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Sofort raus: Sechs Aktien für die Tonne

Sofort raus: Sechs Aktien für die Tonne

WKN: A12UPJ ISIN: DE000A12UPJ7 Pantaflix AG

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16.01.2019 - 15:32
15.01.2019 04:30:00

Viele Firmen haben zuletzt bitter enttäuscht: Verfehlte Ziele, leere Versprechen, hohe Schulden. Welche Papiere Sie meiden sollten. Von Jörg Lang, Lars Winter und Tobias Schorr

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel erschien am 13.12.2018 in Heftausgabe 50/2018

Ein neuer Mann soll es richten: Cornelius Everke übernimmt den Vorstandsvorsitz beim Systemgastronomen Vapiano. Von Ex-Chef Jochen Halfmann trennte man sich "im besten Einvernehmen". Eine neue Strategie wird Everke dieses Jahr wohl nicht mehr vorstellen. Doch dass sich etwas ändern muss, ist klar. Der Aktienkurs befindet sich im freien Fall. Bereits zweimal in diesem Jahr kassierte der Börsenneuling die Prognose. Der Umsatz auf bestehender Fläche war in den vergangenen neun Monaten rückläufig. Dafür stieg die Verschuldung stark. Noch ist das Unternehmen allem Anschein nach nicht in seiner Existenz gefährdet. Allerdings kann es bei anhaltender Umsatzschwäche auch schlimmer kommen.



Vapiano ist nur ein Unternehmen unter vielen, die in jüngster Zeit bitter enttäuschten. So wurden Umsatzziele nicht erreicht, Ergebnisse nach unten korrigiert und Schulden stetig ausgeweitet. Deshalb hat BÖRSE ONLINE eine Reihe von Unternehmen ausgefiltert, die aus unterschiedlichen Gründen im Depot nichts mehr zu suchen haben und bei denen es nicht unwahrscheinlich ist, dass sie künftig ums Überleben kämpfen müssen.


Unvermeidlich ist es dabei, einen Blick in die Bilanz zu werfen und die entscheidenden Kennzahlen unter die Lupe zu nehmen. Wichtig sind vor allem der Cashflow, die Entwicklung des operativen Ergebnisses und der Schuldenstand. Denn allein die Tatsache, dass der Umsatz wächst, sagt längst nicht aus, dass eine Firma vor Kraft strotzt.

Beispiel Gerry Weber: Lange Zeit kletterten bei dem Modeunternehmen die Erlöse. Vom einstigen Erfolg getrieben, eröffnete der Konzern Filiale um Filiale, übernahm zudem den Mitbewerber Hallhuber und investierte viel Geld in die Expansion. Immer unter der Maßgabe, dass die Mode ankommt. Doch dann blieben die Kunden weg, die Erlöse begannen zu bröckeln, der Gewinn auch. Was blieb, waren hohe Schulden und hohe Fixkosten. Aktuell schließt Gerry Weber wieder Geschäfte und entlässt Mitarbeiter. Kommt eine solche Abwärtsspirale erst einmal richtig in Gang, gerät ein Unternehmen schnell in Schwierigkeiten. Denn aus eigener Kraft kann der Schuldendienst irgendwann nicht mehr bedient werden.

Vorsicht Strukturwandel



Große strukturelle Probleme haben aktuell auch die Autohersteller und deren Zulieferer. Der Wandel zur Elektromobilität stellt die Branche vor riesige Herausforderungen. So etwa ElringKlinger: Lange Zeit ging es dem Weltmarktführer für Zylinderkopfdichtungen blendend. Für klassische Verbrennungsmotoren waren die Teile unersetzlich. Doch das kann sich künftig ändern. Für die Transformation zu emissionsfreien Autos geben die Schwaben viel Geld aus. Die Berenberg Bank schätzt, dass der Cashabfluss vor allem wegen hoher Investitionen in diesem und den kommenden drei Jahren bei 160 Millionen Euro liegen dürfte. Schon in den vergangenen vier Jahren waren 150 Millionen abgeflossen. Dazu kommt die hohe Nettoverschuldung: Aktuell liegt sie bei 729 Millionen Euro. Zum Vergleich: An der Börse ist der Zulieferer noch mit 461 Millionen Euro bewertet. Bei Anlegern sollten die Alarmglocken schrillen. Auch für Wettbewerber, die in der Vergangenheit zu den Top-Performern zählten, könnte es künftig schwer werden. Die Autobosse warnten vor einer Kreditklemme bei den Zulieferern in der Befürchtung, Banken könnten ihnen künftig den Hahn für Kredite zudrehen. Dabei stiegen zuletzt auch die Nettoschulden der Hersteller kräftig. Und der Mittelzufluss, etwa bei BMW, ist vor allem wegen höherer Investitionen in den ersten neun Monaten gesunken.

Gerade bei jungen, technologiegetriebenen Unternehmen sollten Investoren lediglich einen Bruchteil ihres Vermögens investieren. "Keine noch so tolle Idee ist es wert, alles auf eine Karte zu setzen", sagt etwa Fondsmanager Roger Peeters von pfp Advisory. Vor allem dann nicht, wenn der Erfolg zum Großteil von einzelnen Personen abhängt, wie etwa bei Pantaflix. Einst unter dem Namen Pantaleon als Filmproduktionsfirma gestartet, firmierte das Unternehmen um und widmet sich seitdem auch dem Streaminggeschäft. Unter anderem lief die Serie "You Are Wanted" bei Amazon. Gründer und Miteigentümer Matthias Schweighöfer fungierte hier als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller. Nach zwei Staffeln wurde die Zusammenarbeit beendet. Vieles hängt bei Pantaflix noch vom Erfolg des deutschen Filmstars ab. Das geht gut, solange dieser beliebt genug ist, um Kinosäle zu füllen und eigenproduzierte Serien zum Erfolg zu führen. Allerdings ist das Geschäft sehr kostenintensiv und zeitgeistabhängig. Zuletzt verschoben sich erhoffte Umsätze ins kommende Jahr, die Aktie stürzte weiter ab. Nach einem 10 : 1-Split ist sie mittlerweile unter 1,50 Euro gefallen und droht zum Pennystock zu verkommen. Grundsätzlich sollten Anleger hellhörig werden, wenn sich Firmen neue Namen geben. Nicht selten geht damit ein Strategieschwenk einher. Damit erhöht sich tendenziell das Risiko.

Kein Promibonus



Auch die Starbesetzung bei Staramba - hier ist unter anderem Fußballmanager Fredi Bobic (Eintracht Frankfurt) beteiligt - half zuletzt nichts. Der Hersteller von 3-D-Bildern setzt vor allem auf Sportgrößen, die als Figuren nachgebaut werden, damit Fans sich in der virtuellen Realität mit ihnen treffen und sogar im Wettkampf messen können. Nette Idee, doch derzeit beschäftigt das Management eher ein Kräftemessen mit dem Wirtschaftsprüfer BDO, der das Testat für die Bilanz des Jahres 2017 verweigerte. Große Teile des Umsatzes sind laut BDO nicht nachvollziehbar. Der Aktienkurs rauscht von einem Tief zum nächsten.

Auch wenn zurzeit viele Kursrückgänge sicher übertrieben sind - ein solch dramatischer Absturz ist ein kaum zu überhörendes Alarmsignal. Denn oft sind Insider oder zumindest Profis, die sich intensiv mit den Gesellschaften befassen, die treibenden Kräfte hinter dem Abverkauf. Dann ist höchste Vorsicht geboten. Denn die Historie zeigt: Der Markt hat in der Regel recht.

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