Mit dieser Strategie fährt die von ihm geleitete Investmentfirma Sterling Strategic Value Fund gut. Im Februar hatte die Redaktion an dieser Stelle Sterlings Investment in den Autozulieferer Leoni vorgestellt. Hier hatte Sterling Ende des Jahres mehr als drei Prozent gekauft. Mittlerweile hat die Aktie das Ziel erreicht, und Sterling ist mit einem Gewinn von über 40 Prozent ausgestiegen.

Nicht aussteigen will Pedrazzini bei SHW. Am deutschen Automobilzulieferer hat Sterling einen Anteil von 13,9 Prozent aufgebaut und ist damit größter institutioneller Investor. Das Unternehmen stellt Pumpen und Motorenkomponenten sowie Bremsscheiben her. Beliefert werden Fahrzeughersteller, aber auch die Industrie. Die Entwicklung des Unternehmens ist gekennzeichnet durch starke Zyklen. 2016 etwa musste ein Umsatzrückgang verkraftet werden.

Hohe Umsatz- und Gewinnreserven



SHW erwirtschaftet insbesondere im Segment Pumpen hohe Margen. Und das hat offensichtlich Begehrlichkeiten geweckt. Das österreichische Konglomerat Pierer Industries hat ein Übernahmeangebot vorgelegt. Die Gesellschaft des Industriellen Stefan Pierer, die einen Anteil von 18,92 Prozent gemeldet hat, bietet 35 Euro pro Aktie. Das Übernahmeangebot läuft noch bis 8. August. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass Pierer kaum Stücke erhalten wird.

Der Kurs notiert jedenfalls über dem Gebot, ein Hinweis, dass die Investoren den Preis für zu niedrig erachten. Das gilt auch für Pedrazzini. "Wir werden das Angebot nicht annehmen", sagt er. Verständlich: SHW befindet sich im Umbau, und die Ergebnisse, so sagt das Management, sollen ab 2018 deutlich anziehen. Von den Kostenmaßnahmen, aber auch von einem 30 Millionen Euro schweren Investmentprogramm erwartet sich der Konzern einen Anstieg der Erlöse um rund 50 Prozent in den kommenden drei Jahren. Gleichzeitig stehe das Unternehmen vor einer Margenverbesserung. Hochgerechnet ergeben sich daher für 2020 Erlöse von 600 Millionen Euro und ein Gewinn pro Aktie von fünf Euro. Damit sind auch Kurse von 50 oder gar 60 Euro möglich.

Die Aktie ist sicherlich spannend. Mit dem Gebot von 35 Euro dürfte der Kurs gut unterstützt sein. Auch Pierer Industries wird davon ausgehen, dass das Unternehmen mehr wert ist. Möglich ist zudem, dass ein Gegengebot kommt - SHW ist der letzte unabhängige Getriebepumpenhersteller.