Der Erlös - die Rede ist von bis zu sieben Milliarden Euro - geht vollständig an den Mutterkonzern Siemens, Healthineers selbst bekommt kein Geld. Allerdings zahlt Siemens wohl zum Börsengang etwa die Hälfte der Schulden der Erlanger Tochter zurück, um dieser einen größeren Spielraum für Übernahmen zu geben. Healthineers kann künftig eigene Aktien verwenden, um Zukäufe zu finanzieren.

"Durch den Börsengang erhalten wir die zusätzliche Freiheit, die wir brauchen, um unsere globale Führungsrolle weiter auszubauen", sagte Healthineers-Chef Bernd Montag. "Wir sind in einer starken Position, um die Zukunft des Gesundheitswesens zu gestalten." In der größten Sparte Imaging, die Röntgengeräte und Magnetresonanztomografen (MRT) umfasst, sind Healthineers als unangefochtenem Weltmarktführer allerdings die Hände gebunden. In der Labordiagnostik, wo Siemens nur die Nummer zwei hinter Roche ist, soll ein neues Diagnose-System ("Atellica") Schwung bringen. Dritte Säule des Geschäfts sind Operations-Roboter und andere Geräte, die Healthineers unter dem Begriff "Advanced Therapies" zusammenfasst.

Healthineers gilt als rentabelste und wertvollste Sparte von Siemens. Bei einem Umsatz von 13,8 Milliarden Euro kommt sie auf einen operativen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro. Analysten veranschlagen den Börsenwert im Schnitt auf 35 bis 36 Milliarden Euro, einige Schätzungen reichen bis zu 40 Milliarden. Siemens werde einen "bedeutenden Minderheitsanteil" von Healthineers an die Börse bringen, um ausreichend Liquidität für die Aktie zu schaffen, hieß es in der Mitteilung. Die Mehrheit werde jedoch "langfristig" bei Siemens bleiben. In Finanzkreisen wird mit der Platzierung von 15 bis 20 Prozent der Anteile gerechnet. Damit würde der Börsengang gut fünf bis sieben Milliarden Euro schwer.

GRÖSSER ALS POST UND INFINEON?



Am oberen Ende dieser Spanne wäre Siemens Healthineers die größte Neuemission an der Frankfurter Börse seit der Deutschen Telekom 1996. Platz zwei und drei belegen bisher die Deutsche Post (6,25 Milliarden Euro) und die ehemalige Siemens-Tochter Infineon (6,07 Milliarden), jeweils im Jahr 2000.

Noch offen ist, ob Siemens einen großen Ankerinvestor - etwa einen Staatsfonds - ins Boot holt. Mit einer Milliarden-Order ließe sich der Erfolg der Emission zwar bei wackligen Börsen absichern, doch wären dann weniger Aktien handelbar. "Siemens geht es nicht um eine Milliarde mehr oder weniger", sagte ein Insider. Daher werde sich der Konzern auch von Schwankungen an den Börsen nicht stören lassen.

Offiziell legen sich Siemens und Healthineers zwar weiter nur auf das erste Halbjahr fest. Doch dauert es von der jetzt veröffentlichten offiziellen Absichtserklärung ("Intention to float") bis zur Erstnotiz in der Regel nur vier Wochen. Nun werden die vertraulichen Studien der begleitenden Banken zur Bewertung an potenzielle Investoren verteilt. Nach zwei Wochen wird der offizielle Börsenprospekt veröffentlicht. Dann können die Aktien gezeichnet werden. Organisiert wird der Börsengang von der Deutschen Bank, Goldman Sachs und JPMorgan. Elf weitere Banken sollen helfen, die Healthineers-Aktien zu verkaufen.

rtr