TUI überrascht zum Buchungsstart im Winter mit einem deutlichen Gewinnanstieg – dennoch reagieren Anleger zunächst verhalten. Denn neben starken operativen Fortschritten bleiben Zweifel am Wachstumstempo und der Buchungsdynamik bestehen.

Bei TUI prallen derzeit zwei Logiken aufeinander: operativ verbessert sich das Geschäft spürbar, an der Börse zählt aber vor allem der nächste Impuls. Genau deshalb rücken nun Buchungstrends, Preisniveau und die charttechnischen Marken in den Vordergrund.

Starker operativer Start ins Geschäftsjahr

Der Reisekonzern hat im ersten Quartal 2025/26 operativ deutlich zugelegt. Das bereinigte EBIT stieg auf 77,1 Millionen Euro nach 50,9 Millionen Euro im Vorjahr – damit war es das beste erste Quartal der Unternehmensgeschichte. Traditionell fällt die Wintersaison für Reiseveranstalter schwach aus, daher ist der Gewinnsprung besonders erfreulich zu bewerten. Treiber waren vor allem Hotelbuchungen und Kreuzfahrten, die die saisonale Schwäche im Veranstalter- und Flugsegment ausglichen.

Der Umsatz stagnierte hingegen bei rund 4,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb somit wiedr einmal ein Verlust von 43,6 Millionen Euro, der sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr fast halbierte. Für das Gesamtjahr bestätigt der Konzern seine Prognose: ein währungsbereinigtes Umsatzplus von zwei bis vier Prozent sowie einen EBIT-Anstieg von sieben bis zehn Prozent.

„In Summe können wir sagen: TUI bleibt auf Wachstumskurs", kommentierte Vorstandschef Sebastian Ebel. „Wir sind mit dem ersten Quartal zufrieden." Dank des integrierten Geschäftsmodells schaff TUI Synergien zwischen den beiden Geschäftsfeldern Märkte und Airline „mit unseren Reiseveranstaltern und dem Fluggeschäft – sowie Urlaubserlebnisse – mit den eigenen Hotels, Kreuzfahrten und TUI-Musement. (...) Die Buchungen für Winter 2025/26 und für Sommer 2026 entsprechen unseren Erwartungen, die Nachfrage bleibt robust.“

Verändertes Buchungsverhalten

TUI rechnet also trotz leicht rückläufiger Buchungszahlen weiterhin mit einer robusten Nachfrage nach Reisen. Kurzfristigere Buchungen sowie gutes Winterwetter hätten zeitweise für schwächere Vorausbuchungen gesorgt. Zuletzt normalisierte sich die Entwicklung jedoch. Strategisch setzt der Konzern auf Margendisziplin und höhere Preise: Hotels und Resorts sollen in diesem Jahr etwa drei Prozent teurer werden. Regional verschiebt sich die Nachfrage: Fernreisen nach Asien gewinnen an Bedeutung, während USA-Reisen weniger gefragt sind.

Wachstumspotenzial sieht TUI zudem in Osteuropa: Dort hat TUI mit neuen Reisebüros und einer neuen Marke im günstigen Preissegment einen Marktanteil von rund zehn bis 15 Prozent erobert. Generell ist der TUI-Konzern mit seinen Hotel- und Resortmarken wie Robinson, Riu oder The Mora eher auf hochwertige und damit teurere Reisen spezialisiert.

Analystenerwartungen und Marktreaktion auf die TUI-Zahlen

Vor Veröffentlichung der Zahlen waren die meisten Analysten positiv für die Aktie gestimmt. JPMorgan bestätigte Anfang Februar ein „Overweight“-Rating für die TUI-Aktie mit einem Kursziel von 13,50 Euro. Die Deutsche Bank bleibt bei „Buy“ mit rund 12 Euro als Zielkurs. Bernstein Research zeigte sich dagegen vorsichtiger udn stuft dei Aktie nur mit "neutral" ein. Die am DIenstag vorgelegten Zahlen liegen operativ weitgehend im Rahmen der Erwartungen und bestätigen den Wachstumskurs. Doch sie lieferten keinen klaren Überraschungseffekt nach oben. Genau diese Diskrepanz zwischen soliden Ergebnissen und bereits optimistischen Erwartungen erklärt die zunächst enttäuschte Kursreaktion: Die TUI-Aktie brach am Dienstagvormittag um über fünf Prozent ein.

Chart TUI-Aktie
https://de.tradingview.com/chart/?symbol=TRADEGATE%3ATUI1
Chart TUI-Aktie

Charttechnisch bewegt sich die TUI-Aktie (ISIN: DE000TUAG505) seit Mitte 2023 in einem aufsteigenden Trendkanal. Allerdings rangiert sie derzeit im oberen Bereich des Kanals, daher ist die durch die Publikation der Geschäftszahlen ausgelöste Abverkaufswelle an sich charttechnisch noch nicht beunruhigend. 

Was nun wahrscheinlich passiert:
Am ehesten kommt es nun zu einer Abwärtsbewegung bis zur unteren Trendlinie, um diese zu testen. Dafür spricht auch der MACD auf Wochenbasis, der gerade auf ein bärisches Cross im überkauften Bereich zusteuert. Hält die untere Trendlinie, sollten Anleger vor einem Einstieg allerdings nochmals einen Blick auf die dann in der Zwischenzeit wohl aktualisierten Analystenbeurteilungen werfen.

Anleger, die nicht auf Einzelaktien setzen wollen, werden vermutlich mit dem «Aktien für die Ewigkeit Index» glücklicher.

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