktien, die am nächsten an dieser Geschichte dran sind, als Alternativen für alle, die nicht nur auf einen Namen setzen wollen. Wegen hoher Volatilität, etwas weitere Stopp-Kurse setzen.