Die Aktienmärkte in der Türkei sind am Dienstag auf Erholungskurs gegangen. Der Leitindex in Istanbul legte zwei Prozent auf 94.517 Punkte zu, nachdem er am Montag wegen der Währungskrise in der Türkei 2,4 Prozent verloren hatte. Vor allem die Aktien der türkischen Banken, die in den vergangenen Tagen besonders unter Druck gestanden hatten, waren wieder gefragt. Der Index der türkischen Bankbranche kletterte um mehr als vier Prozent. Auch die Lira, die seit Anfang 2018 fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt hat, legte wieder etwas zu und rückte von dem am Montag erreichten Rekordtief von 7,24 Lira je Dollar wieder etwas ab. Ein Dollar kostete 6,55 Lira.

Sollte die Lira weiterhin unterhalb der Marke von sieben Lira zum Dollar bleiben, helfe das dem deutschen Aktienmarkt, zeigte sich Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets überzeugt. "Fällt der Kurs der Lira jetzt nicht mehr weiter, könnte das ein Hinweis darauf sein, dass das Türkei-Thema für die Börsen durch ist. Das wäre dann das notwendige Signal für eine Erleichterungs-Rally im Deutschen Aktienindex."

Analysten der Commerzbank zeigten sich aber weiterhin zurückhaltend. "Auch wenn ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass sich Ansteckungseffekte in Grenzen halten werden, da die Probleme der Türkei hausgemacht sind und die Volkswirtschaft zu klein ist, um global signifikanten realwirtschaftlichen Schaden anzurichten, dürfte es noch zu früh sein, um Entwarnung zu geben", sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen.

Die türkische Währungskrise hat die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt und am Montag auch die Wall Street belastet. Börsianer befürchten durch den Kursverfall der Lira Probleme für Banken und andere Schwellenländer. Die Lira büßte in diesem Jahr gegenüber dem Dollar bereits 45 Prozent an Wert ein. Investoren machen sich wegen der Geldpolitik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sowie des Zerwürfnis mit den USA Sorgen und haben deshalb Geld abgezogen und türkische Anleihen auf den Markt geworfen.

rtr