Nach israelischen Angaben haben sich Israel und Deutschland auf einen milliardenschweren U-Boot-Deal mit Thyssenkrupp in Kiel geeinigt. Das erste U-Boot soll demnach innerhalb von neun Jahren nach Israel geliefert werden. Konkret geht es um drei U-Boote der Klasse "Dakar". Der Auftrag hatte wegen Korruptionsvorwürfen bei U-Boot-Geschäften mit Israel jahrelang auf Eis gelegen. Es hatte in Israel Anklagen wegen Bestechung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung gegeben.

Korruptionsvorwürfe in Israel


Die aktuelle Auftragserteilung erfolgt nur wenige Tage vor einer Sitzung des israelischen Kabinetts. Dieses soll über einen möglichen Untersuchungsausschuss beraten, der die Auftragsvergabe von 2009 bis 2016 für U-Boote und Marine-Schiffe aus Deutschland untersuchen könnte. In Deutschland wurden die Ermittlungen in dem Fall bereits Ende 2020 mangels "hinreichendem Tatverdacht" im Inland eingestellt. Thyssenkrupp hatte ebenfalls erklärt, bei einer internen Untersuchung keine Hinweise auf Korruption gefunden zu haben.

Deutschland ist trotzdem bereit, den Verkauf zu unterstützen. Die Bundesregierung begründete ihr Engagement in der Vergangenheit mit der besonderen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels. Israels Verteidigungsminister Benny Gantz dankte der Bundesregierung für ihren Beitrag zu der Übereinkunft. Die neuen U-Boote würden helfen, die Fähigkeiten der israelischen Marine zu erweitern. Israel verfügt bereits über fünf U-Boote der "Dolphin"-Klasse aus deutscher Produktion, ein sechstes U-Boot ist bestellt. Die drei neuen U-Boote sollen nach und nach ältere Modelle ersetzen.

Zudem habe man sich auf eine strategische Zusammenarbeit in der Industrie über 850 Millionen Euro geeinigt. Das Geld soll in israelische Unternehmen, unter anderem im Verteidigungssektor, investiert werden.

Unsere Einschätzung zur Thyssenkrupp-Aktie


Obwohl die Lieferung der U-Boote nach Israel umstritten ist, weil diese nach Experteneinschätzung theoretisch mit Atomwaffen ausgerüstet werden könnten, kam der Deal bei Anlegern gut an. Die Thyssenkrupp-Aktie legte am Donnerstag um mehr als zwei Prozent auf bis zu 10,18 Euro zu. Auch die amerikanische Investmentbank Jefferies erhöhte ihr Kursziel für die Aktie auf 16 Euro und empfiehlt das Papier zum Kauf.

Wir sehen ebenfalls Potenzial in dem Papier. Thyssenkrupp scheint nach einem krisengebeutelten Jahrzehnt die Trendwende gelungen zu sein. 2020 wurde außerdem die profitable Aufzugssparte verkauft. Im laufenden Geschäftsjahr zum 30. September will der Konzern sogar wieder schwarze Zahlen schreiben. Aktuell profitiert Thyssen von der Materialknappheit und der Nachfrage nach Stahlprodukten. So kann das Unternehmen die steigenden Energie- und Rohstoffpreise an seine Kunden weiterreichen. Für die kommenden drei Jahre hat sich der Konzern hohe Ziele gesteckt und will dafür noch weitere Unternehmensteile verkaufen. Für langfristig orientierte Anleger dürfte sich der Einstieg lohnen.

iw/ Mit Material von dpa-AFX/rtr