Im bis Ende September laufenden Gesamtjahr 2020/21 erwartet Vorstandschefin Martina Merz unter dem Strich aber noch einen Verlust. Sie warb bei Investoren erneut um Verständnis, dass es vieler kleiner Schritte bedürfe, um den Ruhrkonzern profitabel aufzustellen.

Im operativen Geschäft werde im Geschäftsjahr eine signifikante Ergebnissteigerung auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag (bereinigtes Ebit) erwartet, teilte das Unternehmen mit. Bislang hatte Thyssenkrupp operativ nur ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis in Aussicht gestellt - nach einem Verlust von zuvor pro forma 1,8 Milliarden Euro. Dank einer Erholung der Nachfrage konnte der Konzern im zweiten Quartal 2020/21 in nahezu allen Sparten zulegen - auch im Stahlgeschäft. Operativ fuhr der Konzern 220 Millionen Euro ein und übertraf damit auch die Markterwartungen. Einer Präsentation zufolge wird das bereinigte Ebit im dritten Quartal allerdings niedriger ausfallen als im zweiten.

Die im MDax gelisteten Thyssenkrupp-Aktien gaben im Handelsverlauf zeitweise um mehr als sieben Prozent nach. Händler verwiesen darauf, dass der Free Cash Flow schlechter als erwartet ausgefallen sei. "Das drückt den Kurs." Es gebe aber auch Gewinnmitnahmen. Hinzu kam, dass von Thyssenkrupp eigentlich im Mai mehr Details über den künftigen Kurs etwa beim Zukunftsgeschäft mit Wasserstoff erwartet wurdet.

Das Stahlgeschäft konnte zwar im Quartal einen operativen Gewinn von 47 Millionen Euro einfahren. Wie es in dem Werkstoffgeschäft weitergeht ist aber offen. Nach den Worten von Finanzchef Klaus Keysberg wird der Konzern die Stahlsparte in diesem Jahr auf jeden Fall nicht mehr an die Börse bringen. "Wir haben gesagt, dass wir eine Verselbstständigung des Stahls prüfen", sagte der Manager in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. "Wir haben uns keinen Zeitdruck gemacht." So etwas müsse gut durchdacht sein. In diesem Jahr werde dies nicht mehr geschehen. "Wir haben aber auch nicht entschieden, wann wir es machen."

MERZ: KEIN PAUKENSSCHLAG, SONDERN KLEINE SCHRITTE


"Wir haben im zweiten Quartal Boden gutgemacht", betonte Merz: "Einerseits hat uns dabei die Erholung in vielen unserer Märkte geholfen. Andererseits zeigen unsere Maßnahmen zur Performancesteigerung die geplante Wirkung. Das ist gut und macht uns zuversichtlich."

Merz hatte alle Sparten genau unter die Lupe genommen, darunter auch das Stahlgeschäft. Nach der gescheiterten Übernahme durch den britischen Konkurrenten Liberty Steel soll Thyssenkrupp Steel Europe saniert und dann möglicherweise abgespalten und an die Börse gebracht werden. Merz treibt auch den Abbau mehrerer tausend Stellen voran. Schnellschüsse wolle sie nicht machen: "Wir wissen aber auch sehr genau, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Deshalb wird sich hier auch nicht ausgeruht. Die Neuausrichtung von Thyssenkrupp bleibt ein Weg der vielen kleinen Schritte - und die gehen wir."

rtr