Aussagen zum Geschäftsverlauf und zum Ausblick konnten der SMA Solar-Aktie am Donnerstag keine eindeutige Richtung geben. Nach schwachem Start drehte die Aktie zwar zeitweise deutlich ins Plus, gegen Mittag stand sie mit 36,78 Euro wieder auf Vortagsniveau - am Nachmittag notierte sie rund anderthalb Prozent höher.

Der Solartechnik-Konzern sieht in dem derzeit herrschenden Chipmangel ein anhaltendes Problem für die Geschäftsentwicklung. "SMA ist mit einem hohen Auftragsbestand ins neue Jahr gestartet. Der Mangel an elektronischen Bauteilen wird uns auch in den kommenden Monaten begleiten", sagte Konzernchef Jürgen Reinert bei der Bilanzvorlage am Donnerstag im hessischen Niestetal.

So könne SMA Solar etwa nicht alle Aufträge bedienen, die Lieferzeiten seien zudem für fast alle Produkte stark gestiegen, betonte Reinert. Die Lieferfristen liegen seinen Aussagen zufolge aktuell etwa beim Zehnfachen des normalen Zeitrahmens. Dabei werden vorrangig Produkte bedient, die eine höhere Marge haben, um die Auswirkungen auf das Ergebnis zu mildern.

Lage weiter angespannt


Die Liefersituation bei Chips sollte sich im zweiten Quartal langsam verbessern, erklärte Finanzvorstand Ulrich Hadding. Die Lage werde jedoch weiter angespannt bleiben. SMA benötigt Prozessoren internationaler Hersteller, deren Produktion vor allem in China liegt.

Dabei kann SMA zum Jahresende auf einen Auftragsbestand von gut einer Milliarde Euro blicken, wovon rund 570 Millionen auf das Neugeschäft mit Produkten entfällt, der Rest ist Servicegeschäft.

Prognose bestätigt


Die Prognose für das laufende Jahr bestätigte SMA Solar. Eine Gefährdung des Ausblicks durch den Krieg in der Ukraine sieht das Management aktuell nicht. Eine abschließende Bewertung sei jedoch derzeit nicht möglich. Der Umsatz soll 2022 bei 0,9 bis 1,05 Milliarden Euro liegen, nach knapp 984 Millionen im Vorjahr. Die große Spanne erklärt Reinert mit den Lieferengpässen. Finanzchef Hadding sieht aufgrund der Auftragslage ein Umsatzpotenzial von über einer Milliarde Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) soll 10 bis 60 Millionen Euro betragen, im Vergleich zu 9 Millionen im Vorjahr.

Für das erste Quartal geht SMA Solar von einem Umsatzrückgang von 240,4 Millionen auf 210 bis 220 Millionen Euro aus, das operative Ergebnis dürfte von 20,1 Millionen Euro auf 12 bis 16 Millionen sinken.

Mittel- bis langfristig ist Reinert jedoch optimistisch gestimmt und sieht mit Blick auf die Klimakrise und dem geplanten Ausbau Erneuerbaren Energien ein "hervorragendes Wachstumspotenzial". SMA sei sowohl im Kerngeschäft Photovoltaik als auch in wichtigen Zukunftsfeldern wie Speicher, Elektromobilität und Wasserstofferzeugung so positioniert, "um an diesem Wachstum teilzuhaben".

Im vergangenen Jahr rutschte SMA in die roten Zahlen und verbuchte einen Konzernverlust von 23 Millionen Euro, nach einem Gewinn von gut 28 Millionen Euro im Vorjahr. Neben den Chipengpässen litt das Unternehmen 2021 unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Dazu kam eine außerordentliche Belastung von knapp 37 Millionen Euro durch die Kündigung eines Servicevertrages.

Einschätzung zur Aktie


Die Zahlen hätten die zuvor schon bekannten Eckdaten in etwa bestätigt und auch die Ziele für 2022 seien schon bekannt gewesen, hieß es von Händlern. Stärker im Fokus standen daher gemischt ausgefallene Aussagen zum kurzfristigen Ausblick. Ein Händler wertete die operative Gewinnprognose für das erste Quartal - ein operatives Ergebnis (Ebitda) von zwölf bis 16 (20,1) Millionen Euro - positiv. Diese liege über der Markterwartung. Das Umsatzziel von einem Rückgang auf 210 bis 220 (Vorjahr: 240,4) Millionen Euro bleibe dagegen etwas hinter der Konsensschätzung zurück.

Etwas ermutigend äußerte sich Constantin Hesse von Jefferies Research zur Auftragslage. SMA Solar verfüge über solide Auftragsbestände, hob der Experte hervor. Knapp 887 Millionen Euro seien bereits erhaltene Aufträge wert, und gut die Hälfte davon entfalle auf Auslieferungen noch in diesem Jahr.

Die Schwankungen bei SMA standen am Donnerstag auch mit der Branche Erneuerbare Energien in Zusammenhang. Anfang März hatten die Branchenwerte zeitweise deutlich von der Aussicht profitiert, dass die geplante Reduzierung der Abhängigkeit von russischem Öl und Gas die Branche zusätzlich antreiben wird. Im Laufe des März kamen die Notierungen bei Aktien wie SMA oder Nordex dann aber wieder deutlich zurück.

Angesichts der aufgehellten Aussichten im Erneuerbare Energien-Bereich bleiben wir für SMA weiterhin optimistisch. Kaufempfehlung.

dpa-AFX/rtr/fh