Google rüstet seine KI-Rechenzentren mit eigenen TPU-Chips von Broadcom auf und greift damit Nvidia frontal an. Auch beim Börsenwert ist die Muttergesellschaft Alphabet Nvidia bereits dicht auf den Fersen.
Nvidia war lange der unangefochtene König der KI-Welt. Die Chips des Konzerns stecken in fast jedem großen KI-Rechenzentrum, die Aktie wurde zum Börsenstar. Doch jetzt bekommt der Platzhirsch ernsthafte Konkurrenz - ausgerechnet von Google. Der Konzern setzt immer stärker auf eigene TPU-Chips, die von Broadcom speziell für Googles KI-Modelle entwickelt wurden. Darüber hinaus bauen immer mehr Hyperscaler an einer Welt, in der nicht mehr Nvidia allein die Regeln diktiert.
Googles geheime Waffe
Die Überlegung von Google ist einfach: Nicht alle KI-Anwendungen benötigen wirklich die teuren Nvidia-Chips. Sind Large Language Modelle wie Gemini einmal trainiert, können sie einen Großteil der täglichen Useranfragen auch mithilfe abgespeckter Prozessoren beantworten, die Google selbst konzipiert und von Lieferanten wie Broadcom bauen lässt. Das spart Geld und macht die Hardware-Lieferkette bei neuen KI-Investitionen unabhängiger von Nvidia. Dass Google und seine Muttergesellschaft Alphabet damit erfolgreich sind, brachte auch andere Schwergewichte wie Meta oder Amazon zum Umdenken. Google und Meta planen bereits den Einsatz von Googles TPUs in Metas Rechenzentren – ein Milliarden-Deal, der Nvidia schmerzen dürfte.
Noch spannender für Anleger: Der Börsenwert von Alphabet kommt dem von Nvidia immer näher. Zwar liegt der KI-Platzhirsch mit 5,26 Billionen US-Dollar noch vorn, doch Alphabet hat in den vergangenen Wochen massiv aufgeholt. Am 12. Mai war Nvidia bei einem Kurs von 216,66 Dollar 5,26 Billionen Dollar wert. Alphabet kam auf einen Börsenwert von 4,65 Billionen Dollar bei einem Kurs von 386,40 Dollar. Die Differenz von 590 Milliarden Dollar ist auf den ersten Blick riesig. Doch Alphabet müsste „nur“ 12,6 Prozent zulegen, um die Lücke zu schließen. Bedenkt man, dass die Alphabet-Aktie allein seit Ende März 41 Prozent zulegen konnte, ist in diesem Markt gar nichts ausgeschlossen.
Anders ausgedrückt: Der Kurs der Alphabet-A-Shares müsste auf 435 Dollar steigen – und Nvidia sich nicht mehr bewegen – und schon stünden beide gleich. Oder Nvidia fällt nach den Quartalszahlen kommende Woche um 11,6 Prozent. Das ist zugegebenermaßen eher unwahrscheinlich, illustriert aber, wie nahe sich die beiden gekommen sind.
Was Anleger jetzt wissen müssen
Die große Frage für Investoren sollte aber nicht lauten: „Kippt Nvidia morgen?“ Sondern: „Wird der Kuchen für Nvidia kleiner?“ Genau da wird es spannend. Google muss Nvidia nicht sofort entthronen, um den Markt zu verändern. Schon wenn eine wachsende Zahl großer KI-Kunden damit beginnen würden, einen Teil ihrer KI-Bestellungen auf TPUs umzuschichten, könnte das die Margen und die Bewertung von Nvidia unter Druck setzen. Der KI-Boom ist damit noch lange nicht vorbei – aber er wird härter umkämpft sein als bisher.
Statt nur noch auf den einen Gewinner – Nvidia – zu setzen, könnte es sich lohnen, jetzt mindestens ein zweites Pferd zu satteln: Alphabet. Oder auch ein Drittes: Broadcom. Hinzu kommen die boomenden Aktien der Speicherchip-Hersteller. Die Auswahl wird also größer – und es gibt noch viel Geld zu verdienen. Trotzdem kann auch Nvidia, das sein Netzwerk zuletzt mit Beteiligungen wie der an Marvell Technology schlau ausgebaut hat, noch für die ein oder andere Überraschung gut sein.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Nvidia.