Auf Jahressicht steht bei der Teamviewer-Aktie ein Minus von satten 68 Prozent. Am Freitag geriet der Kurs erneut unter Druck. So zogen die Kursverluste bei Europas größtem Softwarekonzern SAP auch Teamviewer nach unten. Die Aktien des im MDax notierten Softwarehauses verloren in der Spitze knapp sechs Prozent auf 12,09 Euro und markieren damit den tiefsten Stand seit Mitte März.

Die Papiere von SAP notierten nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen im DAX zeitweise 4,5 Prozent schwächer. Das Betriebsergebnis (Non-IFRS) von Januar bis März gab währungsbereinigt um sieben Prozent auf knapp 1,68 Milliarden Euro nach. Das lag unter den Erwartungen von Analysten.

Anfang der Woche hatte die US-Bank JPMorgan sich mit Blick auf die anstehende Quartalsberichtssaison der europäischen Software- und IT-Unternehmen noch positiv geäußert. Angesichts der hohen Vorjahres-Vergleichswerte dürfte das Umsatzwachstum vor allem ins zweite Halbjahr fallen, schrieb Analystin Stacy Pollard in einer am Mittwoch vorliegenden Branchenstudie. Für die Billings - also die in einem Zeitraum in Rechnung gestellten Umsätze - erwartet sie im Auftaktquartal ein 13-prozentiges Wachstum. Sie empfiehlt weiterhin, die Teamviewer-Aktie im Depot zu übergewichten ("Overweight").

Neuer Finanzchef


Das mit seiner Fernwartungssoftware bekanntgewordene Unternehmen steht unter starkem Druck, das zuletzt schwächelnde Wachstum anzukurbeln, die Kosten in den Griff zu bekommen und Ruhe in das Personalkarussell zu bringen.

Am Freitagmorgen teilte Teamviewer dann mit, einen neuen Finanzchef gefunden zu haben: Michael Wilkens, Manager bei der Deutschen Telekom, werde seine Tätigkeit zum 1. September aufnehmen und in den Vorstand einziehen. Der Vertrag von Finanzchef Stefan Gaiser, der auch den Börsengang 2019 verantwortete, läuft im August aus. Wilkens ist derzeit als Senior Vice President Group Controlling bei der Telekom und seit 20 Jahren für den DAX-Konzern tätig.

"Sein Verständnis von Abonnement-Geschäftsmodellen sowie sein kaufmännischer Hintergrund einschließlich Umsatzverantwortung machen ihn zu einem starken Partner für TeamViewers strategischen Wachstumskurs und die Verbesserung der operativen Performance", sagte Abraham Peled, Aufsichtsratsvorsitzender von Teamviewer.

Einschätzung zur Teamviewer-Aktie


Wegen schwindender Corona-Maßnahmen und der Zinswende in den USA wendeten sich Investoren in den vergangenen Monaten von den Corona-Gewinnern - wozu auch Teamviewer zählt - ab und schichteten in andere Sektoren um. Sorgen über das Wachstum des Unternehmens sowie hohe Kosten und verfehlte Prognosen hatten den Kurs deutlich unter Druck gesetzt: Von ihrem Allzeithoch bei etwas mehr als 50 Euro im Sommer 2020 ist die im MDax notierte Aktie mit einem aktuellen Preis von rund 12 Euro weit entfernt.

Ein kürzlich angekündigtes Aktienrückkaufprogramm dürfte den Kurs nach unten hin stützen. Endgültige Zahlen legt Teamviewer am 4.Mai vor. Spekulative Anleger nutzen die niedrigen Kurse zum Einstieg.

rtr/dpa-AFX/fh