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Sammelklagen: Wie Anleger daran verdienen

Sammelklagen: Wie Anleger daran verdienen

WKN: A0YC5B ISIN: GG00B4L84979 Burford Capital Limited

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21.05.2019 - 13:56
02.03.2019 04:10:00

Justiz: Der nächste Glyphosat-Prozess gegen Bayer steht an. Von solchen Verfahren profitieren Finanzfirmen wie Burford Capital. Von Nele Husmann

Seit Montag, dem 25. Februar, richten sich die Augen deutscher Anleger wieder auf einen Gerichtssaal in Kalifornien. Angesetzt ist der zweite Prozess, in dem ein Krebskranker den deutschen Chemie- und Pharmariesen Bayer verklagt. Sein Name: Edwin Hardeman. Sein Vorwurf: Die jahrelange Verwendung des Pflanzenvernichtungsmittels Roundup der frisch übernommenen US-Bayer-Tochter Monsanto habe seinen Krebs verursacht.



Insgesamt erwartet Bayer gut ein halbes Dutzend Fälle im Jahr 2019. Und das ist erst der Anfang. Allein Richter Vince Chhabria, der den Hardeman-Fall in San Francisco verhandelt, hat weitere 620 von insgesamt 9300 Fällen in Sachen Glyphosat auf dem Schirm.


Wie wichtig diese Klagen für die Zukunft von Bayer - und die Aktionäre - sind, zeigt sich daran, dass kleinste Details, etwa welche Art von Dokumenten als Beweismittel zulässig sind, den Kurs steigen oder fallen lassen. So verlor die Bayer-Aktie im vergangenen Jahr mehr als 31 Prozent, nicht zuletzt wegen des ersten Prozesses in Sachen Glyphosat, dem Wirkstoff in Roundup. Im vergangenen Jahr hatte die Jury dem Krebskranken Dewayne Johnson zunächst 289 Millionen Dollar Schadenersatz zuerkannt, die der Richter später auf 78 Millionen senkte. Der Fall ist jetzt in Revision. Wie das Gericht in der nächsten Instanz die Vorwürfe einstuft oder ob gar der Supreme Court, der oberste US-Gerichtshof, eine Grundsatzentscheidung treffen wird, steht in den Sternen. Nur eines steht fest: Es wird Jahre dauern, bis Klarheit herrscht. Statt auf Bayer können Anleger auch auf die Gegenseite setzen. Von den Prozessen profitieren bei Weitem nicht nur die Kläger. Rechtsanwälte vertreten die Opfer in solchen Schadenersatzklagen gegen Großkonzerne kostenlos - gegen einen erheblichen Anteil an den im Erfolgsfall erstrittenen Geldern. Inzwischen werden die Anwälte wiederum von Firmen finanziert, die auf solche Fälle spezialisiert sind. Gegen eine Erfolgsprämie von bis zu einem Viertel der zugesprochenen Urteilssummen spekulieren Prozessfinanzierer und Hedgefonds auf solche Mammutverfahren. Drei davon sind börsennotiert.

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Der größte und aussichtsreichste sogenannte Third Party Litigation­Finanzier heißt Burford Capital. Das Unternehmen sitzt in New York und ist an der Londoner Börse notiert. Die Aktie wird auch in Deutschland gehandelt, der Kurs kannte lange nur eine Richtung: steil nach oben. In den vergangenen fünf Jahren kletterte die Notierung um 1300 Prozent, um dann - gemeinsam mit den meisten britischen Aktien - wegen der Sorge vor einem ungeordneten Brexit aus der EU nachzugeben. Aber Burford trägt kaum ein Brexit­Risiko, weil sich das Unternehmen hauptsächlich an Prozessen in den USA beteiligt. Noch ist unklar, ob sich in den Glyphosat­Klagen gegen Bayer bereits große Prozessfinanzierer auf der anderen Seite positioniert haben. Die Branche ist äußerst diskret. Es handelt sich um ein neues Geschäftsmodell, das in Großbritannien und Australien seit Ende der 90er­Jahre rechtlich zugelassen ist und in den USA aktuell großen Zulauf findet. Rund vier Milliarden Dollar Kapital haben Prozessfinanzierer aktuell für Investments in neue Sammelklagen bereitliegen. Allein Branchenprimus Burford Capital sammelte erst gerade 1,6 Milliarden Dollar frische Mittel von institutionellen Investoren ein. Insgesamt ist die Branche allein in den USA zehn Milliarden Dollar schwer. 2017 gab bereits ein Drittel aller Anwaltskanzleien in einer Umfrage an, die Angebote von Prozessfinanzierern zu nutzen - eine Verdreifachung dieser Quote innerhalb von nur vier Jahren.



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Bildquelle: Bayer AG, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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