Gegen Mittag gewannen 1&1 Drillisch an der SDAX-Spitze 4,2 Prozent auf 21,16 Euro. Zeitweise gelang es ihnen sogar, die 200-Tage-Linie zu durchstoßen, die aktuell bei rund 21,23 Euro liegt. Sie signalisiert charttechnisch interessierten Anlegern den längerfristigen Trend der Aktie.

United Internet waren zugleich Favorit im MDAX: Die Anteile des mit etwas mehr als 75 Prozent an 1&1 Drillisch beteiligten Mutterunternehmens stiegen um 4,4 Prozent auf 35,65 Euro. Ihnen gelang damit mühelos der Sprung über die 200-Tage-Linie, die aktuell bei 34,44 Euro verläuft.

Die Papiere der Konkurrentin Telefonica Deutschland zogen um 1,9 Prozent auf 2,315 Euro an und stießen so von unten an die 21-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend. Diese gleitende Durchschnittslinie stellt aktuell nach wie vor einen Widerstand da, den es Charttechnikern zufolge zu überwinden gilt, damit der Weg für die Aktie weiter nach oben frei wird.

Die Freenet-Aktie (freenet), die im Schlepptau der drei um 1,6 Prozent auf 17,44 Euro zulegte, kämpft indes aktuell nun mit der 90-Tage-Linie. Diese Durchschnittslinie, die den mittelfristigen Trend signalisiert, verläuft für Freenet momentan bei 17,34 Euro.

Ein Händler sprach mit Blick auf das aktuelle finale Schiedsgutachten von einem "laufenden Kampf" zwischen 1&1 Drillisch und Telefonica Deutschland, der mit diesem Schiedsspruch längst nicht zu Ende sei. Dass der Schiedsgutachter Ergebnis und Berechnungsmethode seines Entwurfs vom 8. Oktober bestätigt habe, sei positiv für Drillisch und United Internet und zunächst einmal negativ für Telefonica Deutschland.

Ein Analyst nannte die aktuellen Nachrichten dagegen recht unspannend. Es gebe in der Angelegenheit so viele Schiedsgutachten. Dabei sei das aktuell im Fokus stehende eines der unwichtigen. "Diejenigen, die die Gewinnwarnungen ausgelöst haben, sind die zentralen. Wenn es zu denen positive Neuigkeiten gäbe, würden die Aktien weitaus kräftiger anziehen."

In dem aktuell beschiedenen Streit ging es darum, dass Telefonica Deutschland 2018 nachträglich ihre Gebühren für den von ihr gewährten Netzzugang im Zeitraum 2016 bis 2020 erhöhen wollte. Die damals geltend gemachte Preisanpassung wurde nun in einem finalen Gutachten für unberechtigt erklärt.

1&1 Drillisch seinerseits fordert zugleich von Telefonica Deutschland noch rückwirkend erhebliche Nachlässe der Vorleistungspreise. Die wiederum hält Telefonica Deutschland laut einer eigenen Mitteilung für unberechtigt. Zudem blickt das Unternehmen selbstbewusst auf die kommenden Jahre. Das Gutachten, so informiert die Telefonica Deutschland, spreche ihr ausdrücklich die Berechtigung zu, ab 2021 eine Beteiligung von 1&1 Drillisch an den Kosten für die Spektrumsauktion 2015 auf Basis des Gutachtens jährlich überprüfen zu lassen.

dpa-AFX