Ein neues Gesetz und Versicherungsmöglichkeiten treiben die Kurse der Unternehmen an. Zusätzlich sorgt der Rausch bei Datenzentren für eine hohe Nachfrage nach grundlastfähigem grünem Strom.
Prestigeträchtig und erfolgreich: Im Rahmen eines Generalunternehmerauftrags führte das Bohrunternehmen Daldrup & Söhne für den DAX-Konzern MTU zwei jeweils rund 3.300 Meter tiefe Geothermiebohrungen am Standort München durch und errichtete die nötige Infrastruktur. Die Anlage liefert mittlerweile einen Großteil der Prozess- und Raumwärme. Der Auftragswert belief sich auf etwa 17 Millionen Euro. Weitere Vorhaben sind in Vorbereitung — auch, weil die Region geologisch günstige Bedingungen für Geothermie biete. Im Süden von Deutschland liegt das „Bayerische Molassebecken“, besonders rund um München und das Alpenvorland. In dieser Region gibt es in relativ geringer Tiefe sehr warme, wasserführende Gesteinsschichten.
Aktuell stehen die Westfalen vor sieben Tiefengeothermiebohrungen an den Standorten Pullach Süd und Baierbrunn, mit der Option auf bis zu drei weitere Bohrungen. Daldrup & Söhne wird über einen Zeitraum von rund zweieinhalb Jahren Bohrungen mit Tiefen von bis zu 5.100 Metern vornehmen. Es werden hohe Wassertemperaturen zwischen 122 und 142 Grad Celsius erwartet, die zur umweltfreundlichen und klimaneutralen Wärmeversorgung beitragen sollen. Für Daldrup ist es das größte Einzelprojekt der Unternehmensgeschichte. Der voraussichtliche Auftragswert soll im oberen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen. Laut Andreas Tönies, Vorstandsvorsitzender von Daldrup & Söhne, ist das Projekt ein klares Signal für die zunehmende Wirtschaftlichkeit der Tiefengeothermie in Deutschland.
Vieles hat sich Ende 2025 für die Geothermie geändert, seit der Bundestag das Geothermie-Beschleunigungsgesetz (GeoBG), verabschiedet hat: Genehmigungen verlaufen schneller, Priorisierungen wurden festgeschrieben. Innerhalb von zwölf Monaten müssen nun berg- und wasserrechtliche Genehmigungen für Tiefengeothermieanlagen erteilt werden. Früher hat dies teilweise Jahre gedauert. Erdwärme ist seitdem gleichgestellt mit Wind und Solar. Für Kommunen wird Geothermie zur nationalen Aufgabe und von Förderbanken wie der KfW explizit begrüßt. Was bislang das größte Hemmnis war, das sogenannte Fündigkeitsrisiko, ist jetzt abgesichert. Kommunen und Betreiber können das Risiko sogenannter trockener Bohrungen nahezu komplett über Versicherungen und KfW-Garantien abfedern. Die KfW startete mit Munich Re und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) eine neue Förderung für den Ausbau der Tiefengeothermie zur kommunalen und industriellen Wärmeversorgung.
Diese Dynamik stellt Firmen wie Daldrup & Söhne nun in einem ganz neuen Licht dar. Der Spezialist für Tiefenbohrungen konnte sich bislang schon nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Durch die neue Gesetzgebung hat das Pendel nun erst recht in Richtung der Westfalen ausgeschlagen. Projekte können schneller umgesetzt werden, die finanziellen Risiken für Auftraggeber werden geringer und deswegen attraktiver. „Dies könnte sich bis 2030 in einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Geothermieprojekten in einer Größenordnung von 100 bis 200 Prozent widerspiegeln“, so CEO Tönies. Bereits in der ersten Jahreshälfte 2025 lief es sehr gut. Die Ebit-Marge kletterte von 10,2 auf 12,8 Prozent. Der Auftragsbestand lag per Ende August 2025 mit 140 Millionen Euro auf Rekordniveau. „Wir haben unsere Profitabilität deutlich gesteigert und gleichzeitig die Basis für weiteres Wachstum geschaffen“, sagt Tönies. In diesem Geschäftsjahr soll der Umsatz um rund zehn Prozent zulegen, die Marge könnte ebenfalls leicht klettern. Ziel ist es, künftig eine deutliche Schippe draufzulegen.
Größere Projekte erwartet
Geht es nach dem CEO, könnte die Zeit der kleinen Einzelprojekte vorbei sein. Die Wärmewende verlange Allianzen zwischen Kommunen, privaten und institutionellen Vorhabensträgern. Das Pullach-Projekt bei München wird mit bis zu zehn Bohrungen an zwei nahe gelegenen Standorten ein Paradebeispiel für die neue Größe und Effizienz.
„Berücksichtigt man das Geothermie-Beschleunigungsgesetz und die KFW-Finanzierung mit Fündigkeitsabsicherung, wird der Bereich mittel- und tiefe Geothermie in mittelbarer Zukunft wachsen, und die Bohranlagenverfügbarkeit kann zu einem Engpass werden“, sagt Tönies. Für Bohrtiefen bis etwa 6.500 Meter beträgt die Lieferzeit der Geräte derzeit 15 bis 18 Monate. Ein Bohrer kostet einen zweistelligen Millionenbetrag. Um das weitere Wachstum zu ermöglichen, sind neben dem Neuerwerb von Bohranlagen auch strategische Partnerschaften mit ausländischen Bohrunternehmen aus dem Öl- und Gassektor möglich. Der Aktienkurs von Daldrup hat sich zwar innerhalb eines halben Jahres verdoppelt, mittelfristig könnten aber noch deutlich höhere Kurs drin sein. Weil in diesem Segment viel Erfahrung gefragt ist, kommt an dem Unternehmen kaum jemand vorbei. Seit knapp 80 Jahren bohrt es in die Tiefe.
