Der Relative-Stärke-Index (RSI) zählt zu den beliebtesten technischen Indikatoren und hilft Anlegern, überkaufte oder überverkaufte Marktphasen zu erkennen und dementsprechend zu handeln.
Entwickelt wurde er von J. Welles Wilder, der den RSI als Oszillator konzipierte: Er misst das Verhältnis der durchschnittlichen Aufwärts- zu den Abwärtsbewegungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums, meist 14 Tage. Die Formel normalisiert diese Werte anschließend auf eine Skala von 0 bis 100. Dadurch versucht man zu ermitteln, ob ein Markt kurzfristig überhitzt oder übertrieben pessimistisch ist. Besonders wichtig sind beim RSI die Marken 30 und 70.
Fällt der Wert unter 30, spricht man von einer überverkauften Situation. Dies stellt lediglich einen Hinweis über die aktuell negative Marktstimmung, aber noch kein technisches Kaufsignal dar. Dieses entsteht nämlich erst, wenn die Marke von 30 überschritten wird. Steigt der RSI hingegen über 70, gilt der Markt als überkauft und liefert dadurch einen Hinweis über eine stark positive Marktstimmung. Hier würde ein Verkaufssignal erst dann entstehen, wenn die Marke von 70 Prozent unterschritten wird.
Für Seitwärtstrends besonders gut geeignet
Relativ gut funktioniert der RSI in seitwärts tendierenden Marktphasen, in denen Kurse wiederholt in ihre Extremzonen laufen und anschließend eine Gegenbewegung vollziehen. In solchen Umgebungen kann der RSI zuverlässige Wendepunkte markieren. Weniger gut eignet sich der Timingindikator dagegen bei starken Aufwärts- oder Abwärtstrends. Dort kann ein RSI über 70 nämlich lange Zeit überkauft bleiben, während der Kurs trotzdem weiter steigt. Ebenso kann ein RSI unter 30 in einem Abwärtstrend über längere Zeit verharren, ohne dass eine nachhaltige Erholung folgt. Anleger, die diese Extremwerte fälschlicherweise als automatisches Signal verstehen, riskieren daher Fehlsignale und daraus resultierende Verluste.
Wichtig ist zudem, den RSI immer im Marktkontext zu interpretieren: Läuft ein dynamischer Aufwärtstrend, kann ein überkauftes Signal eher als Zeichen für Stärke gewertet werden – nicht zwingend als Anlass zum Verkauf. Umgekehrt können überverkaufte Situationen in einem Bärenmarkt darauf hindeuten, dass der Verkaufsdruck zwar hoch bleibt, aber keine echte Trendwende bevorsteht. Viele Anleger nutzen daher zusätzlich die Analyse von Unterstützungs- und Widerstandszonen oder kombinieren den RSI mit gleitenden Durchschnitten, um die Aussagekraft zu erhöhen.
Beim RSI auf Divergenzen achten
Ein weiterer Punkt betrifft Divergenzen: Zeigen Kurs und RSI unterschiedliche Richtungen, kann dies auf eine bevorstehende Trendumkehr hindeuten. Steigt etwa der Kurs auf ein neues Hoch, während der RSI ein tieferes Hoch bildet, spricht man von einer negativen Divergenz. Solche Signale gelten als besonders wertvoll, da sie Schwächesymptome früh anzeigen können.
Insgesamt ist der RSI ein vielseitiges Werkzeug, das Anlegern hilft, Marktübertreibungen und mögliche Wendepunkte zu erkennen. Entscheidend ist jedoch, ihn nicht mechanisch anzuwenden, sondern stets in Verbindung mit Trendrichtung, Volumen und weiteren technischen oder fundamentalen Faktoren zu betrachten. Wer diese Regeln berücksichtigt, kann den RSI zu einem wertvollen Bestandteil seiner Handelsstrategie machen.
Bei der Aixtron-Aktie (siehe unten) hat der Timingindikator RSI in den vergangenen zwölf Monaten relativ gut funktioniert. Vor allem das Kaufsignal im April erwies sich im Nachhinein als ausgesprochen rentabel. Auf die Verkaufssignale Anfang Juli und Ende September erfolgten ebenfalls signifikante Kursrückschläge.
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