Da sind es schon drei: Mit dem ­Anbieter Gratisbroker ist nach Trade Republic und Justtrade dieses Jahr bereits der dritte deutsche Broker gestartet, der Traden für null Euro Ordergebühren anbietet. Bisherige Günstiganbieter wie Flatex, Onvista Bank oder die niederländische Degiro sehen dagegen auf einmal vergleichsweise teuer aus - allerdings offerieren die drei Etablierten auch ein breiteres Angebots- oder Servicespektrum. Doch können Anleger, die um die Beschränkungen der Neulinge wissen, beim Traden viel sparen. BÖRSE ONLINE klärt die wichtigsten Fragen zum neuen Anbieter, dessen Werbespruch lautet: "Gebühren gehören ins Parkhaus!"


Konkurrent Justtrade verlangt auf Einlagen die Negativzinsen der EZB, Trade Republic beim Ordern einen Euro Fremdkostenpauschale. Wie viel Geld nimmt der Gratisbroker?
Tatsächlich verzichtet Gratisbroker auf Depot- und Ordergebühren, Fremdkostenpauschalen, andere Nebenkosten oder Negativzinsen. Allerdings sind Käufe erst ab einem Volumen von 500 Euro möglich. Verkäufe auch darunter, aber nur wenn die Position komplett aufgelöst wird. Grund für diese Einschränkung: "Kleine Orders produzieren Kosten, bieten aber wenig bis gar kein Ertragspotenzial", sagt Firmenchef Malte Rubruck. Anders als andere Wettbewerber legt Gratisbroker Wert darauf, auch keine Kosten für Dividendenbuchungen oder die Eintragung von Namensaktien zu verlangen. Nachteil bei Gratisbroker: Es wird nur ein einziger Börsenplatz angeboten, der Handelsplatz Gettex der Bayerischen Börse. "Man kann als Broker kostenloses Traden anbieten, wenn man alles weglässt, was man nicht unbedingt braucht", betont Rubruck. Auch ausführliche Infos zu Wertpapieren offeriert der Broker nicht. Eine Kostenposition gibt es aber doch noch: Schriftliche Aufträge oder Bestellungen von Eintrittskarten zu Hauptversammlungen kosten 15 Euro.
Welche Wertpapiere kann ich bei dem Anbieter handeln?
Mehr als 3600 der wichtigsten Aktien aus 52 Ländern, rund 300 ETFs (über die Partner DWS Xtrackers und Amundi) und mehr als 2100 Fonds. Es seien zusätzliche Angebote geplant, erklärt Rubruck und verweist auf Verhandlungen mit einem dritten ETF-Anbieter, der im ersten Quartal des nächsten Jahres folgen soll.

Und wie steht es um den Derivatehandel und Sparpläne?
Optionsscheine und Zertifikate sind noch nicht handelbar, der Start des Derivatehandels soll aber noch vor Weihnachten kommen. Dem Preisverzeichnis ist schon zu entnehmen, dass 0,2 Prozent vom Kurswert für die Ausübung von Optionsscheinen fällig werden. Ein schmales Sparplanangebot soll es in Zukunft ebenfalls geben. Laut Rubruck will man aber zuvor testen, ob die Kunden nicht andere Angebote vorziehen, beispielsweise Trailing Stops - also Stoppkurse, die sich mit der Kursentwicklung verändern.
Wenn Trading nichts kostet - wie finanziert sich der Broker? Etwa durch schlechtere Kurse?
Auf die Kursstellung hat das Preismodell keine Auswirkung, versichert der Broker. Gettex ist eine regulierte und beaufsichtigte Börse, die Kursstellung soll ebenso gut sein wie an den jeweiligen Referenzmärkten.
Gratisbroker finanziert sich nach Angaben Rubrucks durch Rückvergütungen der Handelspartner, Produkthersteller und Market-Maker, die übrigens an etablierte Broker auch fließen. Für Aktienorders kriegt Gratisbroker 2,75 Euro, für ETF-Orders zwei Euro und für Fondsorders fünf Euro. "Unser Angebot ist nur deshalb möglich, weil unsere Kosten erheblich geringer sind als bei einem klassischen Onlinebroker", sagt Rubruck. Die Firma verzichtet weitestgehend auf kostenintensive Serviceangebote, so sind zum Beispiel Wertpapierüberträge hin zu Gratisbroker nicht möglich. Zudem sind verschiedene Dienstleistungen aus Kostengründen ausgelagert. So liegt beispielsweise die Konto- und Depotführung bei der Baader Bank.

Wie sind Einlagen abgesichert?
Einlagen sind bei der kontoführenden Baader Bank - über die gesetzliche Marke von 100 000 Euro hinaus - zusätzlich über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken in Höhe von derzeit 16,62 Millionen Euro pro Kunde abgesichert. Da die Depotführung im Inland liegt, läuft auch in puncto Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge alles nach deutschem Recht.

Wer steckt hinter Gratisbroker?
Das Gründerteam mit Malte Rubruck, Philipp Röben und Stefan Mross besteht aus erfahrenen Brokermanagern, die zuletzt für die Consorsbank beziehungsweise DAB Bank gearbeitet haben.