Zusätzlich zur Wärmewende profitiert es von den Förderprogrammen für Infrastrukturmaßnahmen. Überall dort, wo Gleise, Brücken, Tunnel oder Lärmschutzanlagen gebaut werden sollen, müssen Baugrundgutachten erstellt werden. Kunden sind vor allem Kommunen, Autobahngesellschaften oder die Deutsche Bahn. Auch bei der Suche nach Endlagerstätten für Atommüll hat Daldrup für die Nagra, die Nationale Gesellschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle der Schweiz, tief gebohrt. Letztlich ist das Unternehmen sehr gut aufgestellt und mit einer EK-Quote von knapp 70 Prozent solide finanziert. Wir erhöhen Stopp- und Zielkurs.
Reine Geothermie-Unternehmen gibt es weltweit nicht viele. Eines davon ist der israelische Konzern Ormat Technologies. Wie der deutsche Bohrdienstleister Daldrup erschließt er unterirdische Wärme mit Bohrungen. Allerdings wandelt er diese in Kraftwerken in Strom um, der dann über das Netz an große Verbraucher geht. In mehr als 30 Ländern ist der Konzern tätig. Im Unterschied zu Wind und Solar ist der Strom aus Geothermieanlagen grundlastfähig, also 24 Stunden, sieben Tage in der Woche verfügbar. Eine Eigenschaft, die diesen nachhaltigen Strom mit heißem Wasser aus der Tiefe auch für Betreiber von Datenzentren interessant macht. Die zunehmende Zahl neuer KI-Rechenzentren treibt vor allem in den USA die Stromnachfrage nach oben.
Erstmals hat Ormat Anfang des Jahres einen direkten Stromliefervertrag mit einem Betreiber von Rechenzentren abgeschlossen. Das sogenannte Power Purchase Agreement (PPA) mit dem US-Datacenter-Betreiber Switch sichert die Versorgung von Rechenzentren mit rund 13 Megawatt Leistung. Aus dem Geothermie-Kraftwerk Salt Wells im US-Bundesstaat Nevada soll der Strom ab dem ersten Quartal 2023 fließen. Ormat plant, künftig weitere Stromlieferverträge nach diesem Modell abzuschließen. Aus dem aktuell bestehenden Kraftwerksportfolio sieht Ormat Potenzial für mehr als 100 Megawatt, um neue Verträge in der Art zu vergeben. Analysten von Barclays und JP Morgan zufolge verhandelt Ormat aktuell über rund 250 Megawatt an Stromabnahmeverträgen. Sie gehen auch davon aus, dass neue Verträge zu deutlich besseren Konditionen abgeschlossen werden können. Lagen die PPA-Preise zwischen 2018 und dem Jahr 2021 zwischen 60 und 70 Dollar, gehen die Experten nun von einer Größenordnung von mehr als 100 Dollar pro Megawattstunde aus. Gleichzeitig gibt es in Nevada durch den Zuzug von Datenzentren Netzengpässe. Saubere Grundlast ist knapp, und es gibt strikte Anforderungen für erneuerbare Energie. Bis 2030 soll diese dort bereits 50 Prozent ausmachen.
Auch die Aktie von Ormat ist zuletzt stark gelaufen und steht nahe des Allzeithochs. Sicher: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 48 ist der Titel hoch bewertet. Allerdings profitiert Ormat vom Datencenter-Goldrausch, und das wird sich so schnell nicht ändern. Zudem dürften die Strompreise aufgrund der Versorgungsknappheit mit grundlastfähigem, regenerativem Strom weiter in die Höhe schießen und Ormat stark davon profitieren. Fantasie kommt zusätzlich durch eine Beteiligung am Start-up Sage Geosystems, das heiße Gesteine zur Stromerzeugung erschließt. Es gehört zu den führenden Firmen mit innovativer Technologie, um Energie aus dem Untergrund zu gewinnen. Noch ist man dort in einem frühen Stadium, die Aussichten sind jedoch gut.
Wer es noch etwas spekulativer mag, richtet den Blick auf die Aktie von Nabors Industries. Der Bohrdienstleister stellt Bohranlagen, Crews und Technik bereit, um für Kunden zu bohren. Diese kommen vor allem aus der Öl- und Gasindustrie. Nabors bietet jedoch auch zusätzliche Leistungen an, die die Produktivität und die Sicherheit erhöhen. Weiter entwickeln wollen sich die US-Amerikaner vor allem im Segment der „grünen Technologie“, indem Emissionen gesenkt werden oder in angrenzende Märkte investiert wird. Perspektivisch kann dies Geothermie-Bohrungen einschließen. Der Konzern ist zwar noch hoch verschuldet, im dritten Quartal stand aber ein Nettogewinn von 302,5 Millionen US‑Dollar, nach –33,1 Millionen im Vorjahresquartal — getrieben vor allem von der Veräußerung eines Firmenteils. Das Geschäft könnte jedoch weiter anziehen, Der Aktienkurs hat bereits nach oben gedreht.
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Hinweis auf Interessenskonflikte: Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Daldrup.