Rückenwind von Goldman Sachs, neue Drohnenfantasie und wieder freundlichere Märkte treiben Rheinmetall an. Doch im März meldeten sich auch skeptische Analysten zu Wort und die Charttechnik spricht ebenfalls Bände.
Die Rheinmetall-Aktie legt wieder spürbar zu. Am Mittwoch half zunächst die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten. Dazu kamen zwei Kurstreiber: Goldman Sachs nahm den DAX-Titel in die „Conviction List“ auf, und aus Berlin kommt frische Fantasie für einen großen Auftrag im Bereich Loitering Munition.
Goldman und Drohnenauftrag treiben die Aktie
Goldman-Sachs-Analyst Sam Burgess traut Rheinmetall weiter viel zu und ruft ein Kursziel von 2.300 Euro aus. Damit signalisiert die US-Bank selbst nach dem jüngsten Sprung noch erhebliches Potenzial. Zusätzlichen Schwung liefert ein Bericht über neue Bundeswehrpläne: Das Verteidigungsministerium will laut „Spiegel“ weitere Loitering Munition beschaffen. Rheinmetall könnte in einem ersten Schritt einen Auftrag über knapp 300 Millionen Euro erhalten. Dabei geht es um Bodenstationen, Flugkörper, Anleitungen und Simulatoren. Später könnte daraus sogar ein Rahmenvertrag mit einem Volumen von 2,39 Milliarden Euro entstehen. Für die endgültige Qualifikation muss Rheinmetall allerdings bis Ende April 2027 noch offene Anforderungen erfüllen.
Im März häuften sich aber auch vorsichtigere Töne
Trotz der frischen Dynamik lohnt der Blick auf die Gegenstimmen. Rheinmetall steigerte 2025 den Umsatz auf 9,9 Milliarden Euro und baute den Auftragsbestand auf 63,8 Milliarden Euro aus. Für 2026 stellt der Konzern 14 bis 14,5 Milliarden Euro Umsatz in Aussicht. Gerade nach den Jahreszahlen mehrten sich aber kritische Einordnungen. Warburg blieb bei „Hold“ und 1.700 Euro, weil die Zahlen die sehr hohen Erwartungen nicht ganz erreichten. Jefferies kappte das Ziel auf 2.020 Euro und verwies auf ein schwächeres viertes Quartal. mwb Research sieht durch das Nammo/Diehl-Joint-Venture mehr Konkurrenz im deutschen Munitionsmarkt. Citi stieg sogar nur mit „Neutral“ und 1.480 Euro ein. Die Aktie springt heute also zwar an – sie muss den skeptischeren Blick auf die Bewertung und den Wettbewerb aber erst wieder abschütteln.
Charttechnik der Rheinmetallaktie ist bemerkenswert
Auch aus dem Chartbild ist gut ersichtlich, dass sie sich die Rheinmetall-Aktie (ISIN: DE0007030009) an einem Scheidepunkt befindet:
Für eine anstehende Aufwärtsbewegung sprechen:
- eine sich abzeichnende "Outside"-Woche, die gleichzeitig ein sog. „bullisches Engulfing“ darstellen würde (orange Markierung in der nachfolgenden Darstellung). Die statistische Zuverlässigkeit liegt bei 75, bzw. 67 Prozent.
- dass – ebenfalls auf Wochenbasis, also mit mittelfristiger Ausrichtung, betrachtet – die Stochastik soeben den überverkauften Bereich verlassen hat und der MACD eine Abnahme der bärischen Bewegung anzeigt (allerdings noch ohne bullisches Cross).
- Die Marken von 1.500 Euro und rund 1.480 Euro bieten dem Kurs Unterstützungsbereiche.
Vor zu großem Optimismus warnende Anzeichen gibt es allerdings auch:
- Noch könnte sich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausbilden; der Wochenchart zeigt dies schön: symmetrische Schultern (Juni 2025 und Januar 2026), dazwischen der Kopf (Ende September 2025), allerdings ohne perfekt lehrbuchmäßige Umsatzentwicklung. Signifikant unter der sog. „Nackenlinie“ (untere blaue Linie in der nachfolgenden Darstellung) liegende Schlusskurse würden diese Formation vollenden und wahrscheinlich einen Abverkauf nach sich ziehen.
- Der Tageschart weist seit Mitte Januar 2026 mehrere Zwischenhochs auf, die jeweils tiefer lagen als die vorangegangenen, was für einen (beginnenden) Abwärtstrend charakteristisch ist.
- Es gibt diverse über dem aktuellen Kurs liegende Widerstände. Insbesondere die 50-, 100- und 200-Tage-Linien (derzeit bei 1.595, bzw. 1.639 und 1.599 Euro stehend) sowie die 50-Wochen-Linie (derzeit bei 1.547 Euro liegend).
Fazit
Bei Rheinmetall scheiden sich derzeit nicht nur die Geister der Analystenszene, auch aus Sicht der Charttechnik haben wir derzeit weder Fisch noch Fleisch. Wer jetzt einsteigen möchte, muss sich der damit verbundenen Risiken bewusst sein – und darf im besten Fall aber auch auf einen satten Kursanstieg hoffen.
Anleger, die nicht auf Einzelaktien setzen wollen, werden vermutlich mit dem «Stabile Werte Index» glücklicher.
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Häufige Fragen zu Rheinmetall:
Gehört Rheinmetall zu den regelmässigen Dividendenzahlern?
Ja, Rheinmetall hat in den letzten Jahren stets Dividenden ausbezahlt. Die Dividendenrendite betrug zwischen einem und vier Prozent.
Wie hoch ist die aktuelle Dividendenrendite?
Beim heutigen Kurs von rund 1.515 Euro beträgt die Dividendenrendite magere 0,59 Prozent.
Wie hoch ist momentan das KGV der Rheinmetall-Aktie?
Dieses beträgt aktuell schwindelerregende 93,88. Es ist also schon relativ viel Zuversicht eingepreist.
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