"Mindestens im ersten Halbjahr 2019 werden die Börsenturbulenzen hoch bleiben und die Nachfrage nach Derivaten weiter steigen", erwartet Thomas Altmann von QC Partners.

Vor allem Absicherungsinstrumente für fallende Kurse des US-Index S&P 500 stehen derzeit hoch im Kurs. "Die Nachfrage ist absolut riesig", sagt Anlagestratege Ilya Feygin vom Brokerhaus WallachBeth Capital. Gefragt seien aber auch Papiere, mit denen man sich gegen steigende Kurse absichern könne. "Im Moment gibt es viele Risiken für große Auf- und Abbewegungen an den Märkten", sagt Derivateexperte Vinay Viswanathan vom Broker Macro Risk Advisers. Für Händler ist das ein gefundenes Fressen, denn mit jedem verkauften Future oder Optionspapier steigen die Erträge der Banken oder Handelshäuser. "Für unsereins ist das ein Geschenk", sagt ein Börsianer. "Mehr Volatilität an den Börsen bedeutet letztlich mehr Chancen für uns und die Anleger."

Die sogenannten Volatilitätsindizes, also die Barometer für die Anlegernervosität, liegen so hoch wie seit langem nicht. So steuert etwa der S&P 500 auf sein schwankungsreichstes Jahr seit 2015 zu, wie Daten des Informationsdienstleister Refinitiv zeigen. Auch das Auf und Ab im Dax ist viel höher als 2017, das gemessen an der Volatilität unverhältnismäßig ruhig war. "In den vergangenen, drei, fünf, sieben Jahren hatten wir an den Börsen in den USA abnormal positive Bedingungen", sagt Richard Selvala, Chef des Vermögensverwalters Harvest Volatility Management. "Insofern kehren wir jetzt zur Normalität zurück."

Seit Anfang Oktober hält sich der wichtigste US-Schwankungsbarometer weitgehend über der Marke von 20 Punkten. Fast im gesamten Jahr 2017 dümpelte er bei rund 10 Punkten herum und lag zeitweise sogar tiefer als vor der globalen Finanzkrise vor zehn Jahren. "Man kann davon ausgehen, dass die 20 Punkte in der nächsten Zeit eher die Normalität sind", prognostiziert Selvala.

"DER MARKT WIRD NOCH EINE ZEITLANG RUPPIG BLEIBEN"



Der Volatilitäts-Index, der die Schwankungsanfälligkeit des deutschen Leitindex Dax in den nächsten sechs Monaten bewertet, sei mit 17 Punkten wieder beim Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre angekommen, sagt Altmann. 2017 habe der Wert im Schnitt bei 13 Punkten gelegen. "Die Zunahme deutet auf eine deutlich höhere Unsicherheit von Anlegern hin." Dass die Nervosität an den Börsen derzeit so hoch ist, liegt vor allem an der noch nicht gelösten Brexit-Frage, den Sorgen um die Verschuldungspläne Italiens, dem schwelenden Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der generellen Furcht von Investoren vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft.

Das derzeitige Niveau der Schwankungen im Dax sei auf die vergangenen 20 Jahre betrachtet aber noch vergleichsweise niedrig, räumt Holger Schleicher, Leiter des Handels mit verbrieften Derivaten an der Börse Stuttgart, ein. In den kommenden Monaten rechnet er mit einem belebteren Geschäft. "Der Markt dürfte noch eine Zeitlang ziemlich ruppig bleiben."