Eine Übernahme im Tech-Sektor steht möglicherweise bevor. Nach dem Zukauf weiterer Anteile besitzt ein Tochter-Unternehmen von Foxconn, Hauptfertiger des Apple iPhone, nun 30 Prozent an einem TecDAX-Unternehmen. Der Titel steigt vorbörslich um mehr als fünf Prozent.

Das taiwanesische Unternehmen Ennoconn könnte vor einer Milliarden-Übernahme des österreichischen IT-Konzerns Kontron stehen. Durch die Erhöhung der Anteile löst nun das Pflichtangebot für Kontron aus. Doch dieses liegt nur hauchdünn über dem Schlusskurs vom Mittwoch. Infolge der Meldung schoss die Aktie am Donnerstagmorgen auf Tradegate nach oben und notiert nun bereits oberhalb der Offerte.

Kontron-Aktie steigt nach Übernahmeangebot

Zwischen Ende März und Anfang April ist die Kontron-Aktie plötzlich stark gesunken. Bis zu 20 Prozent verloren die Papiere an einem Tag. Einen genauen Grund für diese Marktreaktion gab es nicht. Wie BÖRSE ONLINE berichtete, lautete eine These, dass es sich dabei um eine "gezielte Short-Attacke" gehandelt haben könnte, die eine "massive Marktmanipulation" nicht ausschloss. Es ist durchaus möglich, dass Ennoconn diese Situation nutzte, um sich weitere Anteile an Kontron zu sichern. Knapp zwei Monate später kam es dann zu einem weiteren Zukauf. Insgesamt 30 Prozent der Anteile hält der Großaktionär nun. 

Das Pflichtangebot beläuft sich auf 23,50 Euro je Aktie, was Kontron mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Dieses liegt jedoch nur knapp über dem Mindestgebot von 23,48 Euro. Vor Handelsstart zeigte sich bereits eine deutliche Marktreaktion und die Kontron-Aktie notierte auf Tradegate zeitweise sogar über der Offerte mit einem Plus von 5,1 Prozent. Zum Börsenstart nahm das Interesse etwas ab. Mittlerweile notieren die Papiere bei 23,28 Euro, was einem Plus von 3,93 Prozent entspricht (Stand: 11. Juni 2026, 09:19 Uhr). Auch die Ennoconn-Aktie kann ein Plus von 1,8 Prozent verzeichnen.

Übrigens: Wenn Sie von solchen Deals profitieren möchten, empfiehlt sich ein Blick in den "German Mergers & Acquisitions"-Index von BÖRSE ONLINE.

Kontron (WKN: A0X9EJ)

Übernahme-Deal war keine Überraschung

Mit einem solch knappen Angebot dürfte Ennoconn keinen Aktionär überzeugen. Der Titel hat seit Oktober des vergangenen Jahres die 24-Euro-Marke nur einmal durchstoßen und zeigt kaum positive Impulse. Die Kontron-Übernahme ist zudem keine Überraschung. Bereits Anfang Mai bekam die Geschäftsführung des taiwanesischen Konzerns die Ermächtigung, die Anteilsschwelle von 30 Prozent zu überschreiten. Infolge des Angebotes stoppte Kontron zudem die aktuellen Aktienrückkäufe.

Bereits vor zehn Jahren stieg die Foxconn-Tochter bei Kontron (damals noch S&T) ein. Das österreichische Unternehmen ist spezialisiert auf die sogenannte Internet-of-things-Technologie (IoT), die eine Kommunikation zwischen Geräten ermöglicht. Ennoconn hingegen fertigt Industriecomputer, die unter anderem in Spielkonsolen zum Einsatz kommen. Eine Übernahme ist also auch aus technologischer Sicht durchaus sinnvoll.

Interessantes Momentum für Anleger?

Steigt die Kontron-Aktie weiter, könnte Ennoconn ein weiteres Angebot vorlegen. Dadurch entsteht ein deutliches Momentum für den Kontron-Titel. Wer nicht ganz so lange warten möchte, kann auch im Aktienreport "Momentum-Könige" nachsehen, um sich Aktien zu sichern, die von einem Momentum profitieren.

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Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet ein Pflichtangebot bei einer Übernahme?

Wenn ein Investor eine bestimmte Beteiligungsschwelle überschreitet, muss er den übrigen Aktionären meist ein Pflichtangebot unterbreiten. Damit sollen Minderheitsaktionäre die Möglichkeit bekommen, ihre Aktien zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.

Warum reagieren Aktien vor einem Übernahmeangebot oft stark?

Der Markt spekuliert in solchen Fällen auf einen höheren Kaufpreis, einen Bieterkampf oder eine spätere vollständige Übernahme. Dadurch kann der Kurs schon steigen, bevor Klarheit über das endgültige Angebot herrscht.

Welche Rolle spielen Tech-Beteiligungen aus Taiwan und China in Europa?

Asiatische Industrie- und Tech-Konzerne sichern sich in Europa häufig Zugang zu Technologie, Know-how und Absatzmärkten. Für Anleger kann das Chancen eröffnen, aber auch Unsicherheit auslösen, wenn die strategischen Ziele des Käufers noch nicht klar sind.

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