Die Gewinne von VW, BMW und Mercedes fallen nach einer Analyse des „Handelsblatts“ auf das Pandemieniveau zurück – trotz stabiler Umsätze. Zölle, Iran-Krieg, teure E-Investitionen und der China-Einbruch treffen das Geschäftsmodell noch härter als gedacht.
Die Ertragslage der deutschen Autobauer hat sich seit Jahresanfang erneut verschärft: Volkswagen, BMW und Mercedes-Benzrutschten laut „Handelsblatt“ bei den Gewinnmargen auf ein Niveau ab, das zuletzt während der Pandemie zu sehen war – und das, obwohl Verkauf und Umsatz stabil bleiben.
In Summe erzielten die drei Konzerne im ersten Quartal nur noch ein operatives Ergebnis von 6,3 Milliarden Euro (EBIT), ein Rückgang um 23 Prozent zum Vorjahreszeitraum und bereits der vierte Rückgang in Folge in einem ersten Quartal. Zum Vergleich: VW hatte im ersten Quartal 2022 noch 8,3 Milliarden Euro verdient – das ist mehr als heute alle drei zusammen. Inzwischen beträgt das unbereinigte Quartals-EBIT von VW 2,46 Milliarden, bei BMW sind es rund 2,0 Milliarden und bei Mercedes 1,9 Milliarden Euro.
Zölle, Krieg, Marktstress
Es griffen mehrere Belastungsfaktoren ineinander, warnt Branchenexperte Stefan Reindl (IfA) im Handelsblatt: „Das ist kein zyklischer Rückgang mehr, sondern ein strukturelles Problem.“ Konkret nennt Bratzel geopolitische Risiken und Zölle. Audi bezifferte die US-Zollbelastungen auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbereich, BMW hat für sich eine Zollbelastung in Höhe von rund 340 Millionen Euro ausgerechnet, Mercedes fast 230 Millionen Euro. Das entspricht umgerechnet einem ganzen Prozentpunkt Ergebnismarge. Volkswagen weist konzernweit über alle Marken einen negativen Zolleffekt von 600 Millionen Euro aus. All diese Kosten entstanden allein im ersten Quartal.
Zusätzlich belastet der Iran-Krieg Energiepreise, Lieferketten und die Nachfrage; CAM-Experte Stefan Bratzel sieht wegen der steigenden Energiekosten „vorerst keine Erholungstendenzen“ für die Autobranche in Europa.
Elektro-Wende und Einbruch in China
Parallel läuft bei den Herstellern eine teure Transformation. VW investiert laut Handelsblatt in den kommenden Jahren insgesamt 160 Milliarden Euro, den größten Teil davon in Elektrifizierung und Digitalisierung. Das sind Ausgaben, die sich erst amortisieren müssen. Doch ausgerechnet das Absatzwachstum bei E-Autos ließ zuletzt wieder nach. Weltweit konnte nur Mercedes seinen E-Absatz steigern: um elf Prozent. Dagegen fielen die Elektroauto-Auslieferungen bei VW um knapp 8 Prozent, bei BMW sogar um ein Fünftel, verglichen mit dem Jahresstart 2025. Hinzu kommen in der Autobranche Abschreibungen und Strategiewechsel, etwa bei Stellantis, VW und Porsche.
Besonders kritisch sei der Einbruch der Verkaufszahlen in China – historisch gesehen die wichtigste Gewinnquelle. „Der wichtigste Gewinnmotor der Branche ist praktisch weggebrochen“, bilanziert Reindl. Bei VW sank der operative Gewinnbeitrag aus China im ersten Quartal auf kümmerliche 83 Millionen Euro, Audi weist nur noch 28 Millionen Euro aus. Auch bei Mercedes brach der Ergebnisbeitrag des Joint Ventures BBAC um mehr als die Hälfte ein. Die Auslieferungen der deutschen Konzerne in China fielen insgesamt laut Zahlen des Handelsblatts von 1,4 Millionen Fahrzeugen im Q1 2021 auf 804.000 im ersten Quartal 2026 – ein dramatisches Minus von 43 Prozent binnen fünf Jahren.
Worauf Anleger jetzt bei Auto-Aktien achten sollten
Die Hersteller reagieren mit Spar- und Umbauprogrammen. Mercedes will bis 2027 fünf Milliarden Euro einsparen; VW plant konzernweit 50.000 Stellen weniger bis 2030 und will bei der Kernmarke jährlich 15 Milliarden Euro sparen. VW meldet zudem sinkende Gemeinkosten um eine Milliarde Euro im Quartal, sieht aber Gegenwind durch Abschreibungen und Zölle.
Für Aktionäre wird entscheidend sein, ob die Konzerne Margen stabilisieren können, ohne Zukunftsinvestitionen abzuwürgen – und wie stark die neuen Zolldrohungen aus den USA die Lage verschärfen. Ein Branchenmanager wird mit Blick auf weitere Belastungen im „Handelsblatt“ mit den Worten zitiert: „Damit wären weitere Einsparungen alternativlos.“
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